Stolz und Vorurteil - linke und rechte Kampfbegriffe im Vergleich

Alle reden zur Zeit von „Hass“. Einige mobilisieren zum „Kampf gegen Rechts“. Begriffe wie Fake-News, Rechtspopulismus, Sexismus machen die Runde. Eine Person hat es gar geschafft, zum Synonym für all diese bedeutungsschwangeren Begriffe zu werden: Donald Trump.

Was aber passiert, wenn man diese Begriffe hinterfragt? Viele scheinen nicht zuletzt Sache von Standpunkt und Definition:

Antifa - Pegida

Zahlreiche dieser Kampfbegriffe wurden primär, womöglich ausschließlich für die politische Auseinandersetzung geschaffen. Hier ein paar Wortpaare einander entgegengesetzter Begriffe aus jeweils linkem und rechtem Lager:

Besorgtbürger – Realitätsverweigerer

Rechtspopulismus - Linkspopulismus

Sozialdarwinismus – Egalitarismus

Sexismus – Genderwahn

Politische Korrektheit – Korrektheitsterror

Fake-News – Lügenpresse

Andere, ursprünglich oft philosophisch-wissenschaftliche Begriffe, wurden in der aktuellen politischen Diskussion wiederbelebt, teils in neuem, primär ideologischen Zusammenhang z. B. „postfaktisch“ oder „Gutmensch“. Immer wieder taucht auch der Begriff „fremdenfeindlich“ auf, der eigentlich in einer pluralistischen, seit Jahrzehnten für Menschen aus aller Welt geöffneten, nahezu ALLES tolerierenden westlichen Gesellschaft nicht den geringsten Sinn macht. Misstrauen gegenüber Fremden ist absolut menschlich und biologisch durchaus sinnvoll. Aber nirgendwo gibt es diese „Fremdenfeindlichkeit“ so selten und schwach ausgeprägt wie in Deutschland, dem zumindest räumlichen Mittelpunkt Europas.

Wieder andere Kampfbegriffe gewinnen ihre Bedeutung überhaupt erst durch die jeweilige Szene, in der sie Verwendung finden. So ist „links“ in politisch rechten, konservativen Kreisen von jeher ein Schimpfwort, „rechts“ dagegen in politisch linken Kreisen. Gleiches gilt z. B. für Nationalismus bzw. Patriotismus. In vielen Nationen (USA, Frankreich, Russland, Japan) die selbstverständlichste Sache der Welt und etwas Positives. In linken Kreisen aber - und besonders in Deutschland, auf Basis des speziellen geschichtlichen Hintergrunds - etwas Negatives, für manche gar Inbegriff des Bösen.

Alles Böse aber lässt sich letztlich in einem einzelnen Wort zusammenfassen: Hass, Hasskommentare, Hass-Seiten. Überall regiert offenbar der Hass.

Hass?! Echt jetzt?

Beginnen wir also unsere Begriffs- und Sachverhaltsklärung mit dem schlagkräftigen Wort „Hass“. Natürlich gibt es Hass. Ich hasse z. B. Fisch. Kann der Fisch nix für, ist womöglich sogar froh drüber, ich esse ihn nämlich nicht. Mein Hund hasst Katzen. Das ist purer Rassismus, klar. Führt aber interessanter Weise trotzdem nicht zu Entgleisungen. Man respektiert sich gegenseitig, was oft besser funktioniert als manche Liebesbeziehung.

Und natürlich gibt es auch Verbrechen aus Hass. In Afrika schlägt oft ein Stamm den anderen tot. Oder eine Religionsvarietät die andere. Das ist zweifelsohne Hass. Bei islamischen Demos begegnet einem oft purer Hass:

Auch der Ku Klux Klan ist von offenkundigem Hass getrieben. Begeht Verbrechen aus Hass. Und wird dafür gehasst. Manche Serienkiller töten einen bestimmten Typ Frau, womöglich weil er sie an ihre Mutter erinnert. Das alles ist wahrer Hass.

Aber wo genau kann man in unserer, europäischen Gesellschaft "Hass" verorten, quasi massenhaft, die sozialen Medien dominierend oder zumindest „verunstaltend“?

Es ist immer die Rede von diversen Facebook-Seiten. Wenn mir jemals welche begegnet wären, würde ich sie hier auf ECHTEN Hass hin analysieren. Leider sind mir niemals welche begegnet, immer nur das (hasserfüllte?) Gerede darüber. Was nicht heißt, dass es das nicht gibt. Bei 8 Milliarden Menschen (80 Millionen Deutsche) gibt es prinzipiell alles, das ist gewissermaßen eine Gesetzmäßigkeit der Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik. Salopp formuliert die Ausnahme, die die Regel bestätigt.

