Auf unseren Geburtsort haben wir genauso wenig Einfluss wie auf unsere Rasse, deshalb spricht man auch von der "Geburtslotterie". Wenn ihr das hier lesen könnt, dann habt ihr in der Geburtslotterie das große Los gezogen; ihr wisst nicht warum und ihr wisst nicht, wie es den Verlierern geht.

Stellt euch mal vor, die Lotterie steht gerade an. Ihr wisst noch nicht, ob ihr in der Lotterie gewinnt oder verliert. Aber ihr wisst, dass euer Geburtsort mehr als jeder andere Faktor über eure Freiheit und eure Chancen bestimmt. Nun, der Geburtsort ist nicht alles, ihr habt gar mit der richtigen Zusatzzahl auch den richtigen Pass gewonnen. Denn die Zusatzzahl ist die Nationalität der Eltern. Fehlt die, kann der Hauptgewinn plötzlich zur Arschkarte werden; dann, wenn ihr an einem guten Ort geboren seid, aber eure Eltern im Asylverfahren sind.

Würdet ihr dann nicht lieber in einer Welt der Chancengleichheit geboren werden, in einer Welt ohne Diskriminierung gegen zufällige Umstände?

Der Nationalismus ist der neue Rassismus. Der Rassismus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist modifiziert worden. Wir diskriminieren heute nicht mehr nur aufgrund der Hautfarbe, der Abstammung oder genetischen Markern. Wir diskriminieren heute aufgrund der Nationalität. Die Nationalität ist heute der legitime Grund für Diskriminierung und euer Geburtsort bestimmt, ob ihr Teil von uns seid oder nicht.

Wir gewöhnen uns wieder dran lokal zu denken. Wir halten die Armut im eigenen Land für unmoralisch, aber wir interessieren uns nicht mehr für die gleiche oder schlimmere Armut woanders. Wir behandeln unsere Haustiere besser als unsere Mitmenschen in Afrika; sind diese Menschenleben dort wirklich weniger wert das Leben unserer Haustiere?

Die Kleinstaaterei des Nationalismus ist keine Lösung für die globalen Probleme, denn:

- Das Internet ist global,

- Die Finanzmärkte sind global,

- Unternehmen agieren global,

- selbst die Kultur wirkt global.

Auch die Herausforderungen sind global, denn

- Terrorismus ist global,

- Umweltverschmutzung ist global,

- Die Auswirkungen von Krieg und Armut sind global.

Die globalen Probleme machen an den Landesgrenzen nicht halt und sie lassen sich nicht auf nationaler Ebene lösen; selbst ein nationaler Alleingang, wie die Energiewende, ist ohne globale Zusammenarbeit keine Lösung für die Probleme, es müssen andere Staaten folgen.

Kein Land ist eine Insel – selbst Großbritannien nicht.

Seid ihr mal in Indien gewesen, oder in Afrika? Die meisten Menschen dort leben in bescheidenen Verhältnissen, aber sie sind zufriedener…. so lange, bis sie unter den Auswirkungen des westlichen Raubtierkapitalismus zu leiden haben. Wir haben eine grobe Vorstellung, dass es in unserer Welt Armut gibt. Aber richtig vorstellen, können wir uns das nur, wenn wir es mit unseren eigenen Augen sehen; wenn wir hinter dem Rechner hervor kriechen, die Kippenberge und die leeren Bierdosen zur Seite schieben und in die Welt hinaus gehen.

Nur dann können wir aus der Filterbubble ausbrechen, nur dann können wir Perspektiven gewinnen und nur dann erfahren wir, warum man Erstweltprobleme "Erstweltprobleme" nennt.

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Leitwolf

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Aron Sperber

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