Warum sollte das jemand lesen wollen?

Von POMMES LEIBOWITZ | Über die Anmaßung des gemeinen Bloggers, nicht nur schreiben zu dürfen, sondern auch noch gelesen zu werden, und über die teils merkwürdigen psychologischen Gründe, die dahinter stehen mögen.

Blogger beim Psychiater

Wie sagte einst René Descartes: Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand, denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe. Genau umgekehrt aber verhält es sich mit den verflixten Lesern. Ganz egal, ob ein Blogger 100.000 Leser hat, oder 1000, oder nur sich selbst. Es sind IMMER zu wenig und bei irgendwelchen anderen zu viele. Gefühlter Verstand und tatsächliche Leserzahl sind offenbar unmöglich in Einklang zu bringen, da man das eine im Übermaß besitzt und das andere stets zu wenig.

"Man mutet sich so leichtfertig anderen Menschen zu, und dabei kann man sich kaum selbst ertragen."

Wolfgang Borchert

Viele Leute haben ein Mitteilungsbedürfnis, das sich umgekehrt proportional zu ihrer Fähigkeit zum Zuhören verhält. Im normalen Alltag hilft dann nur der Therapeut (der bekommt Geld fürs Zuhören), oder alternativ der Gang zum Frisör (für Frauen) oder zum Wirt (für Männer). Oder eben das Bloggen (für alle 3 Geschlechter).

Pommes Leibowitz

Wer echte Zuhörer will, der muss auch selber zuhören können, wer seine Meinung äußern will, der muss auch andere Meinungen ertragen und gelten lassen können. Und wer Gesellschaft will, der muss sich verträglich verhalten. Man entscheidet selbst, wo man steht.

Besucherstatistiken

In den ca. 4 Jahren, seit ich anfing zu bloggen, auf unterschiedlichsten Plattformen, habe ich viele Blogger kennengelernt. Einige davon mit wirklich sehr vielen Lesern, mehr als unsere gesamte F+F-Plattform, die Mehrzahl aber mit exakt einem Leser: Sich selbst. Man könnte auch sagen Tagebuchschreiber.

Da darf man sich nicht von Click-Statistiken täuschen lassen. Auch wenn die Statistik vielleicht 20 - 30 Clicks aufweist. Die Hälfte davon hat man in der Regel selbst erzeugt, die andere Hälfte stammt womöglich von Leuten, die gerade mal 5 Sekunden reingeschaut haben und dann wieder gingen. Also eher ein Negativurteil hinterlassen haben. Und selbst wenn jemand kommentiert, hat der mit hoher Wahrscheinlichkeit nur die Überschrift gelesen, aber halt sein persönliches Mitteilungsbedürfnis nicht im Zaum. Kommentatoren sind da kaum besser als die Blogger selbst.

Pauschale Regel: Es sind immer viel weniger als Du denkst.

Pommes Leibowitz

Wie werde ich ein erfolgloser Blogger?

Die Frage, wie man ein erfolgreicher Blogger wird, ist natürlich genauso doof wie die Frage: Wie werde ich Millionär. Aber es gibt es eine Menge Dinge, die man falsch machen kann bzw. die zumindest erklären, warum man mehr oder weniger überhaupt keine Leser hat.

1. Bloggen ist eine soziale Tätigkeit

Wer kaum Leser hat, sollte sich also u. a. fragen, ob er womöglich ein schlechter Gastgeber ist, ob seine kulinarischen Angebote ungenießbar sind, seine wenigen Gäste so unsympathisch, dass sie andere verschrecken. Gute Gastgeber werden in der Regel auch auf andere Parties eingeladen, gegenseitige Einladungen vergrößern stetig den Bekanntenkreis. Es hängt alles zusammen und ist alles das gleiche Phänomen: Soziale Intelligenz.

Wer Leser haben will, der muss kontaktfreudig, nett, humorvoll und tolerant sein, jedenfalls zu all denen, die ebenfalls nett, humorvoll und tolerant sind. So funktionieren Communities, so funktioniert das Leben. Auch Kritik, intelligent und sachlich vorgetragen, kann einem neue Kontakte einbringen. Mancher meiner Bloggerfreunde ist in vielen Dingen völlig anderer Meinung als ich, aber man schätzt die gegenseitig inspirierenden Diskussionen und beide lernen dazu.

Die Grinche, Besserwisser, Knöllchenhorste und Partycrasher dagegen bleiben zwangsläufig unter sich. Es sei denn, sie werden als Gag zum Anheizen der Party eingeladen, was man aber früher oder später bereut ;)

2. Die Verpackung macht's (nicht)

Natürlich, wenn auf dem Tisch ein großes buntes Paket mit Schleife steht, und daneben ein schmuddeliges kleines, wird sich die Mehrheit auf das große Paket stürzen, auch wenn es sich als leer herausstellt, während im kleinen ein Brillant ist. Dumm gelaufen.

3. Die Kombination aus Verpackung und Qualität macht es

Erstbesucher kommen wegen der Verpackung, Wiederholungstäter wegen des Inhalts. Wer nur auf Inhalt setzt, wird vielleicht nie entdeckt. Wer nur auf Verpackung setzt, wird genau einmal besucht, aber dann nie wieder.

Ganz nebenbei: Es gibt auch ein reales Leben,

mit realen Personen und Persönlichkeiten. Nicht aus den Augen verlieren.

Pommes Leibowitz - Hund beim Psychiater

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