Besorgtbürger?

Auch andere Begriffe entlarven sich von alleine, wenn man nur kurz darüber nachdenkt. Besorgtbürger? Was soll das sein? Es ist eine Frage der Planung und der Intelligenz, dass man sich Sorgen macht, Vorsorge betreibt, Risiken rechtzeitig erkennt. Das unterscheidet den Erwachsenen vom Kind, den Menschen vom Tier. Insbesondere wer Verantwortung für andere Menschen trägt, ist geradezu verpflichtet, sich stets mit dem Worst Case Scenario auseinanderzusetzen, darauf vorbereitet zu sein, auch im Vorfeld alles zu tun, um sein Eintreten so unwahrscheinlich wie irgend möglich zu machen. Fazit: ein strunzdummer, sinnloser Begriff, der überhaupt nur in ideologischen Zirkeln, als Schlüsselreiz-Wort funktioniert.

Andere Begriffe, wie Sozialdarwinismus, Sexismus, Politische Korrektheit sind zu komplex, um hier in Kürze abgehandelt zu werden. Tatsache ist nur, dass sie, eben aufgrund dieser Komplexität, nicht für den politischen Schlagabtausch taugen. Dort dienen sie nur als Schlüsselreize für bestimmte Ideologien und Lager.

Donald Trump

Er wurde zur Symbolfigur für quasi alles Böse. Nicht Kim, nicht Assad, nicht Erdogan, ausgerechnet ein demokratisch gewählter, in ein funktionierendes Rechtssystem eingebundener Präsident vermochte wahre Hysteriestürme in manchen Medien und den Köpfen einiger Menschen auszulösen. Wobei die Dinge, die ihm vorgeworfen werden, oft genauso sinnlos sind, wie die Begriffe selber. Er wurde gewählt, gerade weil er so ist, wie er ist. Das können die wenigsten europäischen Politiker von sich behaupten, allen voran eine Angela Merkel, die überwiegend als das kleinere Übel gewählt wurden und nicht wegen ihrer „Persönlichkeit“.

Ob Trump die Wünsche seiner Wähler erfüllen kann, muss die Zukunft zeigen. Bis dahin aber darf man sich Respekt für seine Wähler, Respekt für den demokratisch gewählten Präsidenten, Respekt vor der demokratischen Wahl ausbitten. Trump ist nicht Kim, Assad oder Erdogan. Und er ist auch kein Kriegsverbrecher wie Ex-Präsident G. W. Bush (vor dem die junge Angela Merkel einen Kniefall machte).

Metamorphosen

Viele Begriffe machten im Laufe der Zeit – vor gesellschaftlichem Hintergrund – einen Bedeutungswandel durch, z. B. links und rechts.

War ursprünglich ein „rechter Bürger“ eine aufrechte, gerechte, "richtige" Person, so wurde daraus inzwischen ein ewig gestriger Besorgtbürger.

War ursprünglich ein „linker Kerl“ eine falsche, ungeRECHTe, linkische Person, so wurde daraus inzwischen ein aufrechter Kämpfer für das Gute, geziert mit dem gewissen Heiligenschein des Intellektualismus. Denn auch das ist klar: Intellektuell ist links. Jedenfalls aus Sicht der Linken.

Tatsächlich, und das sollte man nicht aus den Augen verlieren, handelt es sich aber nur um „Himmelsrichtungen“, um Sitzordnungen im Parlament, um Präferenzen des menschlichen Gehirns, das in höherentwickelten Zivilisationen von der linken Gehirnhälfte (= rechte Körperseite) dominiert wird, weshalb traditionell die rechte Hand die richtige, eben "rechte" ist. (Ich bin übrigens Linkshänder).

Und nicht nur Begriffe machen und machten eine solche Metamorphose durch. Auch viele Organisationen und Geistesrichtungen:

Metamorphose

Warum?!

Bleibt die Frage nach dem Warum. Warum verwendet man oft völlig sinnfreie Worte und Anschuldigungen in einer politischen Diskussion, die doch eigentlich der Abwägung und Wahrheitsfindung dienen sollte (im Idealfall)?

Es scheint sich um Fetische zu handeln, um eine Art Wortmagie. Man versucht offenbar, mit der quasi magischen Aufladung dieser Kampfbegriffe den Gegner zu verhexen, zu verfluchen, per Bannzauber zu vertreiben. Zumindest aber die eigenen Reihen zu stärken, wie Miraculix mit seinem Zaubertrank.

Wen wundert es also, dass der eigentliche Sinn der Worte, das tatsächliche Sachverhalte und Ereignisse, überhaupt keine Rolle mehr spielen in der aktuellen Diskussion.

Willkommen in der Rückkehr des magischen Zeitalters.

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