"Ich meine es dir ja nur gut" ....

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"Ich meine es dir ja nur gut" - schallt es heute noch in meinen Ohren. Das kam im Gebetsmühlenmodus und bedeutete in der Regel nichts Gutes: Meistens Lebertran aber auch sonst eher ungemütliche Verhaltensweisen, die mir gewaltig gegen den Strich gingen.

"Wir sind ja nicht bei den Hottentotten" (Torsten Sträters Mutter und meine müssen sich gekannt haben). Das kam immer, wenn wir Kinder es aus unerfindlichen Gründen aber aus der Sicht meiner Mutter, es zu übel getrieben hatten. Wie gemütlich es doch da die Hottentotten gehabt haben müssen, die sanktionslos den Beginn eines Geheimganges ins frisch bestückten Rosenbeet legen konnten - von wegen Hottentotten-Planung !

"Iss nicht wie ein Bauer", ist ein Faux pas vom Feinsten, wenn man wie ich am Land aufgewachsen ist. Da wurde man schon einmal auf eine ordentliche Jause eingeladen, die man als Kind in sich hineinschlang, als hätte es zu Hause 3 Jahre nichts zu essen gegeben ....

Apfelkompott ! - weil es ja sooooooooo gesund ist: Es rinnt mir heute noch bei den Ohren raus; auch wenn es gelegentlich mit Rhabarber verfeinert wurde: Aber die Chloräpfel gingen nie zu Ende und die anderen Sorten auch nicht ! Und selbst wenn nachgekauft werden musste: Apfelkompott war gesund ! Vor oder nach dem Lebertran, das weiß ich nicht mehr.

Ebenfalls von Unendlichkeit geprägt: Die Ribiselernte. Das dauerte gefühlte Tage, bis endlich der Boden des Kübels bedeckt war. Die unendliche Geschichte mit Horrorfaktor: Das Entstielen der Ribiseltrauben, denn die Früchte wurden zu einer Marmeladengesamtheit verarbeitet. Gelee wäre die blanke Verschwendung gewesen !!!

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Gut - irgendwann kamen die Beatles und die Stones, da konnte man diesen Singsang für ein paar Minuten ertragen.

Polenta und Lindekaffee müssen unglaublich schön machen - das sieht man an mir :) :) :) Da muss meine Mutter besonders darauf geschaut haben, denn ich kann diese "gelbe Gefahr" bis heute nicht essen ! Zum Frühstück wegen der Schönheit und abends mit Grammeln zum Behufe der fülligen Formen ohne Silicon-Krimskrams:

Mary Quant und ihr Minirock war gekommen, aber Frau trug noch Strümpfe ..... auch im Winter - und damals gab es noch ordentliche Winter auf 1000 m Höhe: Wem da nicht ordentlich kalt war und wer da nicht ständig seinen Rock nach unten zog, weil der Strumpfansatz nicht gesehen werden sollte, der möge sich hier äußern, oder für immer schweigen.

Weg von der Kleidung zurück zu den Speisen: Kürbis ! Meine Großmutter muss für besonders elitäre Zungen gekocht haben. Wessen Geschmäcker davon in Entzücken gesetzt wurden, meiner war nicht dabei! Das war direkt aus der Hölle und dem Kürbis - heute verfeinert bis auf auf ein Hälmchen Dill mit der Pinzette - lasse ich meinen vollkommen Naturschutz angedeihen ! Nein, nein, nein ! Mich graust es noch immer. Auch habe ich den Geschmack von Rahm schätzen gelernt: Großmutter machte nicht viel Firlefänzchen: Mehl und Essig und der Sauerrahm war hergestellt.

Omi hatte aber sonst noch Fähigkeiten und ein Wissen, das ich sehr gerne behalten hätte: Sie konnte wirklich zaubern. Ich erinnere mich an Thymiantee als Hustenmittel ersten Ranges und an den Maiwipferlsirup gegen ... ?? Selbstredend machte sie die Ringelblumensalbe und die Arnikatinktur selbst; Letztere auf ein blutiges Knie ließ den Geschmack für Folter bereits in frühen Jahren aufkommen.

Wie der Lebertran, einem hohen gesundheitlichen Segen zugeprochen, ebenso:

- Brennnesselspinat (geht heute schon, wenn er nach ordentlich Knoblauch schmeckt). Eigentlich ein Allheimittel: Gut als Tee :( gut für die Haare und außerdem und überhaupt ....

- Grießkoch (pfui Teufel)

- Ronensalat - rote Bete (geht schon wieder, aber selten UND mit viel Kren - Meerrettich)

- Tausendguldenkrauttee - dem schmeckt man die Gesundheit auf den ersten Schluck: Mehr schafft man ohnehin nicht !

Ich verdamme nicht alles - ganz im Gegenteil: Ich bin dieser Küche treu geblieben, weil sie mir schmeckt. Ja, und ich gestehe, ich brenne mein Sauerkraut ein und auch eine Gemüse- bzw. auch nur eine Kartoffelsuppe im Winter, weil das sonst nicht rund ist. Eine gute Jause ist für mich nach wie vor ein ordentliches Schwarzbrot mit Grammelschmalz oder aber auch das gute alte Butterbrot, mit oder ohne Radieschen und/oder Schnittlauch.

Habt Ihr auch ein paar grausliche aber auch schöne Erinnerungen ?

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Margaretha G

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Der hat doch einen an der Klatsche!

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Markus Andel

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