Einmal im Jahr ist der Weltkinderarbeitstag, genau genommen der Welttag gegen Kinderarbeit; wir „gedenken“, um nicht zu sagen „feiern“, jeden Juni die Kinderarbeit rund um den Globus, denn sie bauen unsere Handys, nähen unsere Kleidung, ziehen mit unseren Waffen in den Krieg und verkaufen ihre Körper.

Weltweit sollen über 160 Millionen Kinder arbeiten. Gemessen am Kinderbevölkerungsanteil, sind das immerhin 10% aller Kinder. Sie opfern ihre Kindheit und ihre Gesundheit für unsere Konsumgier.

Haben sie einen guten Job als Haushaltshilfe irgendwo in der Villa eines wohlhabenden Profiteurs des Kapitalismus', dann arbeiten sie mal eben 100 Stunden die Woche; haben sie einen schlechten Job, dann kriechen sie in winzige Löcher und vergiften sich mit Quecksilber, um die Rohstoffe für unsere goldenen Hochzeitsringe zu bergen.

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In westlichen Industriestaaten ist sie verboten, in islamischen Ländern übrigens auch. Sie ist vom Gesetz her verboten, das heißt, unsere Kinder dürfen nicht arbeiten. Nicht verboten dagegen ist der Nutzen, den wir aus der Kinderarbeit ziehen.

In fast allen Lieferketten, die wir nutzen, ist Kinderarbeit vorhanden. Da hilft es nicht, auf die anderen zu verweisen, denn wir sind die Nutznießer. Sonst wären weder Handy noch Kaffee noch T-Shirt so billig. Auch das Koltan, das wir unbedingt für unsere Elektronik benötigen, wird mit Kinderhänden unter der Knute von bewaffneten Warlords im Kongo aus der Erde gegraben. Unsere T-Shirts werden von Kinderhänden, getüncht in giftigem Sud, mit leuchtenden Farben, versehen. Wir erfreuen uns sowohl des neuen Handys, wie auch des bunten Hemdes und sind uns dessen Herkunft und des Leids, das für die Herstellung verursacht wird, nicht bewusst. Oder etwa doch?

In Indien arbeiten bis zu 60 Millionen Kinder, abhängig von der Zählweise. Sie produzieren Feuerwerkskörper, an denen wir an Silvester unseren Spaß haben, schuften in der Textilindustrie oder produzieren in Steinbrüchen Grabsteine für den europäischen Markt. Wenn also eure Eltern sterben, fragt doch einfach mal beim Steinmetz, wo denn der Stein herkommt. Verschiedene Städte wollten schon Grabsteine aus Kinderhand in ihren Friedhofsatzungen verbieten. Sie scheiterten an geizige Erben und den Verwaltungsgerichten.

Bangladesch produziert viel billige Kleidung für unserer Märkte, ab und an bricht mal ein marodes Fabrikgebäude zusammen. 3,5 der etwa 40 Millionen Kinder dort schuften sich krank, noch mehr gehen nicht zur Schule.

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10 % der Kinder in Nepal arbeiten, produzieren Ziegelsteine für den heimischen Markt und knüpfen Teppiche für die reichen Länder. Schaut doch mal, womit ihr in euren Wohnzimmern eure Füße warm haltet.

In Indonesien arbeiten Kinder in der Landwirtschaft und auf Fischfangplattformen vor den Küsten, viele Mädchen arbeiten in Haushalten, oft mehr als 100 Stunden die Woche. Sag hier noch einmal einer, Ausländer wären faul.....

Menschenhändler entführen auf den Philippinen Mädchen aus den Dörfern, um sie als Arbeiterinnen oder Sexarbeiterinnen zu benutzen. Viele sind keine fünf Jahre alt.

Rebellengruppen sowohl auf den Philippinen, wie auch in vielen Ländern Afrikas entführen Kinder, um sie als Soldaten und willige Tötungsmaschinen auszubilden.

In Myanmar werden gar 20% der Kinder in Arbeit gehalten, oft in der Landwirtschaft, der Baubranche und der Produktion. Einige Bundesstaaten in Indien weisen eine Quote von 1/3 aller Kinder als Kinderarbeiter aus.

Das Zustandekommen der Zahlen ist umstritten, manche zählen nur die unter 15jähren, andere die unter 18jähren, wieder andere nur diejenigen, die durch die Arbeit am Schulbesuch gehindert werden. Aber erschreckend sind diese Zahlen trotzdem, denn ihnen wird die Kindheit gestohlen.

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In Europa gab es auch Kinderarbeit; so war im 19. Jahrhundert 1/3 aller Fabrikarbeiter Kinder. Preußen verbot Kinderarbeit von unter 9jährigen und begrenzte die Arbeitszeit von 9-16jährigen auf 10 Stunden am Tag, weil die Rekruten für das Militär in der körperlichen und geistigen Entwicklung zurückgeblieben waren.

Bis vor 100 Jahren war es erlaubt und es wurde kräftig in Anspruch genommen, dass Kinder für Arbeit in der Landwirtschaft durch halb Europa gewandert sind, u.a. die sog. „Schwabenkinder“. In der Schweiz konnten diese sog. Verdingkindern noch 1950 ersteigert (!) werden.

Die UNICEF schätzt die Zahl der Kinderarbeiter heute auf gar 190 Millionen, das von in Asien 120 Millionen und in Afrika 50 Millionen.

Was aber tun?

Da nun, verständlicherweise, kaum einer sofort und konsequent seinen Konsum umstellen kann und will, können wir wenigstens die Umstände unserer konsumierten Produkte im Auge behalten, das eine oder andere Mal eine andere Konsumentscheidung treffen und mit ein klein wenig Demut und Dankbarkeit auf diese Menschen schauen, die mit ihrem Leben, ihrer Gesundheit, ihrer Freiheit und ihren Hoffnungen dafür bezahlen.

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