Es geht auch ohne Gier und Völlerei.

Das buddhistische Wirtschaftsmodell

Vorweg: Damit ist weder ein religiöses noch ein politisches Wirtschaftsmodell gemeint, sondern es geht schlichtweg um die ganz eigene persönliche Sichtweise auf ein Wirtschaftssystem und wie diese für sich erreicht werden kann.

Der Mensch, insbesondere in den reichen Ländern, verbraucht ein Vielfaches an Resourcen von dem was der Globus für ihn zur Verfügung stellen könnte, ohne dass Raubbau in zahlreicher Hinsicht betrieben werden würde. Das ist allgemein anerkannt und wird nur von wenigen gesellschaftlichen Gruppen in Zweifel gezogen. Auf diese werde ich hier auch nicht eingehen.

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Gerade für den Homo consumensis, also den Menschen in den reichen Ländern, der den Konsum perfektioniert hat, ist diese bittere Wahrheit besonders schwer zu begreifen und hat entsprechend hohe mentale Hürden aufgebaut, die ihn daran hindern, seinen Verbrauch zu reduzieren – oder gar in Opposition zu jeglichen gesellschaftlichen Versuchen zu gehen, die sich dem Thema widmen.

So wurde den Grünen das Prädikat einer „Verbotspartei“ zuteil, weil sie zaghafte Versuche unternahmen, den unsäglich schädlichen Konsum zu begrenzen und selbst die chinesische Ein-Kind-Politik, die im Grunde ähnliche Ziele hat, droht zu scheitern. Stattdessen schreiben sich Wirtschaftsliberale erfolglose Selbstverpflichtungen auf die Fahnen und treiben all dem zum Trotz den Konsum weiter an. Von vorübergehend auf Eis gelegten Turbolader TTIP ganz zu schweigen.

Sowohl die freien Kräfte der Wirtschaft, wie auch eine staatliche Regulierung, sind nicht in der Lage, ein nachhaltiges globales Konsummodell zu etablieren. Die Folgen werden wir vielleicht schon in dieser, sicherlich aber in der nächsten Generation zu spüren bekommen. Es wird eine Gnade sein, wenn sich der Wandel langsam vollzieht, sodass zumindest eine Gewöhnung an die neuen Umstände erfolgen kann. Trotzdem werden Kriege und Konflikte um Rohstoffe und Lebensgrundlagen zunehmen. Konflikte, die auch Flüchtlinge erzeugen werden.

An diesem Punkt setzt das buddhistische Wirtschaftsmodell an. Es ist auch, aber nicht nur, ein spiritueller Ansatz. Er verbindet die Psychologie des Menschen, die mit Besorgnis und Emotionen besetzt ist, mit den wirtschaftlichen Aktivitäten des Menschen. Es berücksichtigt, dass der Mensch nicht perfekt ist, dass der Mensch aus vielerlei Gründen geneigt ist, seine Gewohnheiten beizubehalten und es arbeitet mit der Basis der buddhistischen Philosophie der Achtsamkeit und des Bewusstseins. Es anerkennt sowohl die schädlichen wie auch die vorteilhaften Aktivitäten in Produktion und Konsum und bezieht die Ethik mit ein. Es versucht einen gangbaren Mittelweg zu finden. Es ist ein Modell, das viele in unserer Gesellschaft bereits leben und anwenden, auch ohne dass ihnen diese Bezeichnung ein Begriff ist.

Der Unterschied zum westlichen (jetzt schon fast globalen) Wirtschaftsmodell ist, dass die Eigeninteressen nicht mehr im Vordergrund stehen und stattdessen das Gemeinschaftsempfinden mehr in den Vordergrund gerückt wird, das Gemeinschaftsempfinden, wonach die Menschheit in einem einzigen Boot, genauer gesagt, auf einem einzigen Planeten zusammengepfercht ist und eine Lösung für eine lebenswerte Zukunft für alle finden muss.

Kern des buddhistischen Wirtschaftsmodells ist die Achtsamkeit und das Bewusstsein auf die schädlichen und vorteilhaften Auswirkungen einer Handlung. So ist uns allen bekannt, dass das Heizen unseres Hauses, die Fahrt zur Arbeit und auch der Flug in den Urlaub klimaschädliche Abgase freisetzt. Genauso wie wir wissen, dass Plastikverpackungen, wie Plastikspielzeug oder Küchengeschirr entsprechende Schäden auf Kosten der Umwelt verursacht, bei Produktion wie bei der Entsorgung, so wissen wir um die umweltschädliche Stromerzeugung, dem Wasserverbrauch und den vielen kleinen Dingen im Alltag. Mit möglichst andauernder Achtsamkeit auf und dem Bewusstsein um diese Umstände gelingt es im buddhistischen Wirtschaftsmodell diese Stück für Stück zu reduzieren.

