Es tut sich was in Saudi-Arabien..

Saudi-Arabien hat den Ruf, das langweiligste Land der Welt zu sein. Keine hübschen Frauen auf der Strasse, keine Kinos, kaum Musik, kein Tanz oder Gesang und wenn Sportveranstaltungen, dann auch nur für Männer. Vom fehlenden Bier mal ganz zu schweigen.

Es ist das wohl konservativste Land der Welt. Aber es ändert sich was. Da ist ein neuer, junger agiler Prinz Mohammed bin Salman, kurz MBS genannt, am politischen Aufstieg, der bislang noch jeden Konkurrenten aus dem Weg geschafft hat.

Diese Woche erst gestand er Juden das Recht auf ein eigenes Land zu, nachdem gar Flüge nach Israel den saudischen Luftraum überqueren durften. Das allein ist schon mehr als bemerkenswert, auch wenn die politische Kehrtwende wohl mehr regional-politischen Interessen, sprich dem gemeinsamen Feind Iran zu verdanken ist; vielleicht auch der Anbiederung an den Westen, der auf eine Unterstützung durch Trump und weiter freizügigen Waffenlieferungen durch Deutschland hoffen lässt. Alles außenpolitisches Geplänkel, dem angesichts der Destabilisierung der Welt durch eine halbe Handvoll Despoten nicht allzuviel Hoffnung, eher Sorge, entgegengebracht werden sollte.

Aber auch innenpolitisch ist der Reform-Prinz ein Eiferer. Er baut Kinos und Konzerthallen, er erlaubt Frauen das Autofahren, duldet in der Öffentlichkeit Werbung für Wimperntusche, bietet alkoholfreies Bier feil und hat nun, am vergangenen Wochenende, nicht nur Männern, sondern auch den Frauen den Besuch eine Rockkonzertes erlaubt, zudem noch bei gemischten Geschlechtern in den Zuschauerrängen. 6000 Zuschauer, die Konzerthalle war bis auf den letzten Platz belegt, auch wenn das Tanzverbot gar auf der Konzertkarte vermerkt war. Vor einem Jahr war sowas noch undenkbar.

In zwei Wochen wird in Riad das erste Kino seit 35 Jahren eröffnen, ohne Geschlechtertrennung und selbstverständlich mit Ledersesseln und Marmorbädern.

pixabay

Gesang hätte damals noch die Teufel hervorgelockt; der hat wohl gerade ein Sabbatjahr, auf jeden Fall erschien er nicht auf der Bühne; dafür aber überlebensgroße Bilder von MBS. Er weiß sich zu inszenieren.

Und dass die Frauen modische Kleider statt dem schwarzen schmucklosen Umhang trugen, manche gar ohne Schleier und mit offenen Haar kamen, sei auch nur am Rande erwähnt.

Wie lange die Wahabiten dem Treiben zusehen werden, wird sich zeigen. Dass Saudi-Arabien dann auch im Sumpf von Terrorismus versinkt, ist aber eher nicht zu erwarten, es schürt ja keiner von außen - bislang.

Trotzdem ist nicht zu vergessen, dass MBS die treibende Kraft im Jemenkrieg ist, in dem mittlerweile Millionen Menschen hungern. Dass die Lieferung von deutschen Schnellbooten an die saudische Küstenwache Flüchtlinge schon in der Entstehung verhindert, mag der deutschen Wirtschaft und dem BAMF zugute kommen. Die Situation der Menschen allerdings wird dadurch nicht besser.

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G. Szekatsch

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Iris123

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hagerhard

hagerhard bewertete diesen Eintrag 05.04.2018 07:29:44

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