Das Paradies der Reichen ist gemacht aus der Hölle der Armen (Victor Hugo)

Zweimal im Jahr sind die großen Kinder-Schokoladen-Tage. Dieses Wochenende ist wieder einer.

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In den Kakaoplantangen in Westafrika freuen sich die Kinder wie Schneekönige, weil sie die Bäuche der Schiffe mit ihrem liebevoll geernteten Kakao füllen können. Wie schön muss es sein, eine erfüllende Arbeit, die anderen Menschen Freude macht, zu haben. Wenn auch der eine oder andere Aspekt ihres Jobs weniger süss; denn bitter ist, so kurbeln sie doch den Welthandel an und ermöglichen vielen anderen Menschen ein tolles Leben mit Schokoschnäutzchen in der sozialen Hängematte eines gut funktionierenden Sozialssystems.

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Ja, wir sollten wirklich unser Leben in Saus, Braus und Völlerei ein wenig mehr zu schätzen wissen. Dass wir das nicht tun, können wir täglich in den Medien, auch hier auf FuF lesen. Kein Problem, von den kindlichen Kakao-Erntern macht sich vielleicht so mancher bald auf den Weg, um von dem Sozialsystem zu profitieren, das sie mitfinanzieren und das wir so wenig zu schätzen wissen.

Es sind nicht nur die braven Kindchen der Kakaoplantagen, die ihren Beitrag zu unserem Wohlstand leisten. Kinder arbeiten in vielen Ländern der Welt:

Sie bauen unsere Handys, nähen unsere Kleidung, ziehen mit unseren Waffen in den Krieg und verkaufen ihre Körper. Weltweit sollen über 160 Millionen Kinder arbeiten. Gemessen am Kinderbevölkerungsanteil, sind das immerhin 10% aller Kinder. Sie opfern ihre Kindheit und ihre Gesundheit für unsere Konsumgier.

Haben sie einen guten Job als Haushaltshilfe irgendwo in der Villa eines wohlhabenden Profiteur des Kapitalismus', dann arbeiten sie mal eben 100 Stunden die Woche; haben sie einen schlechten Job, dann kriechen sie in winzige Löcher und vergiften sich mit Quecksilber, um die Rohstoffe für unsere goldenen Hochzeitsringe zu bergen.

Das Paradies der Reichen ist gemacht aus der Hölle der Armen (Victor Hugo)

In westlichen Industriestaaten Kinderarbeit sie verboten; in islamischen Ländern auch. Sie ist vom Gesetz her verboten, d.h. unsere Kinder dürfen nicht arbeiten. Nicht verboten dagegen ist der Nutzen, den wir aus der Kinderarbeit ziehen.

In allen Lieferketten, die wir nutzen, ist Kinderarbeit vorhanden. Da hilft es nicht, auf die anderen zu verweisen, denn wir sind die Nutznießer. Sonst wären weder Handy noch Kaffee noch T-Shirt so billig. Auch das Koltan, das wir unbedingt für unsere Elektronik benötigen, wird mit Kinderhänden unter der Knute von bewaffneten Warlords im Kongo aus der Erde gegraben. Unsere T-Shirts werden von Kinderhänden, getüncht in giftigem Sud, mit leuchtenden Farben versehen. Wir erfreuen uns sowohl des neuen Handys, wie auch des bunten Hemdes und sind uns dessen Herkunft und des Leides, das für die Herstellung verursacht wird, (nicht?) bewusst.

In Indien arbeiten bis zu 60 Millionen Kinder, abhängig von der Zählweise. Sie produzieren Feuerwerkskörper, an denen wir an Silvester unseren Spaß haben, schuften in der Textilindustrie oder produzieren in Steinbrüchen Grabsteine für den europäischen Markt. Wenn also eure Eltern sterben, fragt doch einfach mal beim Steinmetz, wo denn der Stein herkommt. Verschiedene Städte wollten schon Grabsteine aus Kinderhand in ihren Friedhofsatzungen verbieten. Sie scheiterten an geizige Erben und den Verwaltungsgerichten.

Bangladesch produziert viel billige Kleidung für unserer Märkte, ab und an bricht mal ein marodes Fabrikgebäude zusammen. 3,5 der etwa 40 Millionen Kinder dort schuften sich krank, noch mehr gehen nicht zur Schule.

