Willkommenskultur à la Sudan.

Nicht nur in Nigeria, auch im Sudan finden Flüchtlinge gastfreundlich Aufnahme. Dass es nicht an der ählichen Kultur oder Sprache liegt, habe ich gestern in einem Text veranschaulicht. Denn wie der verlinkte Beitrag zeigt, haben selbst Deutsche andere Deutsche in der Vergangenheit alles andere als bereitwillig aufgenommen.

Kennt ihr den Sudan? Ein vom Krieg zerrissenes Land, vor wenigen Jahren erst hat sich der Südsudan abgespalten. Es liegt in der Sahelzone, ein Land, das immer trockener wird und wo sich der Konflikt zwischen den arabischen muslimischen Nomaden und den christlichen Schwarzafrikanern um die Nutzung des kargen Landes immer weiter zuspitzt. Eine islamische Republik dessen Präsident al-Bashir einem Prozess vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag entgegen schaut; zumindest der internationale Haftbefehl ist ausgestellt und trotzdem ist der Sudan wieder zum Gesprächspartner Europas in Rahmen der Flüchtlingsabwehr mutiert. Die Isolierung dieses Landes wird aufgrund europäischer Interessen aufgeweicht.

Geschätzt hat der Sudan 40 Millionen Einwohner, das ist die Hälfte von Deutschland, die Wirtschaftskraft liegt bei nur einem Hundertstel von Deutschland.

Der Sudan hat eine kränkelnde Wirtschaft und andauernde Konflikte, dazu die Flüchtlingsströme aus Somalia und Eritrea, die auch vor Sudans Grenzen nicht Halt machen. Es scheint kein Ort an den man geht, wenn man Frieden sucht. Während noch die Mehrheit der Syrer ihr Überleben in Europa sucht, wird der Sudan eine immer beliebtere Alternative.

Der Sudan hat 50.000 syrische Bürgerkriegsflüchtlinge willkommen geheißen – bei Visa-Freiheit, freier Gesundheitsversorgung, kostenloser Bildung und ohne Beschränkung der Bewegungsfreiheit.

Der Sudan nennt sie „Gäste“ statt „Flüchtlinge. Statt mit Arbeitsverbot, Lagerpflicht und Bürgerprotest werden Syrer dort mit Visa für jeden begrüßt; Statt in Schlauchbooten übers Mittelmeer kommen die Vertriebenen zweimal wöchentlich im Direktflug aus Damaskus. Trotz einer Wirtschaftskraft von nur etwa 1/100 von Deutschland hat es wohl die 100fache Gastfreundschaft.

Umm Mohammed erzählt, wie sie aus Syrien fliehen musste und nun im Sudan bei gleicher Sprache und ähnlicher Kultur Aufnahme gefunden hat:

"Die Leute hier sind sehr gut", sagt sie. Das Leben in ihrer Heimat Aleppo war unmöglich geworden, erklärt sie: "Am Morgen hörten wir das Geräusch von Granaten und mein Sohn, ein junger Mann von 25 Jahren, schlief auf seinem Bett, als eine dieser Granaten einschlug." Die Explosion zertrümmerte in der Nähe Fenster, Salven von Glasscherben zerschnitten ihn am ganzen Körper. »Er ist fast gestorben«, sagte sie. Mohammed hatte geplant, sich Hunderttausenden von Flüchtlingen in Jordanien anzuschließen, doch als einer ihrer Söhne, der für ihre Arbeit in den Sudan reiste, sagte, dass Syrer kein Visum benötigen, hat sie ihre Pläne geändert.

Sie arbeitet jetzt in einer Küche, die vor einiger Zeit für die Unterstützung syrischer Familien gegründet worden ist. Ein Geschäftsmann der schon seit 2002 dort ist, leitet sie. Er gibt zu, dass der Sudan, der stark von internationalen Sanktionen über den Krieg in Darfur getroffen wurde, ein unwahrscheinlicher Fluchtort ist.. "Wenn jemand, der mit Fassbomben getroffen und mit Raketen und Artillerie geschlagen worden ist, eine Gelegenheit findet, zu entkommen, was auch immer die Gelegenheit ist, dann wird er sie nutzen“ sagte er.

Obwohl die Militärregierung von al-Bashir sich wenig um die Flüchtlinge schert, so haben sie doch Zugang zu kostenloser Bildung und zum Gesundheitswesen, Bewegungsfreiheit. Die Meisten haben Arbeit, auch wenn einige auf die Diasporagemeinde angewiesen sind. Auch das UNHCR hat Bedürftige registriert und unterstützt sie. Reduzieren wir dieses Land um den kriegsverbrecherischen Präsidenten und das Militärregime, dann müssen wir anerkennen, dass dort einiges besser lauft als in Europa.

Im Video:

In der Schule sind 240 syrische Mädchen und 120 sudanesisch Mädchen, auch 17 von 25 Lehrer sind syrische Flüchtlinge. Sie werden bis zur fünften Klasse und höher unterrichtet.

https://www.youtube.com/watch?v=VBe2iYzfZsY

https://www.youtube.com/watch?v=VBe2iYzfZsY

https://www.theguardian.com/world/2015/dec/02/refugee-kitchen-syrian-women-sanctuary-sudan

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philip.blake

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