Krebs ist kein Einheitsbrei.

Ich schließe mich der Entzauberung der Krebsmythen an, deshalb ein paar basics zum Krebs in nicht-medizinischen Worten:

Krebszellen entstehen ständig im Körper, weil bei der natürlichen Zellteilung immer wieder mal was schief geht. Es können Zellen entstehen, die ihre Aufgabe nicht wahrnehmen und sich unkontrolliert vermehren. Der Körper hat eine Vielzahl von Mechanismen, wie z.B. die Adaptose, also den natürlichen Zelltod, oder das Immunsystem um diese Zellen zu vernichten. Das passiert in den allermeisten Fällen auch, doch ab und zu rutscht eben eine böse Zelle durch das Raster und vermehrt sich unkontrolliert.

Anhand der Reaktionen des Immunsystems gibt es Indizien, ob der Körper gerade gegen Krebs kämpft. Es kann geschehen, dass sich ein Krebs entwickelt, wenn das Immunsystem gerade mal im Keller ist und es kann passieren (muss aber nicht), dass dieser von einem wieder gestärkten Immunsystem bekämpft und alsbald auch besiegt ist. Wir müssen das nicht einmal merken.

Die Chancen Krebs zu bekommen, erhöht sich mit der Zahl der Zellteilungen. So zerstören Gifte Zellen, wie z.B. Nikotin oder Alkohol die Schleimhautzellen in Lunge und Magen. Diese müssen sich somit öfters teilen; also ist die Möglichkeit höher, dass eine böse Zelle durchrutscht. Gerade Schleimhautzellen haben eine sehr hohe Teilungsrate und sind deshalb von Natur aus anfälliger für solche Mutationen.

Gesund leben und das Immunsystem stärken sind also sehr wohl ein Ansatz zur Krebsprävention, wenn auch keine Garantie. Und in diesem Kontext sind auch Sport, Yoga, Meditation, irgendwelche Beeren, Säfte, Stressabbau und gar innere Einstellungen alles andere als schädlich.

Mittlerweile gibt es ca. 500 verschiedene Wirkstoffen, die nachgewiesenermaßen gegen Krebs helfen können, auch Cannabis, Methodon, Misteln oder irgendwelche australische Beeren, aber nicht jeder Wirkstoff hilft gegen jeden Krebs. Krebs ist so vielfältig wie Bäume im Amazonas. Jeder hat eine etwas andere Eigenschaft.

Die Chemotherapie ist eine Komposition vieler verschiedener Wirkstoffe; auch natürlicher Wirkstoffe. Sie wird in der Hoffnung verabreicht, dass der eine oder andere Wirkstoff gegen diesen speziellen Krebs hilft und vielleicht ein zweiter Wirkstoff gegen eine Mutation der Krebszellen (s. unten)…. und alles zusammen möglichst alle Krebszellen abtötet.

Die Kritik an der Chemo ist der harte Rundumschlag, der auch viele gesunde Zellen zerstört und so den Körper, also auch das das Immunsystem, zusätzlich schwächt. Von vorne herein werden von den vielen Wirkstoffen in der Chemo-Mischung nur wenige tatsächlich wirken; man weiß eben nur nicht, welche das sein wird. Wer sich ein wenig mit Krebs beschäftigt, wird heute bald auf die „adaptive Krebstherapie“ stoßen.

Bei der „adaptiven Krebstherapie“ wird jeder Tumor untersucht und für diesen ein eigenes Heilmittel gesucht, auch wenn der Krebs da oft nicht geheilt werden kann, so werden die aggressiveren Mutationen verhindert oder verlangsamt, was das Leben verlängern kann oder gar dem Körper die Chance geben kann, den Krebs selbst zu besiegen. Die Krux daran sind schlichtweg die Kosten.

Sehr lesenswert ist der Artikel „Warum wir Krebs nicht besiegen sollten!“ aus GEO 11/2016. Im Folgenden beschrieben hatte ich den schon mal als Blog hier gepostet:

https://www.fischundfleisch.com/robby/warum-wir-krebs-nicht-besiegen-sollten-28483

Im Kampf gegen den Krebs war das Bestreben diesen möglichst schnell und gründlich los zu werden. Stahl (Operation), Strahl (Bestrahlung) und Chemo sind da bislang die einzigen breit anerkannten Therapieformen.

Mit der Chemotherapie wird versucht, die krankhaften Zellen zu zerstören und diese an der weiteren Vermehrung zu hindern.

Forscher sehen das inzwischen bei manchen Krebsarten anders. Sie untersuchen einen anderen Ansatz. Der Grundgedanke hinter dieser Idee besteht in der großen Variabilität der Krebszellen.

