Die Krux mit der Monogamie.

Glaubt man dem Gerede der Menschen, dann hält die große Mehrheit ein Leben außerhalb der Monogamie als „moralisch falsch“ und „nicht akzeptabel“. Und tatsächlich hört und sieht man überall, dass sich Paare trennen, weil einer der beiden etwas zur Seite geschielt hat.

Offensichtlich sucht jeder die große wahre Liebe, den einzig richtigen Seelenpartner, und glaubt, ihn immer wieder auch gefunden zu haben. Dass dieser Seelenpartner in zwei drei Jahren plötzlich ein Anderer sein kann, das widerspricht dieser Idee. Denn manchmal, wenn sich eine Beziehung gefestigt hat, beginnen die Menschen sich wieder umzuschauen. Heute, mit sozialen Medien und Dating Apps, ist das kein Problem mehr, es bieten sich viel mehr Versuchungen und Verlockungen als je zuvor. Flirtsignale sind nur einen Mausklick weit und der „Mausrutscher“ kann auch hier fatale Folgen mit weiteren Konsequenzen haben.

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Wenn aber der Sex mit einem Anderen so inakzeptabel ist, wie kann es dann so oft passieren? Zumal es keine kulturelle Eigenheit ist, sondern weltweit überall in allen Kulturen, mal mehr oder weniger offen, passiert. Auch und gerade in Gesellschaften, denen wir es, aufgrund unserer Vorurteile eben nicht zutrauen; auch in den Gesellschaften, die ihre Frauen verschleiern und vor der Öffentlichkeit „weg-sperren“. Etwa 20% der Menschen, sowohl Männer wie Frauen haben ihren Partner schon betrogen. Sind wir dazu bestimmt mit ein und derselben Person für den Rest unseres Leben zusammen zu bleiben? Oder ist unsere wirkliche Natur anders; sind Menschen monogam oder nicht?

Es gibt etwa 5000 verschiedene Säugetierarten auf der Erde. Höchstens 5% von ihnen sind tatsächlich monogam. Biber, Wölfe und einige Affenarten gehören zu den wenigen. Der Mensch hat im Laufe seines Lebens 6 bis 7 Sexualpartner, bevor er in einer Beziehung sesshaft wird. Wir haben hunderte Male Sex ohne Nachwuchs zu zeugen, selbst dann, wenn die Frau gar keine Eisprung hat. Einzig Bonobos haben ein ähnliches Sexualverhalten, das sich nicht an der Fortpflanzung orientiert.

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Kennt ihr den Begriff der „sozialen Monogamie“? Wenn eine Person Sex mit anderen als dem festen Partner hat und am Ende, oder Abends oder regelmäßig wieder „nach Hause“ findet, dann ist er ein solcher „sozialer Monogamist.“

Zu früheren Zeiten, als die Frauen oft kein eigenes Einkommen hatten, waren sie mehr an der Monogamie interessiert, es ging schließlich um ihre Existenz; zumal in Deutschland das Scheidungsrecht noch auf dem Verschuldensprinzip basierte. Seitdem die Gleichberechtigung in unseren Gesellschaften teilweise Einzug gehalten hat, ist dieser Aspekt mehr in den Hintergrund getreten. So hindern uns heute mehr die anerzogenen Glaubenssätze daran, die Natur auszuleben; die Möglichkeiten einen Partner zu finden, dessen Gene besser zu den eigenen passen, respektive der Versorgungsgrad/Wohlstand verbessert wird, sind höher und diese natürlichen Ziele leichter zu erreichen; das gilt ausdrücklich für beide Geschlechter.

Der Unterschied zwischen den Geschlechter beginnt, wenn sich Nachwuchs einstellt. Da hat die Frau die mit Abstand größeren Lasten zu tragen, was wiederum das Bedürfnis an der Bindung verstärkt und ihre Chancen auf dem „Markt der Gelegenheiten“ einschränkt. Gemeinsame Kinder sind in den meisten Fällen der Grund, warum sich zwei Partner zusammentun; was natürlich dem Kindeswohl dient.

Der Mensch hat im Laufe der Evolution die Verpflichtung für den Nachwuchs übernommen, was allein schon aus der Entwicklung des Kindes, die eben keine Nestflüchter sind, geschuldet ist. Das menschliche Hormonsystem hat hierfür das „Oxytozin“, auch Liebes- oder Kuschelhormon genannt, vorgesehen. Die Ausschüttung beginnt mit der ersten Verliebtheit und dauert meist vier bis sieben Jahre, also die Zeit, die der Nachwuchs benötigt, um dem Gröbsten zu entwachsen. Nicht umsonst wird auch in der Ehe vom verflixten siebten Jahr gesprochen. Es ist der Zeitpunkt, an dem sich die Oxytozinausschüttung vermindert. Haben die Partner bis zu diesem Zeitpunkt keinen anderen gemeinsamen Lebensinhalt gefunden, so bedeutet das das Ende der Beziehung, zumindest auf emotionaler Ebene.

Ja, es gibt diese lebenslangen Beziehungen. Sie sind mit der Eheschließung fixiert worden, haben sich aber im Laufe der Jahre von der Erotik und Sexualität hin zu einer Interessengemeinschaft entwickelt. In letzter Konsequenz ist es für alt gewordene Paare essentiell, wenn der Eine weiß, wo der Andere gestern Abend seine Hausschuhe hat liegen lassen und der Andere weiß, wo der Eine sein Glas mit den Zähnen abgestellt hat. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Die partnerschaftliche Bindung ist zum Standard in unserer Gesellschaft geworden; egal, ob Ehe oder Beziehung; die Erwartungen an solch eine Bindung ist ein vertrauensvoller Umgang, natürlich in Monogamie. Aber wenn der Preis der dafür zu bezahlen ist die Vorteile übersteigt, dann steigt die Wahrscheinlichkeit der Untreue; der häufigste Grund für Untreue ist eine mangelnde Befriedigung sowohl sexueller als auch emotionaler Bedürfnisse innerhalb der Standard-Beziehung. Aber Änderungen innerhalb bergen eine große Gefahr des Bruchs.

Solange das Oxytozin die Basis der Beziehung ist und eine gute Zusammenarbeit bei der bei Problemlösungen besteht, hält die monogame Beziehung. Die Natur des Menschen auf lange Sicht betrachtet, lässt aber nicht auf eine natürliche Monogamie schließen. Hier hat das vorherrschende Gesellschaftsbild seinen unheilvollen Stempel aufgedrückt: Wir akzeptieren nichts anderes als eine monogame Beziehung.

Ein paar Zahlen aus den USA, in Europa ist da sicherlich kaum ein Unterschied.

Quelle: https://today.yougov.com/news/2015/06/02/men-more-likely-think-cheating/

- 41% der Männer denken darüber nach, ihre Partnerin zu betrügen;

- 28% der Frauen haben denselben Gedanken;

- 39 % der Männer behaupten, sie haben niemals dran gedacht

- 54% der Frauen äußern sich genauso.

- 21% der Männer geben tatsächlich zu, betrogen zu haben

- 21% der Frauen auch.

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