Das Netz ist voll mit Abertausenden Vorschlägen: Vom Carsharing über lokale Währungen bis hin zu gemeinschaftlichem Wohnen; vom Ökostrom über den Bioladen bis zur ethischen Geldanlage; von Mikrokrediten über NGO-Mitgliedschaftenn bis zur papierlosen Toiletten.... Jeder wendet je nach seiner Lebenslage, seinen finanziellen und gesellschaftlichen Möglichkeiten die Module an, die er ohne außergewöhnliche Anstrengungen leisten kann. Letzteres ist wichtig, denn eine radikale Änderung des Lebenswandel führt schnell zur Frustration und zur Beendigung aller Bemühungen.

Von Bedeutung dagegen ist nicht nur die Achtsamkeit auf die Umstände, sondern auch die Achtsamkeit auf die Motivation. Es geht um das Vermeiden des Egoismus, der Gier nach dem „Mein“, dem „Ich“ mehr hin zu dem „Unser“, dem „Wir“. Präferenzen die dem Homo economicus verloren gegangen sind. Ebenso liegt ein Focus auf dem Vermeiden von Leid, Leid der Mitmenschen und Leid der Tiere. So ist es zwar modern, sich über die Schlachtmethoden anderer Kulturen zu erbosen, solange ich jedoch auch die Schlachtmethoden unserer Gesellschaft nicht kritisch hinterfrage, liegt die Motivation eben nicht in der Verbesserung des Wirtschaftsmodells.

Vereinfachung der Wünsche und Nachhaltigkeit

Das derzeitige Wirtschaftsmodell ermutigt zum materiellem Überwohlstand und dem Verlangen von diesem mehr und mehr, mittels dem Werkzeug der Gier, zu erlangen; dies auch auf Kosten von anderen. Im buddhistischen Wirtschaftsmodell dagegen wird Wert auf die Vereinfachung der Wünsche gelegt. Von den notwendigen Dingen wie Wohnung, Essen, Kleidung und Medizin abgesehen werden die anderen Bedürfnisse minimiert. Während das derzeitige Modell von einem stetigen Wachstum und maximalen Gewinnen getrieben wird, ist im buddhistischen Modell Triebfeder die Minimierung von Zerstörung und Gewalt. So schauen konventionelle Aktionäre auf den kurzfristigen Börsengewinn; die Aktionäre im buddhistischen Modell denken anders: Sie glauben nicht daran, dass die Börse ein unvoreingenommener Markt ist, sondern fordern aktiv Nachhaltigkeit ein. Sie pflegen das Vertrauen ineinander, bauen zusammen Werte auf und bringen Menschen zueinander. Nachhaltige Banken investieren nicht nicht schädliche Geldanlagen und fördern umweltfreundliche und soziale Projekte und sie sind erfolgreich: Nachhaltige Banken sind von der Bankenkrise kaum betroffen, pflegen ein gemeinschaftliches innerbetriebliches Verhältnis und können dies auf ihre Kunden transportieren.

Jeder, der sich mit diesem Wirtschaftsmodell beschäftigt wird nach und nach Mittel und Wege finden, seinen ganz eigenen, vielleicht noch so kleinen Anteil am Konsum umweltfreundlicher auszurichten. Er wird sich nicht verurteilen, sich nicht quälenden Gewissensbissen hingeben, wenn er denn mal nicht umhin kommt oder bewusst schädliche Verhaltensweisen ausüben. Er wird sich im Bewusstsein dessen um Minderung der Auswirkungen, um Kompensation und um Auswege kümmern, diese aber nicht mit asketischer Gesinnung durchpeitschen.

Seit aber gewarnt: Es ist ein dauernder Prozess, der nie enden wird. Es wird eine stetige Wanderschaft ohne Spurteinlagen sein. Ausdauer ist gefragt, Ehrlichkeit genauso und vor allem aber → WILLE.

In den alten indischen Überlieferungen wird von einem glücklichen und zufriedenen Bauern berichtet, der auf seinem Feld einen Klumpen Gold fand. Er teilte ihn in vier Teile. Einen Teil verwendete er für seine täglichen Ausgaben, einen weiteren Teil sparte er, mit dem dritten Teil handelte er und den letzten Teil spendete er für gute Zwecke.

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