Es gibt so viele Krankheiten, aber nur eine Gesundheit...

RichieRich AGIncGmbHCoKGLtd.

Eine Woche vor Weihnachten läutete das Telefon und man hörte es schon am Klang: Es ist was passiert!

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Meine Tante Jenny war dran: "Dein Onkel Charlie hatte einen schweren Herzinfarkt!!!"

ICH: "WAS!?" Das gibts doch nicht, ein junger, starker Mann um die 40, der zwar zu viel qualmt, aber sonst total Gesund schien. Ein fleißiger Familienvater von 5 Kindern, der Tag und Nacht arbeitet, der das alte Haus renovierte, der ...

"Charlie" so nenne ich ihn halt, den einzigen normalen Verwandten, der lag nun auf der Intensivstation und keiner wusste zur Zeit so richtig, ob er durchkommt. Es ist wie in einem der furchtbar kitschig-blöden Ärzteserien - nur viel schlimmer, echter, näher.

Ich brachte kein Wort raus, dafür brach es aus der Tante hervor, all der Schmerz, all die Erlebnisse der letzten Stunden. Von der Sekunde an als er einfach umkippte, über ihre Reanimationsversuche bis zum Start des ÖAMTC-Helis.

So realisiere ich, dass alles passiert(e) wirklich und keine 10 km von uns weg.

Seine Frau hat ihm das Leben gerettet, sind sich auch die professionellen Helfer einig.

Hat noch dazu ein paar der Kinder, die alles mit ansehen mussten beruhigt, und vieles andere in wenigen Minuten gemanagt.

Was soll ich jetzt tun?

Nun, genug Sachen fallen ihr ein: Sofort hin zum Haus der Familie und sich um die Haustiere kümmern, weil alle natürlich ins Krankenhaus fahren. In eine weit entfernte, auf sowas spezialisierte Klinik.

Also bleiben die bei Verwandten, die in der Nähe des Krankenhauses wohnen, gleich über Nacht. Daher muss jemand im Haus auf die vierbeinigen Bewohner aufpassen, Katze gießen und Pflanzen füttern. Heizung nachfüllen, die zuvor noch bestellten Weihnachtspakete entgegennehmen, usw.

Das Wetter passt dazu, es hat an fast allen diesen schweren Tagen Schneestürme (ja ich wieder mit meiner Schneeallergie), Saukalt ist es und für Tante Jenny eine heikle Autofahrt. Tag für Tag mit den Kindern im Wagen über die eisigen Straßen, aufgeregt und aufgewühlt bis zum geht nicht mehr, fährt sie zum ihm.

Besuch in der Intensivstation

Jeden Tag, jede Woche das Gleiche: Besuch in der Intensivstation und es ändert sich nicht viel. Es sei ein sehr schwerer Herzanfall, sagen die Docs, es würde noch lange dauern bis man Entwarnung geben könnte.

Da liegt der sonst so kräftige Mann, völlig hilflos an 1000 Schläuchen, Kabeln inmitten einer Unmenge an blinkenden und summenden Geräten mit Bildschirmen dran. Ich wusste beim ersten Besuch gar nicht was ich sagen sollte, sah nur auf die Monitore, als ob ich mich auskennen täte.

Was soll man auch sagen? Er war nicht bei vollen Bewusstsein, hörte aber scheinbar was. Zu viel Quasseln ist also auch nicht gut, wer weiß ob es nicht irgendwie zu anstrengend ist, wenn er versucht auf mehrere Personen und Stimmen zu achten. Da wusste ich ja noch nicht, dass er eh überhaupt nix mitbekam.

Dann begannen plötzlich die Scheiss Lichter heftiger zu blinken, irgendwelche Zahlen auf "seinen" Schirmen änderten sich und dann begann es wo zu Piepsen: ALARM!

Doch die eh ständig in Reichweite arbeitenden Schwestern wurden nicht hektisch, hantierten mit geübten Griffen an den Reglern, zogen Spritzen auf und dosierten die Sachen in die Infusion. Nebenbei beruhigen sie den Patienten und die noch aufgeregteren Besucher.

Ja, er ist halt eine Kämpfernatur und dementsprechend unruhig, das sei völlig normal, meint der dienst-habende Oberdoc.

Wir sind Kämpfer!

Onkel Charlie ist ein Kämpfer, wir sind es. Das muss ich seiner Frau immer wieder sagen, auch den anderen Verwandten, die plötzlich wieder ein bisschen näher zusammenrücken. Wir, die Männer der Familie sind zwar wie die meisten keine die gerne zum Doc gehen und wir sind Stur. Und wir lassen uns nicht unterkriegen, wir haben schon ganz andere Sachen überstanden.

Jeder Besucher konnte seinen Kampf sehen, wie er gegen die blöden Kabel und Schläuche kämpfte, aus dem Bett raus wollte und sich gegen diese Situation wehrte.

Die entferntere Verwandtschaft erschrak und sorgte sich wegen seiner Abwehr. Ich meinte nur: "Ihr werdet alle sehen, er wird es schaffen!"

Es kam Weihnachten und das neue Jahr stand vor der Tür, aber Onkel Charlie kam nicht nach Hause. Vor allem jene, die nicht in die Intensivstation durften, also die kleineren Kinder und klar, die Haustiere warteten unendlich lang auf Papa und Herrchen.

Ich konnte beim aufpassen auf die Vierbeiner immer nur versprechen, "Herrli kommt bald" und der Hund guckt mit großen Augen, tut als ob er es versteht. Dann weint er wieder und wir gehen in den Schnee raus, spazieren, spielen, ein bisserl Ablenkung.

Happy New Year?

Doch kaum brach das neue Jahr an, kamen die ersten Meldungen wie: "... ist über den Berg!" ... "... ist endlich munter ... hat den ersten Satz gesagt".

Nach etwa einem Monat, davon das meiste intensiv ist endlich die Rede von Entlassung!

JEP!!! Ich habs ja gewusst!

Nun ist er seit ein paar Tagen zu Hause, geht schon wieder vorsichtige Schritte. Ein bisserl abgenommen hat der Ärmste, aber klar, bei dem üblichen Spitalszeugs. Oder wegen der vielen Medikamente oder so.

Er hat nun einen Herzschrittmacher und das ist wahrscheinlich gut so.

Gut ist auch, dass diese schreckliche Zeit auch eine positive Veränderungen ergab: Das Thema Rauchen ist nun in der Familie hoffentlich endgültig beendet. Ja, alle zwei haben ordentlich gequalmt und beide habe nun aufgehört! Hoffe es bleibt so, gell?!

Und es es wird noch andere Veränderungen im Lebensstil geben, vielleicht auch geben müssen.

Alles Gute euch allen, ob Verwandte, Bekannte oder die es noch werden wollen - ich wünsche euch vor allem Gesundheit!

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