Wenn rechte Gewalt verharmlost wird: Neues von den „Lausbuben-Terroristen“

Vor wenigen Wochen wurden acht Mitgleider der „Gruppe Freital“ vom OLG Dresden wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und versuchten Morden zu langen Haftstrafen verurteilt. Der Prozess dauerte ein Jahr, nachdem die Bundesstaatsanwaltschaft den Fall übernommen, ermittelt und angeklagt hatte. Die Rädelsführer erhielten neuneinhalb bzw. zehn Jahre Haft. Am billigsten kam ein Heranwachsender mit vier Jahren Jugendstrafe davon. Im Gerichtssaal wurde das Urteil mit Hohngelächter und Tränen begleitet.

Sie schlossen sich im Sommer 2015 zusammen und haben Sprengstoffanschläge auf Asylbewerberheime und politische Gegner verübt. Die Gruppe ging aus dem Umfeld von Protesten gegen eine Flüchtlingsunterkunft in Freital hervor und hat sich innerhalb weniger Monate radikalisiert. Unter anderem verübten sie fünf Mal Sprengstoffanschläge – auf das Auto eines örtlichen Linken-Politikers, zweimal auf Flüchtlingsunterkünfte und einmal auf ein linkes alternatives Wohnprojekt in Dresden

Sie hatten sich in Whatsapp-Gruppen verabredet. Aus den Chat-Verläufen ist ersichtlich, dass sie weitere Taten geplant hatten. Sie bauten ihre Sprengsätze selbst und setzten illegale Pyrotechnik ein, die Berechnungen zufolge, eine über 100-fache Sprengkraft von Sylvesterböllern aufwiesen.

"Bloß, weil ich ein Problem mit der Asylpolitik hab und nicht unbedingt damit einverstanden bin, dass hier jeder Ausländer reinkommen und machen kann, was er will, heißt es ja nicht, dass ich gleich ein Nazi bin", sagte der Hauptangeklagte Patrick Festing. Dabei sprechen interne Chats und Audionachrichten, die vor Gericht vorgespielt wurden, eine ganz andere Sprache. Flüchtlinge werden da als "Kanaken" und "Bimbos" bezeichnet. Auf einem Foto posiert die Gruppe mit Hitlergruß - vermummt hinter einer Hakenkreuzfahne. "Für den einen sind die Taten extrem, für den anderen sind es halt Taten mit Sachschaden, die man halt nicht jeden Tag sieht, weil halt Böller verwendet wurden, wie auch immer. Ich sehe mich nicht als rechtsextrem", erklärt Patrick Festing in einem Interview.

Einige waren bei den Ausschreitungen in Heidenau dabei und haben Videos davon öffentlich in der Stammgaststätte gezeigt, niemand nahm Anstoß daran. Der Wirt: "Nachdem diese ganzen Verhaftungen stattgefunden haben, diese ganzen Straftaten ans Licht gekommen sind, man war nicht überrascht."

Der Bürgermeister von Freital spricht von einer „Handvoll“, die nicht überbewertet werden sollten. In Chatgruppen wurde öffentlich Stimmung gemacht. Unglaublich, wie hier rechtsextreme Gewalt verharmlost wird.

In ihrem Heimatort werden die Taten immer noch als „Lausbubenstreiche“ angesehen.

Aber die acht Beschuldigten der Gruppe Freital waren nicht alleine. Zur „Handvoll“ des Bürgermeister gesellen sich nun zwei Handvoll Täter dazu. In Sachsen, in Bayern und in Niedersachsen hat die Polizei nun bei 10 weiteren Personen durchsucht, weil sie der „zweiten Reihe“ der „Gruppe Freital“ zugerechnet werden.

Wir werden sehen, was das Gericht aus diesem „Lausbuben-Streichen“ macht.

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