1. August: Was Pocanhontas mit dem Sterben im Mittelmeer zu tun hat.

Die Geschichte von Pocahontas kennen wohl die meisten. Kurz erzählt: Ein Indianermädchen, Tochter eines Häuptlings, verliebt sich in eine weißen Siedler, die Menschen leben friedlich zusammen, bis irgendwer sich nicht mehr an die Regeln hält. Eine Romanze, die Hollywood inspiriert hat.

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Tatsächlich war es aber so, dass im April 1607 englische Siedler die erste feste Siedlung in Nordamerika gründeten. Sie wollten das Land in Besitz nehmen, ein neues England aufbauen und Gold suchen. Die Winter waren hart und die Siedler hungerten – bis hin zum Kanibalismus an ihren eigenen Kindern.

Die Indianer wollten Gewehre im Tausch gegen Lebensmittel und wurden, wen wundert es, von den Siedlern betrogen. Während die Siedler reihenweise verhungerten, drangsalierte ihr Anführer John Smith seine Leute und startete einen Raubzug, um den Indianern Lebensmittel zu stehlen. Sie werden gestellt, Smith droht die Hinrichtung, aber Pocahontas rettete ihn mit ihrer Fürsprache vor dem Tod.

Es begann eine Phase mit gegenseitigen Besuchen und mit Austausch, auch wenn sie sich nicht immer grün waren. Die Siedler schlossen einen Frieden mit den Indianern, den sog. „Pocahontas-Frieden.“ 1613 entführten die weißen Siedler Pocanhontas und nahmen sie als Geisel. Sie behielten Pocanhontas trotz Zugeständnisse der Indianer und eines Abkommens zu ihrer Freilassung, weiterhin als Geisel. Pocanhontas lernte die Sprache, heiratete einen Tabakpflanzer und fuhr 1614 gar nach England. Ihre Geschichte verbreitete sich um die Welt; bis heute.

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Diese erste dauerhafte Siedlung der Engländer auf dem neuen Kontinent war Jamestown, die Siedlung des „Pocahontas-Friedens“.

Am 1. August 1619, also heute vor 399 Jahren kurz nach dem Tod Pocahontas und ihrem Vater dem Häuptling, legte genau an diesem Ort das erste Schiff mit 20 schwarzen Sklaven in den englischen Kolonien, in Jamestown, an. In Virginia florierte ab diesem Zeitpunkt die Plantagenwirtschaft mit dem Tabakanbau. Die Plantagen-Arbeiter in Virginia waren zunächst Menschen in Schuldknechtschaft. Sie wurden dann durch Indianer-Sklaven und dann Schwarze, direkte aus Afrika importiert, ersetzt – sog. „Salzwassersklaven“. Virginia wurde zu einem der profitabelsten Sklavenmärkte in Amerika. Zunächst wurden ungehorsame Sklaven noch von Gerichten bestraft, im 18. Jahrhundert entschieden die Besitzer dann kraft eigener Willkür über Verstümmelungen, Brandzeichnungen, Schläge, Pranger, Auspeitschen und Hängen.

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Auch wenn Jamestown nicht der erste Sündenfall des christlichen Abendlandes an Afrika darstellt; schon 1444 gilt als Beginn einer der größten Völkerverschleppungen der Menschheitsgeschichte, dem transatlantischen Sklavenhandel, als Portugiesen nordafrikanische Berber nach Südportugal verschleppten; so war Jamestown doch der Beginn der systematischen Versklavung von Millionen Schwarzafrikanern zur Bewirtschaftung der Kolonien in der neuen Welt.

Es entstand ein Dreieckshandel. Die europäischen Großmächte beluden Schiffe mit Waffen, Pulver Textilien, Alkohol, die sie an der westafrikanischen Küste gegen Sklaven eintauschten. Die Sklaven fuhren sie über den Atlantik nach Amerika, wo sie verkauften und mit dem Gewinn Gütern der neuen Welt kaufen, welche sie nach Europa zurück fuhren. So schufen sich die europäischen Großmächte ihren Reichtum, durch den Handel mit Waffen, mit Sklaven und mit hochwertigen Gütern, die mit billigen Arbeitskräften und Sklaven produziert wurden.

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Noch heute werden Waffen nach Afrika geliefert, werden wertvolle Rohstoffe billig importiert und wird die Arbeitskraft der Menschen in sklavenähnlichen Verhältnissen ausgebeutet. Die Welt ist weiterhin in rücksichtslose Gewinner und verzweifelte Verlierer eingeteilt.

Doch es ändert sich was, denn auch in Europa selbst werden vermehrt billige Arbeitskräfte geschaffen. „Hartz4“ und „Kurz1“ schaffen heute die Arbeitskräfte, die auf dem Arbeitsmarkt genauso wenig Entscheidungsfreiheit haben, wie damals die Sklaven auf den Plantagen. Lediglich die Disziplinierungsmaßnahmen sind subtiler geworden. Heute wird die Unterstützung gekürzt, was direkte Auswirkung auf die Chancen des Nachwuches hat. Gesellschaftsverträge insbesondere die mit sozialen Errungenschaften, mühsam erstritten, werden per Federstrich abgeschafft.

Damals wie heute ist der Reichtum der Länder des globalen Nordens auf der Ausbeutung von Ländern und Menschen, auf dem Handel mit Waffen und billigen Arbeitskräften, auf Raub, Betrug und Vertragsbruch, aufgebaut.

Dass nun die Menschen selbst auf die gefährliche Schiffsreise gehen, ist ein wohl einer gewissen Komik der Weltgeschichte geschuldet.

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