Diesmal trifft auch die Privilegierten.

Die Welt war aufgeteilt in Privilegierte und Benachteiligte. Wir haben uns daran gewöhnt mit dem Pass überall hinreisen zu können, mal eben im Nachbarland einzukaufen und wir wurden auch meist mit offenen Armen empfangen; weil wir das Geld hatten, sonst eher nicht so herzlich. Wir haben ein Gesundheitssystem das alles medizinisch Mögliche bereitstellt, ohne groß Kosten zu beachten. Und wir konnten uns von der Verantwortung in vielen Bereichen freikaufen oder haben das Geld und die Waffen um uns zu holen was wir wollen/brauchen. Und wenn arme Schlucker an der Grenze anklopften, haben wir verächtlich auf sie runter gesehen.

Das Öl floss immer, wie wir es benötigten, ebenso wie der Kaffee, wirtschaftsnotwendige Rohstoffe und lebensnotwendiger Technik. Wir bezahlten oder holten es uns.

Das funktionierte so seit Beginn der Globalisierung; seit Zeiten der Pest und auch damals konnten sich die Privilegierten nicht nur alles holen; auch damals konnten sie mit dem Ablasshandel von den Sünden freikaufen.

Geschichte wiederholt sich; auch Pestzeiten. Diesmal eben Corona, die „Quarantäne“ ist zurück, mit der Venedig erstmals Menschen systematisch absonderte um die eigene Gesellschaft zu schützen. Venedig erkannte schon damals die Zusammenhänge von Handel, Epidemien, von Auswanderung und Flucht, während es heute auch erkennt, wie viel Dreck die Menschheit im Fluß des hektischen Lebens hinterlassen hat.

pixabay

Es ist zurück in Europa, zurück in der reichen Welt. Und auch nicht neu in diese Welt gekommen ist die „statistische Diskriminierung“. Etwas was wir nicht kannten, etwas von dem wir höchstens gehört haben, dass anderen so ergeht, aber doch niemals uns, aber ganz sicher der arme Schlucker der an der Grenze anklopft, den dem haben wir gezeigt, was "statistische Diskrimierung" ist. Den Begriff kannten wir nicht, erfahren haben wir es auch noch nicht, … nicht zu unseren Lebzeiten; währen die Erfahrung unserer Großeltern in Nebel der Geschichte verwaschen wurde.

Der Brite hat letztens eine Ahnung davon bekommen, als er sich bei Grenzkontrollen in der längeren und langsameren Reihe zusammen mit Afrikanern und Asiaten anstellen musste. Selbst die Privatjets der Allerreichsten unterliegen Reisebeschränkungen. Der Italiener war nach dem Fall der Mauer der erste Europäer der wegen Corona Freiheitseinschränkungen erfahren musste; das erfahren musste, was der Deutsche (Ost) schon wieder vergessen hat. Wer heute auf Meetings und Konferenzen geht, wird allein deswegen ausgeladen, weil er letztens in einem Gebiet war, das jetzt nicht mehr den besten Ruf hat; ….China, Tirol oder Elsass….... Wir können uns selbst nicht mehr davor schützen; vielleicht reisen wir nicht mehr nach China, aber wer rechnet damit nach der Karnevalssitzung in Heinsberg zu den Paria zu gehören?

Wer diesen Winter in Tirol am Skifahren war hat mittlerweile denselben öffentlichen Status wie ein Nigerianer oder ein Bangladeshi, sie werden ausgestoßen und abgesondert.

Allein aufgrund einer Eigenschaft ausgeschlossen, gemieden und wie wir in Heinsberg gesehen haben, angefeindet und bedroht. Plötzlich gilt jeder als verdächtig, jetzt kann der Nachbar, die Freundin, das Enkelkind der Überträger der Krankheit sein.

Kompensationshandlung wird der Hamsterkauf von Klopapier; denn da kann man nichts falsch machen. Deutsche hamstern Klopapier im Elsass, der Kalifornier in Mexiko und der Franzose bunkert Rotwein. Das hamstern macht uns alle gleich und der Deutsche sucht seine gemeinsame Identität in weißen runden Rolle Flauschigweich.

Grundrechtseingriffe, die sonst nur Minderheiten auferlegt wurden, treffen nun Alle. Afrika schließt die Grenzen zu Europa, Mexiko schließt die Grenze zur USA, Deutschland schließt Grenzen für deutsche Touristen, wo seit 150 Jahren keine Grenzen mehr waren. Sicherheiten gibt es nicht mehr.

Szenarien, die wir von zwei Wochen noch mit einem schallenden Gelächter abgetan hätten, werden Wirklichkeit. Wenn wir auch derzeit noch nicht die dringende Notwenigkeit haben, in die entgegengesetzte Richtung zu fliehen, so sehen wir doch, dass die Welt von uns gelernt hat und genauso schnell reagieren kann; reagieren wird.

All das hält den Virus nicht auf. Die Welt akzeptiert Ungleichheit und Ungerechtigkeit nicht mehr so wie früher. Sie erkennt, dass es keine Grenzen gibt.

Cornona macht uns gleicher.

3
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
6 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

G. Szekatsch

G. Szekatsch bewertete diesen Eintrag 20.03.2020 13:02:46

Wurschtbrot02

Wurschtbrot02 bewertete diesen Eintrag 20.03.2020 08:40:44

Iris123

Iris123 bewertete diesen Eintrag 20.03.2020 00:45:39

48 Kommentare

Mehr von robby