La Negra: Haydée Mercedes Sosa und die Misa Criolla

Das Gloria

Eine argentinische Messe für die ganze Welt

Anfang der 50er-Jahre war der argentinische Pianist und Komponist Ariel Ramírez durch das Nachkriegseuropa gereist und von der Begegnung mit zwei deutschen Nonnen, die während der Nazizeit KZ-Häftlinge heimlich mit Essen versorgt hatten, besonders beeindruckt.

Die "Misa Criolla" sollte ein Dank an all jene Menschen sein, die den jungen Musiker während seiner europäischen Wanderjahre unterstützt hatten.

"Ich nahm mir vor, ein religiöses Werk zu komponieren, das die Hoffnung der Menschheit auf eine bessere Welt ausdrücken sollte" - nicht weniger als das beabsichtigte Ramírez mit seiner 1964 in Buenos Aires erstmals aufgenommenen "Misa Criolla".

In der "Kreolischen Messe" wurden die liturgischen Elemente in spanischer Sprache gesungen - nicht mehr auf Latein. Das Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei bekamen jeweils einen anderen Rhythmus südamerikanischer Folkloremusik.

Die erste Einspielung, an der u. a. Ariel Ramírez selbst und der Charango-Musiker Jaime Torres teilnahmen, wurde ein riesiger Verkaufserfolg.

Lange Zeit gab es nur Tonaufnahmen, bevor Ramírez 1967 auf dem europäischen Kontinent seine erste Tournee startete. "Misa Criolla" wurde in den wichtigsten Städten Deutschlands, der Niederlande, Belgiens und der Schweiz öffentlich aufgeführt.

Die Tour endete in Rom mit einem Probespiel im Vatikanischen Radio und einer bedeutenden Privataudienz bei Papst Paul VI., der eine Kopie der Aufnahme erhielt.

Damals trat das geistliche Werk, das in bewegender Weise Freude, Trauer und religiöse Anbetung ausdrückt, seinen internationalen Siegeszug an.

Aufgenommen haben die "Misa Criolla" so berühmte Sänger wie Mercedes Sosa und José Carreras. Bis heute singen Chöre und Solisten in der ganzen Welt die Messe.

Haydée Mercedes Sosa wurde am 9. Juli 1935 im argentinischen San Miguel de Tucumán geboren.

Im Alter von 15 Jahren ließ sich die Tochter einer armen Arbeiterfamilie von Freunden überreden, an einem Wettbewerb im Radio teilzunehmen. Unter dem Pseudonym Gladys Osorio gewann sie einen zweimonatigen Vertrag.

Sie galt als Mitbegründerin der Bewegung "Nuevo Cancionero", einer erneuernden Stilrichtung der Folklore. Zu ihren bekanntesten Liedern gehören "Gracias a la vida", "Al jardín de la república", "Balderrama", "Como la cigarra" und "Duerme negrito".

Vor allem während der Militärdiktatur (1976-1983) war Mercedes ein Hoffnungsschimmer für die Bevölkerung. Ihr Album "Hasta la Victoria" (Bis zum Sieg) von 1972 enthielt sozialen und politischen Sprengstoff.

1979 wurde Sosa - zusammen mit ihrem rund 200-köpfigen Publikum - in La Plata kurzzeitig festgenommen.

Nach 18 Stunden und starkem internationalen Druck kam sie wieder frei, wurde jedoch zum Gang ins Exil gezwungen.

Sosa ließ sich zunächst in Spanien nieder, dann in Frankreich - und wurde überaus populär.

Als die Diktatur in Argentinien in den letzten Zügen lag, kehrte Sosa 1982 in ihr Heimatland zurück und gewann viele internationale Preise.

Am 28. Oktober 2007 erlebte sie mit, wie Cristina Fernandez zur neuen Präsidentin ihres Landes gewählt wurde. Da war sie schon schwer von ihrer Krankheit gezeichnet.

Sie starb am 4. Oktober 2009 im Alter von 74 Jahren.

Die Nachricht über ihren Tod löste bei Musikliebhabern in ihrer Heimat und weit darüber hinaus tiefe Trauer um die liebevoll "Negra" (die Schwarze) genannte Künstlerin aus.

In einem ihrer letzten Interviews sagte Sosa: "Ich habe mich nicht entschieden, für Menschen zu singen. Das Leben erwählte mich dazu."

(Danke Monika)

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