Soeben verkündete das Bundesinnenministerium eine wundervolle Entwicklung. Um die Spaltung der Gesellschaft zu verhindern, veranstaltet das Ministerium seit 2015 Workshops mit einer Auswahl islamischer Verbände, was "zu einem vertrauensvollen Dialog geführt [hat]". Dieses Vertrauen soll nun ausgeweitet werden und auch die Chefredakteure und Herausgeber überregionaler und regionaler Medien einschließen, auf dass sie "über die mediale Wahrnehmung muslimischer Mitbürger" verantwortungsvoller berichten können. Die Deutungshoheit solle schließlich nicht Extremisten überlassen werden, so Bundesinnenminister de Maizière, und dazu zählen anscheinend Chefredakteure und Herausgeber überregionaler und regionaler Medien, die ohne die Medienworkshops des Bundesinnenministers in Zusammenarbeit mit islamischen Verbänden auf dumme Gedanken kommen könnten.

Das deutsche Bundesinnenministerium folgt mit diesem Vorgehen dem Beispiel der Europäischen Kommission, die ebenfalls seit 2015 Kolloquien abhält, die „Toleranz und Respekt: Prävention und Bekämpfung von antisemitisch und antimuslimisch motiviertem Hass in Europa" behandeln. Auch erfolgreich, denn seit Mai 2016 gibt es die Direktive der Europäischen Kommission, die Internetfirmen wie Facebook und Twitter dazu verpflichtet, an Gegen-Narrativen zu Hass mitzuwirken, die zu kritischem Denken anregen sollen. Um kritisch Denken zu helfen, wird der Posten des "vertrauenswürdigen Berichterstatters" eingeführt, der die Qualität der Berichterstattung sichert. Unabhängiges Denken führt bekanntlich direkt zu Hate Speech, dem muss abgeholfen werden.

Beide Initiativen rechtfertigen ihr Tun mit der Verhinderung weiterer Anschläge wie in Paris und Brüssel, denn, so de Maizière, "das Internet hat einen wesentlichen Anteil an der Radikalisierung. Wir brauchen die muslimischen Verbände, wenn es darum geht, jungen Muslimen Orientierung zu geben und begrüßen, dass sie sich für die Deutungshoheit über den Islam einsetzen."

Gesagt, getan, ab Anfang 2017 wird mit der Zählung der islamfeindlichen Straftaten begonnen. Wer den Zusammenhang zwischen der Erfassung islamfeindlicher Straftaten und der Verhinderung von Anschlägen durch islamische Terroristen nicht versteht, wird bald durch Gegen-Narrative klüger, der Deutungshoheit der islamischen Verbände sei Dank.

Doch nicht nur de Maizière arbeitet am gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt, auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, integriert erfolgreich Journalisten. Zu diesem Behufe hat sie mit dem Mediendienst Integration das "Journalisten-Handbuch zum Thema Islam" herausgegeben, das "eine differenzierte Berichterstattung unterstützen [will], indem es bekannte Themen neu einordnet, Zusammenhänge verständlich aufbereitet und neue Perspektiven für die Berichterstattung eröffnet." Wer die 85 Seiten befolgt, könnte sich zum vertrauenswürdigen Berichterstatter mausern.

Auch ein weiterer Erfolg des Innenministeriums bei der vertrauensgeleiteten Bekämpfung der inneren Sicherheit, "die Stärkung der interkulturellen Kompetenz der Behörden, wie beispielsweise in den polizeilichen Curricula", wird Journalisten zuteil.

Die Neuen Deutschen Medienmacher (NDM) helfen schon seit 2013, Fakten durch Gegen-Narrative zu ergänzen. Falls Journalisten den Workshop verpasst haben, können sie sich an die NDMs wenden, die Ansprechpartner für interkulturellen Journalismus und eine adäquate, ausgewogene Berichterstattung. Familienministerin Schwesig beauftragte die NDMs mit der Koordination der nationalen Umsetzung des No Hate Speech Movement. Ebenfalls auf EU-Ebene gestartet, lautet das Planziel des Movements für Deutschland "Medienschaffende und hier insbesondere Nachwuchsjournalist*innen für diskriminierungsfreie Sprache in den Medien für eine ausgewogene, sachbezogene Berichterstattung zu sensibilisieren".

Die staatliche Vorgabe von Schwerpunkten an vertrauenswürdige Berichterstatter hat damals schließlich auch dem Neuen Deutschland (ND) zu einer Auflage von einer Million Exemplare verholfen, einer Auflagenhöhe, von der die meisten Tageszeitungen nur träumen können. Journalisten täten also gut daran, sich dem neuen Curriculum zu öffnen, eine unabhängige Presse trägt weder zum Zusammenhalt der Gesellschaft bei, noch stärkt sie die innere Sicherheit. Narrativer Journalismus hingegen vertreibt Hass, Kummer und Sorgen.

„Ich bin so ganz anders als deine Freunde. Die sind falsch. Du must mir Glauben schenken“ sagt die Schlange Kaa, bevor sie Mogli in Sicherheit würgt.

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