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10 % der Kinder in Nepal arbeiten, produzieren Ziegelsteine für den heimischen Markt und knüpfen Teppiche für die reichen Ländern. Schaut doch mal, womit ihr in euren Wohnzimmern eure Füße warm haltet.

Das Paradies der Reichen ist gemacht aus der Hölle der Armen (Victor Hugo)

In Indonesien arbeiten Kinder in der Landwirtschaft und auf Fischfangplattformen vor den Küsten, viele Mädchen arbeiten in Haushalten, oft mehr als 100 Stunden die Woche. Sag hier noch einmal einer, Ausländer wären faul.....

Menschenhändler entführen auf den Philippinen Mädchen aus den Dörfern, um sie als Arbeiterinnen oder Sexarbeiterinnen zu benutzen. Viele sind keine fünf Jahre alt.

Rebellengruppen sowohl auf den Philippinen, wie auch in vielen Ländern Afrikas entführen Kinder, um sie als Soldaten und willige Tötungsmaschinen auszubilden.

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In Myanmar werden gar 20% der Kinder in Arbeit gehalten, oft in der Landwirtschaft, der Baubranche und der Produktion. Einige Bundesstaaten in Indien weisen eine Quote von 1/3 aller Kinder als Kinderarbeiter aus.

Das Zustandekommen der Zahlen ist umstritten, manche zählen nur die unter 15 Jahren, andere die unter 18, wieder andere nur diejenigen, die durch die Arbeit am Schulbesuch gehindert werden. Aber erschreckend sind diese Zahlen trotzdem, denn ihnen wird die Kindheit gestohlen.

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In Europa gab es auch Kinderarbeit; so war im 19. Jahrhundert 1/3 aller Fabrikarbeiter Kinder. Preußen verbot Kinderarbeit von unter 9jährigen und begrenzte die Arbeitszeit von 9-16jährigen auf 10 Stunden am Tag, weil die Rekruten für das Militär in der körperlichen und geistigen Entwicklung zurückgeblieben waren.

Bis vor 100 Jahren war es erlaubt und es wurde kräftig in Anspruch genommen, dass Kinder für Arbeit in der Landwirtschaft durch halb Europa gewandert sind, u.a. die sog. „Schwabenkinder“. In der Schweiz konnten diese sog. Verdingkindern noch 1950 ersteigert (!) werden.

Die UNICEF schätzt die Zahl der Kinderarbeiter heute auf gar 190 Millionen, das von in Asien 120 Millionen und in Afrika 50 Millionen.

Das Paradies der Reichen ist gemacht aus der Hölle der Armen (Victor Hugo)

Viele Leute haben durchaus Verständnis für Kriegsflüchtlinge, die in ihrer zerbombten Heimat nicht mehr leben können, doch viele halten die sogenannten Armutsflüchtlinge für "Sozialschmarotzer". Das sind diese "Ich hab nichts gegen Ausländer, aber … -Typen"

Viele der Flüchtlinge haben in ihrer Heimat keine Lebensgrundlage mehr, weil wir, die westliche Welt, sie ihnen genommen haben. Afrika ernährt die ganze Welt und hat selber nichts mehr übrig. Unser Wintergemüse, Obst und Südfrüchte kommen von dort. Unser Kakao, Kaffee, Tabak, Baumwolle und sogar Schnittblumen kommen von dort. China, USA und Europa beuten die Bodenschätze aus. Shell hat u.a. das Nigerdelta zur Hölle auf Erden gemacht. Dort läuft seit mehr als 50 Jahren Erdöl aus zig Lecks und lässt den Fluss und das Land absterben (Fischfang und Landwirtschaft sind unmöglich, die Lebenserwartung der Bevölkerung ist auf ca. 45 Jahre gesunken).

Und Nestlé beutet das Grundwasser aus. Für lächerliche Beträge darf Nestlé das Grundwasser aus verschiedenen Armutsregionen absaugen, welches uns dann als teures Tafelwasser verkauft wird.

Landgrabbing wird es genannt, wenn reiche Konzerne in armen Ländern Land kaufen oder pachten, um dort Gemüse für den Eigenbedarf anzubauen. Auch deutsche Firmen sind fleißig dabei.

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