Interrail ist wieder da.

Das waren Zeiten: Nach der Schulabschlußfeier schnell nach Hause, der Rucksack war schon gepackt. Die Fahrkarte, so hieß das Ticket damals, lag fein ausgerichtet auf dem bunten Schreibtisch, der bislang nur mit Hausaufgaben assoziiert war. Sie wurde nun feierlich und ehrfürchtig zusammen mit dem Geld von Muttern und Vadder im Brustbeutel verstaut. Bis zum Bahnhof wurde mindestens noch dreimal geprüft ob auch wirklich alles dabei ist: Nochmal die Fahrkarte, den Pass, den Zettel mit den Telefonnummer von zu Hause. Mutti hatte Tränen in den Augen und steckte nochmal nen 10-Mark-Schein und ne Tupperdose mit belegten Brötchen zu, während man fast die Augen verdrehte und sich ziemlich sicher war, dass die Plastikschüssel die Heimat nicht mehr sehen würde. Dann ab in den Zug über die Grenze und dort zuerst die Wechselstube gesucht.

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Die erste Woche Amsterdam, Brüssel und Paris; die zweite Woche Madrid, Lissabon und Barcelona. Dann quer über die Alpen Rom, Wien…… oder anders herum,.. es einem gerade in den Sinn kam. Und irgendwann nach vier Wochen war man wieder zu Hause und begann mit der Lehre oder dem Studium.

Vier Wochen in der sich die Welt des jungen Menschen, der gerade erwachsen geworden ist, unheimlich vergrößerte; vier Wochen in denen die Mutter zu Hause voller Sorge um das liebe Kind nicht schlafen konnte, während es unglaubliche Abenteuer in den Großstadtdschungel Europas erlebte, die es Mutti ganz bestimmt nicht erzählen werde.... und natürlich in Frankreich eine L'Amour zu finden, die man 30 Jahre später immer noch gerne trifft.

Ein flügger Nestling zog aus und kam als Erwachsener zurück. Früher nannten die Handwerker diese Reise ins Leben die Walz, vor allem die Zimmerleute haben das ausgiebig zelebriert. Heute gibt die Arbeitswelt so was kaum noch her, aber das Reisen, das ist zum Alltag geworden.

Genaugenommen war Interrail nie weg. Zumindest nicht aus dem Angebot der Bahn. Wer wollte konnte es in der einen oder anderen Weise immer buchen, aber es wurde kaum noch genutzt. Vielleicht weil der Flug ans Meer mit Sandstrand billiger war, als das Zugreisen in Europa; vielleicht weil die ganz weite Ferne interessanter war und vielleicht weil Europa für die jungen Menschen zur Normalität wurde.

Damals herrschte eine Begeisterung für Europa, nicht zuletzt aufgrund Helmut Kohl und Mitterand, dem Abbau der Grenzkontrollen und dann dem Fall der Mauer, der die Welt nochmals größer machte. Heute hat der Gedanke an Europa seinen Reiz verloren. Es wird nur noch als Bürokratiemonster mit Sorge um die krumme Gurke angesehen. Die Freundschaft zwischen den Völkern ist dem Geiz und gegenseitigem Neid zum Opfer gefallen. Wir haben uns an Europa gewöhnt, wissen den Frieden auf dem Kontinent nicht mehr zu schätzen und vergessen, dass in der Zeit der Globalisierung die Staaten nur gemeinsam mit und gegen die Globalisierung bestehen können. Wer nicht mehr mitziehen will, wer Europa den Rücken kehren will, der wird gefressen – von China, von Russland, von den Konzernen.

Dieses Jahr im Juni kann sich jeder, der 18 Jahre alt ist um einen von 15.000 Interrail-Pässen bei der EU-Kommisson bewerben. 30 Tage mit dem Zug durch vier Länder ist das Angebot. Das Pilotprojekt für dieses Jahr steht. #FreeInterrail.

In den Jahren 2021 bis 2027 sind in den Haushaltsplanungen der EU-Kommission bis zu 700 Millionen Euro vorgesehen.

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https://europa.eu/youth/eu/news/117/56298_de

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Iris123

Iris123 bewertete diesen Eintrag 03.05.2018 17:47:49

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