Flüchtlinge aus Afrika kennen wir, die aus dem arabischen Raum auch, selbst vom Hindukusch. Aber hat schon wer von den Rohingya aus Myanmar gehört? Belesene Menschen sicherlich, die meisten aber eher nicht.

Rohingya sind Muslime, sag ich gleich zu Anfang für die mit Schubladendenken.

In Myanmar leben etwa 1 Million Rohingya; haben aber kein Anrecht auf die Staatsbürgerschaft von Myanmar. Sie sprechen eine indoarische Sprache. Rohingya leben schon sehr lange in Myanmar, was die Regierung bestreitet und sie als illegale Einwanderer ansieht. Selbst dann sind sie aber schon viele Generationen, sicherlich seit der britischen Kolonialzeit dort ansässig.

Auch die Bezeichnung „Rohingya“ verweigert die Regierung, sie bezeichnet sie schlichtweg als Muslime.

Trotz der Demokratisierung Myanmars sind die Rohingya weiterhin brutalen Repressionen des Militärs ausgesetzt. Augenzeugen berichten von Massakern, Vergewaltigungen, Bodenenteignungen und anderen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Unter anderem wurden ganze Dörfer in Brand gesetzt. Menschen, die versuchten zu fliehen, wurden von den Soldaten regelrecht ins Feuer geworfen.

Besonders in der Kritik steht die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, deren Partei mittlerweile die Regierung des Landes führt. Kyi, die ansonsten gerne über Menschenrechte spricht, schweigt zu den Massakern an den Rohingya. Internationale Organisationen bezeichnen das Vorgehen gegen die Rohingya als "Genozid". Laut der UN sind die Rohingya die am meisten verfolgte Minderheit der Welt.

Auch Rohingya machen sich deshalb auf die Flucht. Passenderweise versuchen sie in Asien zu bleiben, liegt ja näher. Doch fanden sich auch schon Menschen, die den Weg irgendwie durch Afrika geschafft haben und dann mit dem Boot über den Atlantik in Mittelamerika angelandet sind. Andere besteigen zu Tausenden marode Seelenverkäufer und schippern gen Süden, dahin, wo wir Europäer in Südostasien gerne Urlaub machen. Nach Thailand und ein Stück weiter.

Die Nachbarländer sind weniger erbaut über solch Zuwanderung und haben solche Seelenverkäufer, manövierunfähig, draussen auf See belassen, von Helikopter etwas Essen und Wasserkanister ins Meer neben dem Schiff geworfen und diese dann ihrem Schicksal überlassen. Indonesion hat Schiffe mit Sprit und Nahrung ausgestattet und dann wieder in internationale Gewässer geschleppt. Thailand hat den Motor eines Schiffes repariert und weggejagt. Gerüchte machen die Runde dass es dort aus Verzweiflung zu Kanibalismus gekommen sein soll.

Entmenschlichung der Anderen

...Jeder Völkermord basiert auf der Entmenschlichung des Anderen, um jegliches Gewissensproblem von Anfang an vom Tisch zu haben. Menschen sind keine Menschen, weil sie auf der falschen Seite stehen oder noch besser nie da hätten sein sollen und demzufolge enteignet und vertrieben werden können. Das ist die Hauptthese des bis ins Extrem durchgedachten Antihumanismus. Wie der Humanismus, der als seine positive Kehrseite gilt, ist auch der Antihumanismus ein politisches, pragmatisches Wirtschaftsmodell. Denn die Auslöschung des Anderen bedeutet die Durchsetzung meiner Interessen in einem menschenleeren Land, die Ausbeutung der Ressourcen dieses Landes und die Verwandlung dieses Landes in meinen eigenen religiösen und kulturellen Raum...

...Ein Wort möchte ich noch zu den Widerstandskämpfer sagen, denn auch sie sind Teil des Narratives der Regierung von Myanmar. Sie werden als muslimische Terrorgruppen bezeichnet, aber was sie fordern sind nicht religiöse Rechte als Muslime, sondern grundlegende Menschenrechte und Bürgerrechte, wie die Staatsbürgerschaft, die ihnen 1982 von der Militärdiktatur aberkannt worden war.

Die Widerstandskämpfer sprechen nicht von religiöser Verfolgung, weil sie Muslime sind, sondern sprechen von Verfolgung als ethnische Gruppe von Menschen und von Vertreibung aus ihrer Heimat, von den dauernden Angriffen gegen ihre Dörfer und die systematische Tötung von Zivilisten, von Vergewaltigungen und von Menschenhändlern….

Zum Weiterlesen:

http://www.independent.co.uk/news/world/asia/rohingya-muslims-burma-government-rapes-massacres-government-genocide-ethnic-cleansing-rakhine-a7471636.html

https://www.pressenza.com/de/2016/12/rohingya-die-vergessenen-opfer-des-antihumanismus/

http://www.themalaymailonline.com/malaysia/article/migrant-crisis-the-boats-and-the-numbers

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