Unsere Vorstellung von Krebs ist, dass es sich um einen Haufen wild wuchernder Zellen handelt. Diese gelte es zu vernichten und der Krebs wäre beseitigt. Dem ist aber nicht so. Man müsse den Krebs eher mit der Evolution der Arten verglichen. So wie sich das Leben auf der Erde ausdifferenziert hat, so entwickelt sich ein Tumor ständig weiter. Ein fortgeschrittener Tumor besteht aus Milliarden von Zellen, von denen keine der anderen gleicht.

Die Chemo besteht aus hohen Dosen hochwirksamer starker Medikamente, die neben den Krebszellen auch die gesunden Körperzelle angreifen und schwächen.

Üblicherweise wird in Studien die maximal verträgliche Dosis ermittelt. Durch die vielen Mittel gegen Übelkeit die mittlerweile zur Verfügung stehen, konnte diese Dosis immer weiter erhöht werden; in der Hoffnung, dass möglichst alle krankhaften Zellen vernichtet werden, aber mit der Folge der weiteren Schwächung der gesunden Zellen.

Nach der Chemo, die die allermeisten der krankhaften Zellen vernichtet hat, bleiben oft ein paar wenige Zellen zurück, die mit den bisherigen Medikamenten nicht mehr therapiert werden können. Diese haben sich der „Umwelt“, also dem Körpers und dessen Chemowirkstoffen, angepasst und sind so resistent geworden. Diese resistenten Zellen können sich wieder vermehren und zu einem Rezidiv führen. Bei diesem Rückfall besteht besteht der Tumor dann nur noch aus diesen resistenten Zellen, die eben auf die Medikamente nicht mehr ansprechen. Mit jeder Chemo, deren Ziel die vollständige Vernichtung des Krebes zum Ziel hat, werden die überlebenden Zellen resistenter und aggressiver.

Dies kann erklären, warum herkömmliche Therapien bei Rezidiven immer weniger wirksam sind und der Patient am Ende als „austherapiert“ zum Sterben nach Hause geschickt wird.

So mancher Forscher stellte sich deshalb die Frage, ob die Patienten nicht trotz, sondern wegen der Chemo sterben; ob die Medizin ein aussichtsloses Ziel verfolgt und die herkömmlichen Mittel dazu verdammt sind, zu versagen?

Ziel dieser Forscher stellt ist es, die „Evolution“ der Krebszellen zu verlangsamen. Was genau die Chemo unter den Krebszellen auslöst ist schlichtweg nicht bekannt. Laufende Biopsien sind den Patienten nicht zumutbar und bildgebende Verfahren für Zellveränderungen sind bislang nicht möglich. Mathematische Modelle lassen vermuten, dass fortgeschrittenen Tumore eine Hülle aus wenig veränderten Zellen haben und sich in ihrem Inneren unter widrigen Bedingungen mit wenig Sauerstoff und saurem Milieu die aggressiven Zellen bilden. Eine Chemo zu diesem späten Zeitpunkt bricht die äußere Hülle auf und der Tumor beginnt erst recht zu streuen. Aber da ist die Forschung erst ganz am Anfang. Einer der befragten Ärzte wurde gefragt, was er denn nach einer Krebsdiagnosen machen würde. Er sagt: „Erstmal Urlaub!“

Den Ansatz der nun überlegt wird, ist die „adaptive Chemotherapie“. Anstatt den Krebs heilen zu wollen, könnten die Patienten mit dem Krebs leben, ohne daran zu sterben.

Im Vergleich zur herkömmlichen Therapie wird die Medikamentengabe reduziert oder ausgesetzt, sobald der Tumor schrumpft. Dadurch werden die einzelnen Mutation nicht ausgelöscht und halten die resistenten Zellen im Schach. Wächst der Tumor wieder, wird wieder eine Chemogabe verabreicht. Der Krebs spricht weiterhin auf die herkömmlichen Medikamente an und kann wieder und wieder reduziert werden. Er bleibt latent vorhanden, ohne dass die aggressiveren Zellen die Oberhand gewinnen. Er kann zur chronischen Krankheit mit einer langen Überlebenszeit werden.

Die Problematik bestand zunächst, Pharmafirmen davon zu überzeugen ihre Medikamente für diese Studien zur Verfügung zu stellen und Ärzte zu finden, die der Idee aufgeschlossen sind. Patienten fanden sich zur Genüge, sie greifen nach jedem Strohhalm, der ihnen eine Lebensverlängerung verspricht. Inzwischen laufen Studien am Memoral Cancer Center in New York.

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