An einem Tag im Jahre 1895 ging ein Botaniker durch den Ngoya Wald im Zululand im südlichen Afrika. Er sah einen Baum, der alleine an einem steilen Hang am Waldrand stand. Der Baum sah anders aus als die Bäume um ihn herum. Er hatten mehrere dicke Triebe und einen Kranz von palmartigen Blätter. Von weitem sah er aus wie eine Palme. Dr. Wood, so hieß der Botaniker der sein Leben lang auf der Suche nach seltenen Pflanzen war, entfernte ein paar der Triebe und sandte einen davon nach London.

Public Domain

Dieser eine Trieb wurde in London im königlich-botanischen Garten in einen Topf gepflanzt, wo er die nächsten 98 Jahre vergessen wurde.

Der Baum war ein Cycad, botanisch Encephalatro Woodii, er gehört zur Gattung der Brotblattfarne. Sie gehören zu einer sehr alten Ordnung von Bäumen, von der die Pflanze in London wohl die letzte ihrer Art war, die in der Wildnis wuchs. Vor 200 Millionen Jahren waren die Cycaden überall. Die Wälder reichten von Grönland bis in die Antarktis; wobei die Kontinente damals anders lagen. Der Pterodactylus flog durch diese Wälder und die großen Dinosaurier kauten ihre Blätter. Es machten wohl 20% aller Pflanzen aus.

Irgendwie überlebten diese Brotblattfarne die Katastrophe, die die Dinosaurier auslöschte, überstanden mindestens fünf verschiedene Eiszeiten, lernten neben anderen größeren Bäumen zu überleben und erleben das Entstehen und Gedeihen der blüten- und fruchttragenden Pflanzen.

In dieser Zeit wurde sie in immer kleinere Räumen zurückgedrängt, wo am Ende wahrscheinlich nur noch diese eine Pflanze, die der Botaniker fand, überlebte.

Das große Problem der E. Woodii ist, dass sie sich nicht mehr fortpflanzen kann. Sie ist zweihäusig, das heißt es gab männliche und weibliche Pflanzen. Sie braucht ein Gegenstück des anderen Geschlechts um sich fortzupflanzen. Wenn sie fortpflanzungsreif waren, dann wuchsen große bunte Zapfen mit Pollen oder Samen. Sie sandten eine attraktiven Geruch aus, der Bestäuberinsekten anlockte. Die befruchteten Samen wurden dann von hungrigen Pflanzenfressern (von Dinosaurieren bis Fledermäusen) weiterverbreitet.

CC BY-SA 3.0

Was aber, wenn es keine Pflanze des anderen Geschlechts mehr gibt? Der Baum in London ist männlich. (Klone von ihm wachsen heute in allen botanischen Gärten der Welt) Er kann Pollen produzieren, aber keine Samen. Dafür wäre eine weibliche Pflanze notwendig.

Forschen suchten im Ngoya Wald und anderen Wäldern in Afrika nach einer weiteren Pflanze, die sich mit der Londoner Pflanze vermehren könnte. Sie haben nicht ein einziges Exemplar gefunden. Und sie suchen immer noch. Bis eine weibliche Pflanze gefunden wurde, wird sie sich nie paaren können. Sie kann nur geklont werden.

Sie kann zwar Hybrid-Nachkommen mit nahen Verwandten zeugen, diese kann man im Pflanzenhandel erhalten, aber es sind nicht die Originale. Diese eine Pflanze steht nun allein in London und kann keine Nachkommen zeugen; sie wartet schon über 100 Jahre auf eine Braut, die vielleicht gar nicht mehr existiert.

Sie ist sicherlich das einsamste und verlassenste Lebewesen auf diesem Planeten; sie wird älter und älter und das Schicksal gönnt ihr keinen Nachwuchs. Niemand weiß, wie lange sie leben wird.

CC BY-SA 3.0

1997 wurde sie in London ins Palmhaus verpflanzt (obwohl sie keine Palme ist), und dort in ein Beet zusammen mit anderen südafrikanischen Pflanzen gepflanzt. Sieben Jahre später wuchs ein orange-gelber männlicher Zapfen. Sie kann es immer noch, aber sie kann es nicht alleine.

J.R.R. Tolkein beschreibt im Herr der Ringe auch Bäume, die gehen und reden konnten; wenn auch langsam, denn sie sind nie in Eile. Er nannte sie „ents“ und auch sie verloren ihre Frauen. Diese wanderten an einen weit entfernten verlassenen Ort den die ents nie erreichen konnten..... genauso wie der letzte Cycad.... bis.....

http://www.npr.org/sections/krulwich/2011/05/10/136029423/the-loneliest-plant-in-the-world

https://en.wikipedia.org/wiki/Cycad

https://en.wikipedia.org/wiki/Encephalartos_woodii

https://de.wikipedia.org/wiki/Brotpalmfarne#cite_ref-WCSP_2-24

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