Allen Unkenrufen zum Trotz: Deutschland geht nicht unter!

Hallo besorgte Bürger und Bürgerinnen: Untergangsfantasien und Lügen machen auch nichts besser.

Sie möchten am Sonntag die AfD wählen, weil Deutschland sonst dem Untergang geweiht ist oder alle Politiker schlechte Menschen sind? Dann haben wir gute Nachrichten: Das stimmt nicht. Beides. Argumente? Hier im Faktencheck.

Was wird erzählt?

Mit der "Flüchtlingswelle", der "Asylflut" und der "Masseneinwanderung" verliert Deutschland seine Kultur und seine Identität. Unsere Enkel werden in einem anderen Land leben.

Warum wird das erzählt?

Diese Geschichte bietet die ultimative Drohkulisse, weil "unsere" gesamte Art zu leben in Frage gestellt wird. Menschen, die vor Krieg und Diktatur fliehen, werden so zu Eroberern oder Invasoren und zu einer Bedrohung umgedeutet.

Was ist daran das Problem?

Die Geschichte macht Menschen Angst, niemand will, dass der eigene Lebensstil bedroht wird.

Menschen, die unsere Hilfe brauchen, werden entmenschlicht. Nicht Einzelne, die vor Hunger und Terror fliehen stehen im Mittelpunkt. Plötzlich geht es um eine gesichtslose aggressive Masse, die "uns" angreift.

Und warum stimmt es nicht, dass Deutschland untergeht?

In Deutschland leben mehr als 82 Millionen Menschen. Im Jahr 2015, also dem Höhepunkt der sogenannten "Flüchtlingskrise" sind gerade mal 890.000 Menschen hierher gekommen. Also etwas mehr als ein Prozent der gesamten Bevölkerung. Jedes Jahr veröffentlicht "Freedom House" eine Untersuchung, in der alle Länder der Erde anhand der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 bewertet werden. Dazu gehören zum Beispiel die Gleichheit vor dem Gesetz, das Recht auf Leben und Freiheit, das Verbot der Folter, das Asylrecht, freie Wahlen, Meinungs- und Informationsfreiheit und viele mehr. Die Forscher vergeben Punkte von 0 bis 100. Deutschland bekommt in der Bewertung der Forscher 95 Punkte. Syrien hat beispielsweise -1 Punkt, Russland hat 20, Saudi-Arabien 10. Schweden und Norwegen erreichen beide 100 Punkte. Deutschland ist eine stabile Demokratie im Herzen Europas. Wir müssen uns keine Sorgen darüber machen, dass ein paar Menschen (gemessen an der deutschen Bevölkerung) mehr daran etwas ändern.

Geschichten, dass Weihnachtsmärkte plötzlich nicht mehr Weihnachtsmärkte heißen dürfen, geistern seit Jahren durchs Internet und werden jedes Jahr aufs Neue wieder entkräftet. Genauso wie viele andere Erzählungen auch, mit denen suggeriert werden soll, dass "wir", also die Deutschen, nicht mehr so leben dürfen wie "früher". Und tatsächlich ändern sich ja auch Dinge. Im Deutschland des Jahres 2017 leben wir heute anders als im Deutschland von 1947, oder '57 oder '87. Und vielleicht leben wir sogar ein bisschen anders als 2016. Frauen sind heute gleichberechtigter als früher, Kinder werden in der Schule nicht mehr geschlagen und Lesben und Schwule dürfen heiraten. Viele Dinge, die sich geändert haben, sind gut, weil sie dazu beitragen, dass mehr Menschen gleichwertig und frei leben können. Entwicklungen wie der fortschreitende Abbau der Sozialsysteme sind eher schlecht. Die Realität ist nicht schwarz und weiß. Wenn Sie etwas ändern wollen, engagieren Sie sich, aber behaupten Sie nicht, dass das Land untergeht, damit helfen Sie niemandem.

http://www.belltower.news/artikel/untergangsfantasien-und-l%C3%BCgen-291796

pixabay

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