Wie geht ihr mit der Zeitenwende um?

Zeitenwenden kommen in der Weltgeschichte im Schnitt alle 25 Jahre vor. Nach Ende des zweiten Weltkrieges und den Jahren des Aufbaus kam die 68er Kulturrevolution, die mit dem autoritären System aufräumte, viele Überbleibsel des 3. Reiches aussortierte und sowohl einer neuen Jugend- wie auch Protestkultur den Weg freimachte – zumindest im Westen.

Wir erlebten das Ende des Ost-/Westkonfliktes 1989. Der brachte einen wirtschaftliche Wandel, für die früheren osteuropäischen Länder mehr als im Westen, und er hat die globale Politlandschaften verändert. Es hat dem Turbokapitalismus und somit dessen positiven wie negativen Auswirkungen Tür und Tor geöffnet.

Und nun ab 2016 steht wieder so ein Wandel an. Das Erstarken der Rechtspopulisten, die Veränderung der Medienwelt und der Verlust bislang anerkannter humanistischer Grundwerte stellen die Welt vor eine Herausforderung; die Weichen werden jetzt neu gestellt. Ob sich die Welt zum Besseren wenden wird oder in den kalten Nationalismus der Vorkriegszeit zurückfällt, das wird sich im neuen Jahr maßgeblich entscheiden.

Wer, wie ich, in der zweiten Hälfte seines Lebensjahrhunderts angekommen ist, der lernte in seiner Jugend, dass die Welt, vielleicht langsam, aber stetig besser wird. Wir sind in dem Glauben aufgewachsen und glauben nun erkennen zu müssen, dass dem nicht so sein könnte.

Die Welt wird „schlechter“ ist das Credo, das tageintagaus in den sozialen Medien und den Stammtischen gepredigt wird. Es stimmt, dass im Nahen Osten ein fast flächendeckender Krieg herrscht, aber im Rest der Welt ist es friedlicher als je zuvor. In Südamerika wurden die allermeisten Konflikte beigelegt; in Afrika steigt die Zahl der Staaten, in denen es gesitteter zugeht. Kontinentale Einigungsbewegungen wie Ecowas in Afrika und Unasur in Südamerika sorgen für mehr Gespräche, weniger Konflikte und wirtschaftliche Entwicklung. Die EU ist weiterhin das größte und erfolgreichste Friedensprojekt der Menschheit. Noch nie haben sich so viele Menschen aus so vielen Kulturen mit so viel Wirtschaftskraft friedlich zusammengetan, wie in Europa die letzten 60 Jahre.

Viele Parameter bessern sich zum Guten. 92% aller Kinder weltweit gehen auf Schulen. In Afrika ist die Lebenserwartung in 15 Jahren um 12 Jahre gestiegen. Bitterarme Menschen sind tatsächlich weniger geworden; genauso wie der Hunger zurückgegangen ist. Die Zahl der Toten in den Kriegen ist seit dem WWII (in Wellen) zurückgegangen. Die Zahl der Menschen und auch ihr Anteil an der Weltbevölkerung, die in einer Demokratie leben, hat kontinuierlich zugenommen. Eine interaktive Graphik.

Die mediale Welt ist narzisstisch geworden. Wir sehen die Bedrohungen und das Leid, aber wir sehen nicht, was in der Welt besser wird – Die besser werdende Welt betrifft uns nicht, so glauben wir, weil Europa in der „Krise“ stecke; eine medial heraufbeschworene Krise. Eine gewollte "Krise" des Wirtschaftssystems, das mit Angst den großen Reibach macht. Es ist keine "Krise", aber wir folgen den Chaosgöttern blind.

Es entsteht eine neue Weltordnung. Solche Umbrüche sind immer mit Turbulenzen verbunden. Es wird turbulent zugehen, das ist bei Wandlungsprozesses nicht zu vermeiden. Die neuen Verhältnisse werden uns schrill und fremd vorkommen. Sie werden nicht mit dem vergleichbar sein, was wir bisher kennen. Der Mensch verwechselt die Wirklichkeit mit dem Abbild einer Welt, das er sich selbst geschaffen hat. So wird die Wirklichkeit gerade eben nicht jene sein, die wir uns vorgestellt haben.

Wir glauben in eine Zukunft zu gehen, so wie wir sie uns vorstellen. Heilversprechen durch Technik; Gentechnik, Mikrochips im Arm, allgegenwärtige Überwachung und künstliche Intelligenz? Wollen wir dies und wie nutzen wir diese Erkenntnisse? Sind wir damit überfordert oder übersteigt es lediglich unsere Phantasie?

„Ich glaube, die Menschen sind einfach nur erschöpft. Sie sind erschöpft von einem viel zu schnellen, unstrukturierten, unverstandenem Wandel, der eher über sie hereinbricht, als dass sie ihn gestalten können.“ (Bruno Giussani, TED)

Wie also können wir mit den Herausforderungen der Zukunft umgehen, ohne von diesen überwältigt und ausgebrannt zu werden? Können wir den unweigerlich kommenden Wandel, das Aufbrechen des etablierten Weltbildes zu einer besseren Zukunft nutzen ohne die bisherigen Errungenschaften zu gefährden?

Wollen wir wirklich den einen Chaosgott mit dem anderen Chaosgott ersetzen? Oder wollen wir die (unerwartete) Chance nutzen, die Welt ein bißchen besser, lebenswerter, menschlicher zu machen.

Wie wird der Gegentrend zum gegenwärtigen Populismus und Nationalismus aussehen? Welche humanistischen Konzepte können dem entgegengesetzt werden?

Pixabay

https://ourworldindata.org/

https://ourworldindata.org/grapher/world-pop-by-political-regime

http://www.ted.com/

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