Gewalt kann ansteckend sein.

Wenn im eigenen Umfeld andere ethnische Gruppen angefeindet werden, finden sich leicht Nachahmer. Anfeindungen gegenüber anderen ethnischen Gruppen finden deutlich mehr Nachahmer als Anfeindungen gegen Mitglieder der eigenen sozialen Gruppe. Das ist das Ergebnis von Experimenten der Max-Planck-Gesellschaft.

Ethnische Konflikte eskalieren oft überraschend schnell, ob in Bosnien, in Liberia oder in Ruanda, auch in Gesellschaften, die lange friedlich zusammen gelebt haben.

Das Max-Planck-Institute hat ein Experiment entwickelt, um zu testen, wie das soziale Umfeld feindseliges Verhalten gegenüber anderen ethnischen Gruppen beeinflusst. Das Experiment wurde in der Ostslowakei durchgeführt, in der latente Vorurteile gegen die Roma-Minderheit weitverbreitet sind.

Grob erklärt, handelt es sich um ein Spiel, in dem Jugendliche ihre Boshaftigkeit ausleben können. Sie konnte entscheiden, ob sie einen Geldbetrag (im Experiment waren es 20 Cent) für sich behalten oder damit einen anderen für ein Vielfaches (hier ein Euro) schädigen.

Anhand von Listen mit typischen Namen konnten die Versuchsteilnehmer erkennen, zu welcher Ethnie der Gegenspieler gehört.

pixabay

Die Ergebnisse der Studie waren eindeutig:

1. Die Bereitschaft aggressiv zu agieren, wuchs deutlich, wenn sich die Feindseligkeit gegen Roma richten konnte.

2. Die Einschätzung, ob ein aggressives Verhalten angemessen war, ist davon abhängig, ob bekannt war, dass einer der Teilnehmer feindselig gegenüber der Roma agiert hatte. In diesem Fall beurteilten auch andere das aggressive Verhalten als angemessener als sonst.

„Dabei wurde auch hier deutlich, dass das Verhalten des Umfelds wesentlich dazu beiträgt, ob eine Handlung als sozial angemessen bewertet wird oder nicht. Hatten Spieler in einem Umfeld ohne feindselige Vorbilder entschieden, wurde ihr aggressives Verhalten gegenüber Roma oder gegenüber der eigenen sozialen Gruppe in ähnlichem Ausmaß negativ bewertet. Wussten die Jugendlichen jedoch, dass ein Spieler destruktives Verhalten zeigte, nachdem sich seine Klassenkameraden feindselig gegenüber Roma verhalten hatten, bewerteten sie dessen Verhalten eher als angemessen. Gleichzeitig bewerteten sie feindseliges Verhalten, dass sich gegen ein Mitglied der eigenen sozialen Gruppe richtete, als weniger angemessen, auch wenn der Spieler vorher destruktives Verhalten im Umfeld beobachtet hatte.“

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass fragile soziale Normen dazu führen, dass sich das individuelle Verhalten gegenüber anderen ethnischen Gruppen plötzlich verändern kann – von gutem Zusammenleben hin zu Aggression“, sagt Max-Planck-Wissenschaftlerin Jana Cahlíková.

Daher sei es wichtig, politisch motivierte Straftaten konsequent zu verfolgen und zu bestrafen. Sie und ihre Kollegen weisen zudem darauf hin, dass Politik und Gesellschaft sehr sensibel reagieren sollten, wenn Vorurteile und Feindseligkeiten gegenüber bestimmten gesellschaftlichen Gruppen zunehmen.

http://www.pnas.org/content/115/19/4881

https://www.mpg.de/12030820/ansteckende-feindseligkeit-gegen-ethnische-minderheiten

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G. Szekatsch

G. Szekatsch bewertete diesen Eintrag 16.05.2018 18:17:16

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