"Operation Olivenzweig"

Gehts nach einigen Protagonisten hier im Land, dann sind „gute Flüchtlinge“ die, die zu Hause bleiben, die ihr Land trotz allem nicht verlassen und dort ausharren, im zerbombten Nichts, obwohl sie woanders ein einigermaßen sicheres Leben haben könnten, selbst wenn ihnen dort, also z.B. im ostdeutschen Ausland, ab und an mal eine Unterkunft über dem Kopf abgefackelt wird oder Nazi-Bürgerwehren die Unterkunft stürmen und sie verkloppen. Das gehört vielleicht zum allgemeinen Fluchtrisiko.

Aber die „guten Flüchtlinge“ bleiben zu Hause, so wie innersyrische Flüchtlinge in Afrin. Es ist ja auch kein Problem zu Hause zu bleiben, herrscht doch in Syrien gar kein Krieg mehr, zumindest wenn man einigen hier in der Comm glauben schenken darf.

Vor dem Krieg hatte Afrin knapp 50.000 Einwohner. Da in Syrien nun doch Krieg herrscht und die „guten Flüchtlinge“ zu Hause bleiben sind, sind eben einige innerhalb des Landes nach Afrin gefloh.... sorry... natürlich "umgezogen"; den Flucht ist ja so ein bösesböses Wort.

shutterstock/Lukasz Z

Heute hat Afrin unterschiedlichen Angaben zufolge zwischen 350.000 und 800.000 Einwohner, aber so genau bringt das heute keine Bürokratie, selbst in Syrien, mehr auf die Reihe, zumal gestritten werden kann, ob nicht die eine oder andere angrenzende Gemeinde mitgezählt wurde.

Egal in Afrin wohnen also die „guten Flüchtlinge“, die Mutigen, die die es nicht für nötig erachteten ihren Kindern das Überleben im Ausland zu sichern: Es könnte aber auch die sein, die seit der Grenzschließung durch die Türkei gar nicht mehr außer Landes können, obwohl sie wollten; denn Afrin liegt in Steinwurfreichweite zur, respektive Granatwurfreichweite von der türkischen Grenze entfernt. Es sind dann wohl eher „Zwangs-Gute-Flüchtlinge“; aber immerhin "Gute", denn sie sind ja nicht hier.

Nun wohnten dort auch ein paar Kurden, wobei das wohl weniger die „guten Flüchtlinge“, denn ein großer Teil von der ursprünglichen Bevölkerung hat schon vor ein paar Jahren das Richtige gemacht und ist abgehauen, bevor die Türkei die Grenze geschlossen hat. Heute wohnen dort viele arabischsyrische Flüchtlinge aus dem Rest Syriens und kurdische Flüchtlinge aus der weiteren Umgebung.

Selbst die USA unter Trump hat sich den kurdischen Menschen dort gewidmet und ihnen bei der Verteidigung der Stadt gegen den IS, gegen die syrische Armee oder wer da sonst noch kreucht und fleucht, unter die Arme gegriffen; die USA wollen da gar zusammen mit den Kurden eine Schutztruppe aufbauen. Wow, welch ein außenpolitisches Projekt des US-Präsidenten.

Das passt nun unserem Nato-Partner Türkei und dessen despoten-ähnlichen Präsidenten gar nicht. Sie haben heute mit dem Granatbeschuss und der Bombardierung der „guten Flüchtlinge“ in Afrin begonnen. Unterstützung bekommt die Türkei von Al-Nusra-Front, einem Al-Kaida-Ableger. Al-Nusra wirf den Kurden in Afrin vor, Syrien spalten zu wollen; da herrscht dieselbe Angst vor einem unabhängigen Kurdistan vor, wie in der Türkei, was sie zu natürlichen Verbündeten macht. Nun , Erdogan hat damals ja mit dem IS dicke Geschäfte gemacht, heute wohl mit der Al-Nusra-Front; was die Al-Nusra wohl dazu bewogen hat, heute mit syrischer und türkischer Fahne, seit an seit mit den türkischen Granaten gegen Afrin aufzumarschieren.

irgendnen arabischer Sender

(aktuelles Bild von Al-Nusra-Kämpfer bei Afrin)

Ich weiß, es ist etwas verwirrend.. und ich erwarte nicht, dass da noch einer durchblickt. Sicher ist, dass Nato-Partner Türkei Verbündete des Nato-Partners USA angreift und bombardiert, oder um es genauer auszudrücken: Die Türkei beschießt die „guten Flüchtlinge“ – Wo bleibt der Aufschrei derjenigen, die die Syrer dazu ermuntern zu Hause zu bleiben oder wenigstens das Mitgefühl?

Das ganze nennt sich "Operation Olivenzweig", sprachlicher Mißbrauch eines Friedenssymbols ersten Ranges.

Hier muss ich jedem Syrer, der es bis Europa geschafft hat, gratulieren und ihnen recht geben: „Ihr habt das einzig Richtige gemacht!“

http://www.tagesschau.de/ausland/syrien-truppen-afrin-103.html

Hey Leute, guckt mal alle: Die Leopard-II-Panzer, die Deutsc-land aufruesten will, auf dass sie hoffentlich bald gut treffen und nicht ins Blaue hinein schießen müssen. Einmal durch die Waschanlage und dann kräftig polieren, dann lassen sich schöne Bilder mit Politiker davor machen, um nach dem Fotoshooting wieder gegen die "bösen" Flüchtlinge zu wettern.

5
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
3 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

Leitwolf

Leitwolf bewertete diesen Eintrag 03.02.2018 06:25:41

anti3anti

anti3anti bewertete diesen Eintrag 21.01.2018 15:57:41

Iris123

Iris123 bewertete diesen Eintrag 21.01.2018 13:55:03

philip.blake

philip.blake bewertete diesen Eintrag 21.01.2018 09:25:39

Aron Sperber

Aron Sperber bewertete diesen Eintrag 20.01.2018 21:23:57

22 Kommentare

Mehr von robby