Moslem, Politiker, Flüchtling, Punk, Nazi, Eskimo, Neger, Junkie, Polizist, Bank-Vorstand... Was haben die Bilder gemeinsam, wenn wir sie sehen? Jeder hat Bilder im Kopf, richtig! Sie erleichtern das Leben, sie machen es übersichtlich. Wir nehmen unsere Umwelt zu 90% mit den Augen auf, überwiegend Bilder weniger das geschriebene Wort. Es geht ganz schnell: wir sehen ein Bild, machen eine Schublade auf und sortieren darin Nationen, Ethnien und Menschen ein. Wir ordnen damit das Fremde ein, weil wir es nicht anders können. Es macht das Leben einfach. Die Einordnung der Welt mit Bildern war schon zu Urzeiten überlebenswichtig. Anhand des Bildes konnten wir Freund von Feind, Gut von Böse, nützlich von unnützlich unterscheiden. Es geht blitzschnell und erfordert nicht erst eine Entschlüsselung von Zeichen, welche zu Worten und diese wiederum zu einem Sinn zusammengesetzt werden müssen. Auch wenn durch das Bild keine 100%ige Sicherheit gewährleistet werden kann, so hat sie der Menschheit doch das Überleben gesichert.

Es sind Schablonen, die uns die Fragen nach dem „Ich“, dem „Wir“ und den „Anderen“ beantworten. Und es ist das Bild des „Anderen“ mit dem wir uns definieren, mit dem wir unsere Identität und das Selbstbild finden. Es gibt uns Orientierung über das „Selbst“ und lässt uns die Menschen unsere Gruppen und den Außenseiter erkennen. Wir wollen zu einer Gruppe gehören; wir wollen zu „unserer“ Gruppe gehören. Die Gruppe definiert uns und wir wollen nicht der „Andere“ sein. Unser Bild des „Anderen“ ist ein sehr abstraktes, es ist kaum differenziert, ein Bild, mit dem wir die Schublade öffnen können.

Welche Bilder fallen euch zu folgenden Begriffen ein: Pegida-Anhänger, Moslem, Flüchtling, Fanatiker, Pleite-Griechen, Gutmenschen? Welche Bilder konstruiert ihr in eurem Kopf und welche Anteile von diesen Bildern könnt ihr tatsächlich aus eurem persönlichen Erfahrungsschatz bestätigen? Welche Anteile der Bilder wurde von Medien geschaffen. Wozu ordnet ihr Menschen an Grenzzäunen, die Domplatte in Köln, koranverteilende Salafisten und den Münchner Hauptbahnhof ein?

Und warum ist gerade der Grieche, der nebenan wohnt, kein Pleite-Grieche? Wie viel von diesen Ausnahmen, die nebenan wohnen, gibt es in eurem Leben und warum ist ausgerechnet unser Nachbar die Ausnahme und nicht der Nachbar eines Anderen?

Wie beeinflussen diese Fremdbilder, von den Medien vermittelt, unsere Bilder im Kopf?

Was fällt euch zu „Moslem“ ein? Selbstmordattentäter, Taliban, verschleierte Frauen, Bombenanschläge, Krieg? Erinnert ihr euch noch an die Bilder mit den Millionen Menschen auf den Straßen während des arabischen Frühlings? Das waren zu 90% Muslime und es waren auch unsere Hoffnungsträger für eine bessere Welt. Warum sehen wir nicht mehr diese Menschen, wenn wir an Muslime denken? Warum sehen wir nur die waffenstrotzenden Terroristen der IS auf ihren hochgerüsteten Pickups, aber nicht die Menschen in den islamischen Ländern, die für Freiheit und Demokratie auf die Straße gegangen sind?

Werden in unseren Medien negative Bilder von Moslems transportiert, so fühlen wir uns in den Stereotypen, den negativen Stereotypen von Sarrazin, Gauland und Höcke, bestätigt. Erreichen uns positive Bilder, so assoziieren wir diese gerade nicht mit den negativen Bildern, sondern sortieren sie anderweitig ein. Dieses Phänomen wird Bestätigungstendenz genannt, neue Informationen werden so interpretiert, dass sie unsere Erwartungen erfüllen; andernfalls werden sie ignoriert und vergessen.

Wir sehen die Bilder der waffenstarrenden radikal-islamischen Gotteskrieger, aber wir sehen nicht die Bilder der studierenden Frauen, die auch in diesen Ländern für Bildung und Gleichberechtigung kämpfen, wo doch die reine Anzahl der Gotteskrieger bei weitem in der Minderzahl ist. In der Folge wird der individuelle Mensch dem Stereotyp einer Minderheit untergeordnet. Es ist die Dominanz des öffentlichkeitswirksamen Auftretens, der Vorherrschaft des Aufmerksamkeit heischenden Bildes, dem wir mit unserem Medienkonsum tagtäglich frönen. Dem Phänomen dessen sich der IS par exellence bedient.

Nachts an der dunklen Bushaltestelle! Das war den Menschen schon immer etwas umheimelig, sie waren da immer unsicher und hatten die Tendenz diese Ort eher zu meiden. Sitzt heute nachts eine dunkle Gestalt in der schummrig beleuchteten Bushaltestelle, so ploppt unser Bild des vergewaltigenden Flüchtlings aus einem fremden Land auf; das Fremdbild, das wir in unseren Köpfen tragen. Wir verbinden diese unangenehme Situation mit der Flüchtlingsthematik. Es hat Vergewaltigungen, Morde und Raubüberfälle auch früher schon zur Genüge gegeben. Heute wird das Bild des mordenden und vergewaltigenden Flüchtlings durch die Medien transportiert und wir verbinden dies miteinander.

Die Zahl der Mordopfer in Deutschland, ebenso wie die Zahl der sonstigen Straftaten sinkt seit Jahren konstant. Noch nie war es in Deutschland so sicher wie heute, aber die Medien-Bilder zeigen ein anderes Deutschland.

Ich backe mir nicht nur ein Fremdbild?.... Nein, ich konsumiere das Fremdbild, das in der Schaufensterauslage angeboten wird.

Shutterstock/Egyptian People Protesting Against Muslim Brotherhood - Alexandria, Sidi Gaber, Egypt 30 June 2013

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yaSqoq

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Sorry4u

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