Dass der Wald stirbt kann jeder, der mit offenen Augen durch die Wälder geht, sehen. Wer nicht in die Natur geht, konnte es die letzten zwei Sommer auch der Autobahn entlang sehen. Jetzt fällt langsam das Laub und mach einer kommt auf die Idee, dass dies ein normaler herbstlicher Laubfall ist. Aber das ist nur die halbe Wahrheit: Der Laubfall setzte dieses Jahr, wie letztes Jahr auch, mindestens vier Wochen früher ein, von buntem herbstlichem Laub kann vielerorts keine Rede sein, das meiste bleibt braun und grau und oft bliebt den Winter über auch trockenes Laub am Baum hängen. Der Baum war schlichtweg zu schwach, die Korkschicht am Blattansatz zu bilden, das den Laubfall erst möglich macht.

Die meisten unserer Baumarten sind keine langen Trockenperioden gewohnt. Nun haben wir bereits 18 Monate ohne auch nur annähernd genügend Regen. Der Boden ist bundesweit mindestens zwei Meter tief knochentrocken, die spärlichen Regenfälle diesen Sommers haben nur die Oberfläche durchfeuchtet, was immerhin die Gräser grün blieben ließ. Der tiefe Grund ist nach wie vor ausgetrocknet und ob der kommende Winter genügend Regen bringt, um das alles wieder aufholen, ist mal dahingestellt; wir können nur drauf hoffen.

Aber wie stirbt der Baum? Wie ist sein Leiden? Wie ist sein Todeskampf?

Kurze Antwort: Er verdurstet, verhungert, erschöpft sich oder geht an Schadinfektionen ein.

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Schädlinge

Darüber haben wir sicher alle schon gelesen. Bäume sterben, weil sie geschwächt von Schädlingen oder Schadpilzen befallen werden. Ja, das ist eine Todesart der Bäume. Der Borkenkäfer frisst sich in die Rinde von Nadelbäumen, die sich, wenn sie gesund sind, mit Harzfluß wehren und den Käfer schlichtweg darin ertränken. Geschwächte Bäume, die unter der Trockenheit leiden, bilden nicht genügend Harz und können sich so nicht mehr wehren. Dazu kommt durch das wärme Klima eine erhöhte Reproduktionsrate der Käfer, die mehr Generationen und mehr Individuen erzeugen. Der Angriff auf den eh schon schwachen Baum ist intensiver.

Der Borkenkäfer unterbricht mit seinen Fraßgängen die Leitungsbahn des Saftes in Wipfel, der Baum kann seine Blätter nicht mehr mit Wasser und Nährstoffen versorgen. Auch Schadpilze, die durch Verletzungen, Sonnenbrand (insbesondere bei Buchen) oder Fraßschädlinge in den Baum eindringen wirken ähnlich. Sie verstopfen die Leitungsbahnen, was auch zum Abbruch des Saftflusses führt.

Bäume verdursten

Gerade Nadelbäume sind Flachwurzler, deren Wurzeln reichen oft gar nicht so tief, als dass sie immer an Wasser gelangen können. Ist im Boden kein Wasser mehr erreichbar, fällt der Nachschub für die Wipfel aus.

Reißt der Saftstrom ab entsteht eine Luftemobilie; eine Luftblase in der Saftbahn. Dann kommt schlichtweg nichts mehr nach.

Bevor es soweit kommt, versucht der Baum auf Notfallbetrieb umzustellen. : Er bildet keine neuen Blätter, Äste oder neues Holz, der Zuwachs stoppt und er versucht die Verdunstung möglichst zu verringern. Ein Werkzeug des Baumes ist der vorzeitige Laubfall; den sehen wir dieses Jahr. Ein anderes Werkzeug ist das Einrollen der Blätter um die Verdunstungsoberfläche zu verringern. Jeder, der seine Topfpflanze im Wohnzimmer nicht gießt, der kennt das.

Zusätzlich verschließt der Baum die Atmungsöffnungen an den Blattunterseiten, die „Stomata“.

„Weniger Öffnungen -> weniger Schwitzen“ Zunächst effektiv, aber mit fatalen Folgen:

Verhungern

Durch diese Öffnungen nimmt der Baum das CO2 auf, um lebenswichtige Kohlenhydrate, wie Zucker und Stärke zu bilden. Achtung, jetzt kommts:

„Weniger Öffnungen → weniger CO2-Aufnahme → sprich weniger Essen“

Er kann kein CO2 mehr aufnehmen, kann seine Nährstoffe nicht mehr bilden und hungert schlichtweg. Er wird anfälliger für Schädlinge, produziert weniger Nährstoffe, auch nicht für die Früchte und stirbt am Ende. Der Baum verhungert.

Er stirbt genauso wieder Mensch, der zu lange keine Essen zu sich nimmt.

Erschöpfung

Interessant ist, dass auch eine zu hohe Temperatur zum Tod durch Erschöpfung führen kann. Die Bäume unserer Klimaregion sind nicht an lange Temperaturperioden über 35°C gewohnt. Eine hohe Temperatur sorgt für eine schnellere Atmung.

"höhere Temperatur -> schnellere Atmung -> mehr Energieverbrauch"

Das kennen wir z.B. ja auch vom Sport. Wenns zu heiß wird, hyperventilieren auch Bäume. Sie können das CO2 nicht mehr richtig umwandeln, genauso der Marathonläufer, der seine Energiespeicher während des Laufes nicht auffüllen kann. Der Nährstoffnachschub stockt, während der Baum viel zu viel Nährstoffe für die Hyperventilation benötigt. Der Baum erschöpft im Hochbetrieb seine Reserven und verhungert am vollen Buffett-Tisch.

Für alle die sich also über die hohe CO2-Konzentration freuen und glauben, sie würde den Pflanzen gut tun: Die Welt ist komplexer als dies AfD, EIKE und seine Exxon-bezahlten Lobbyisten euch weißmachen wollen.

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