Weihnachten ist auch nicht mehr, was es nie war ...

Früher war alles besser. Die Luft und die Gedanken waren reiner, die Wünsche und Ziele hehrer und die Feiertage inniger und besinnlicher.

Früher wusste man noch die kleinen Dinge zu schätzen, zB. warme Socken, von Muttern gestrickt. Und es war doch auch wahnsinnig besinnlich, wenn sich die Familie um den - mühsam mit geklautem Holz beheizten - Ofen versammelte und die Herzen mit nicht schön aber laut vertonten Weihnachtsliedern erwärmte. Und wenn dann Holz und Lieder ausgingen, erfüllten auch die Socken ihren Zweck. Heute dagegen ist doch alles nur noch Kommerz. Immer teurer, größer, schneller. Klassische Wertvorstellungen werden dafür kurzerhand geopfert:

Eines ist wohl wahr:

Nicht der Preis ist entscheidend, ob ein Geschenk Freude bereitet. Mein Hund z. B. kann sich über einen selbst gefundenen, halb vergammelten Stock viel mehr freuen als über ein albernes Hundespielzeug aus dem Tiershop. Und ich entsinne mich gerade an ein Erlebnis aus Kindertagen, als auch MEIN Herz noch rein und unverdorben war:

Mein Vater war von einer seiner Geschäftsreisen zurück gekommen und hatte - wie immer - allen etwas mitgebracht. Mir einen kleinen Lederbeutel (verpacken konnte er nicht und es war ja auch nicht Weihnachten). Neugierig fragte ich, was wohl in dem Beutel sei und er antwortete scherzhaft: "Kieselsteine". Nun, ich war ein Kind, keine Ahnung wie alt, ging jedenfalls noch nicht zur Schule. Und ich freute mich wahnsinnig auf weiße oder bunte, glitzernde und glänzende Kieselsteine. Und was war ich dann enttäuscht, im Beutel nur eine "olle" Mini-Lok vorzufinden. Ein fein gearbeitetes Prunkstück, historische Dampflock, aus verschiedenen Metallen voll beweglich zusammengesetzt. Keine simple Modelleisenbahn oder gar Plastik, eher Schmuck oder Briefbeschwerer für einen antiken Schreibtisch. Bis heute in meinem Besitz. Aber damals hätte ich halt Kieselsteine einfach cooler gefunden ...

Generell kann es bei Geschenken viele Fehler und Missverständnisse geben. Selbst kleine Buchstabentauscher auf dem Wunschzettel können fatale Folgen haben. Fluch der Legasthenie:

Weihnachtsgeschenk

Dass nicht Preis und Kommerz Maßstab für Freude sind, ist klar, gilt allerdings in beide Richtungen. Dass etwas teuer und eigentlich überflüssig ist, schließt große Freude darüber jedenfalls nicht aus. Und wenn ich als Kind die Wahl zwischen einem neuen Fahrrad mit 100 Gängen, einer Xbox mit 100 Spielen, oder einem Paar warme Socken hätte: Wie würde ich mich wohl entscheiden, selbst wenn es noch keine Zentralheizung und Thermopen-Scheiben gäbe?

Machen wir uns doch nichts vor: Dieser "fiese" Kommerz, naturgemäß auch zu Weihnachten, ist die Grundlage unseres Wohlstands. Und auch Grundlage von allem anderen, der lückenlosen Krankenversorgung, der sozialen Absicherung, unserer großzügigen Flüchtlingsasyle usw. All das basiert nicht auf gutem Willen oder hehren Wünschen linker Verteil-Romantiker und Schwätzer, sondern schlicht auf dem durch Kommerz, hohe Produktivität und gesunden Geschäftssinn erwirtschafteten Wohlstand.

Warum soll man das nicht auch an Weihnachten gebührend feiern? Viele Nichtchristen, z. B. auch die Asiaten, machen es uns nach, einfach weil es cool ist. Und wenn es Freude bereitet, dann erfüllt es doch auch einen "tieferen" Sinn.

Aber was ist überhaupt dieser tiefere Sinn des Weihnachtsfestes?

Christi Geburt? Man weiß ja nicht mal, in welchem Jahr Christus geboren ist, geschweige denn an welchem Tag. Tatsächlich wird an diesem Tag die germanische Wintersonnenwende gefeiert. Die Tage werden wieder länger und wärmer. Und das war in Zeiten ohne Zentralheizung und elektrisches Licht in der Tat ein Grund zum feiern, vor allem halt im Norden. Und auch die Figur des Weihnachtsmannes hat ihren Ursprung in einem den germanischen Mythen entstammenden Kobold, der mit seinem fliegenden Schlitten die Leute durch den Kamin heimsuchte. Übrigens nicht immer freundlich gesonnen.

Das endgültige Aussehen des heutigen Weihnachtsmannes wurde dann von Coca Cola kreiert, in den Markenfarben Rot und Weiß, und in die ganze Welt verbreitet. Wenn das nicht kapitalistischer Symbolismus pur ist.

Und heute? Heute wird das Schenken und Feiern an sich zelebriert. Das Fest der Liebe:

Weihnachtliche Kontaktanzeige

Es ist also gar nicht primär der Kommerz, sondern wohl eher das Christentum, das kurzerhand auf diesen Zug aufsprang, um die Geburt seines Heilands irgendwo vorteilhaft unterzubringen. Was ja ebenfalls schön und keinesfalls zu kritisieren ist. Was immer es zu feiern gibt, was sollte am Feiern an sich schlecht sein und warum muss man verschiedene Gründe gegeneinander ausspielen?

Dennoch bleibt wohl dieses zutiefst menschliche Gefühl,

dass früher alles besser war. Und sein wir ehrlich, da ist womöglich was dran. Nicht mal der Weihnachtsmann ist mehr, was er mal war:

Betrunkener Weihnachtsmann

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