Bald ist es wieder, das Fest der Ahnen, das Fest der Toten – Samhain. Im christlichen Kalender wird es Allerheiligen bzw. Allerseelen genannt. Es ist der Zeitpunkt im Jahr an dem sich die Tore zur Unterwelt öffnen und in beide Richtungen durchgängig werden.

In den herbstlichen dichten Nebelschwaden können wir leichter Kontakt zu unseren Ahnen und sie auch zu uns aufnehmen.

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Es ist das Ahnenfest und zeigt den Beginn der dunkelsten Zeit des Jahres an. Die Ernte ist eingebracht, das meiste Gemüse ist geerntet und eingelagert. Das Laub ist von den Bäumen abgefallen und der erste Frost zeigt sich frühmorgens im Rauhreif. Die Sonne macht sich rar und zeigt sich nur wenige Stunden, wenn überhaupt. Sie wärmt kaum noch. Die Zugvögel sind abgereist und lassen eine stille Landschaft zurück. Viele Tiere überwintern in ihren Quartieren und leben von den Vorräten, die sich angesammelt bzw. sich angefressen haben. Es ist der Beginn der stillen, besinnlichen Zeit, es kündigt sich der Winter an, der mit Stürmen über die kahle Erde hereinbricht. Es beginnt die Zeit der Göttin Holle, auch Hel genannt und die Zeit der Perchten.

Schon in vorchristlichen Zeiten war diese Zeit eine besondere Zeit, die in Mythologie und Religion ihren Niederschlag gefunden hat. Persephone, die Mutter von Demeter, tritt den Gang in die Unterwelt an, wo sie für ein halbes Jahr die Königin der Toten sein wird. Sie holt die Verstorbenen am Eingang der Unterwelt ab und geleitet sie ins Reich der Schatten. Auch in Rom wurde die ägyptische Göttin Isis Anfang November geehrt, oftmals in Gestalt der Demeter.

In der keltischen Mythologie assoziiert das Samhainfest die Göttin des Winters Caileach. Sie reitet auf einem schwarzen Wolf in die Welt und bringt Eis und Schnee. Sie regiert bis Beltane, dem Tag im Frühjahr an dem die letzten Fröste das Land verlassen haben sollten.

Bei den Germanen regiert in dieser Zeit Frau Holle, bzw. die Unterweltgöttin Hel. Auch der Holunder ist nach ihr benannt. Jede Familie hatte eine Holunderbaum, der auf vielfältige Weise Glück und Gesundheit brachte. Ihn zu schlagen, brachte Unglück über die ganze Familie. Frau Holle ist aus den Märchen der Gebrüder Grimm bekannt, weil sie es auf der Erde schneien lässt, wenn sie die Betten ausschüttelt; das Märchen ist eine Analogie zum Leben, Sterben und Ernte.

Das „Sterben“ der Vegetation erinnert auch uns an unsere Sterblichkeit; doch ist es für die Natur nur eine Ruhephase, denn nach der Wintersonnenwende entsteht das Leben langsam aber unaufhaltsam neu. Der Kreis von Sterben und Wiederauferstehen dreht sich unaufhörlich.

Mit dem Rauhreif, dem Frost und dem ersten Schnee, so denn wir ihn überhaupt noch haben, zieht auch uns die Natur unter die Decke der Ruhe. Die Menschen früher zogen sich so in die Winterruhe zurück, das Leben wurde langsamer, alle Hektik verblasst angesichts der Kältestarre draußen. Wer bis dahin nicht genug Vorräte gesammelt hatte, dem war das Überleben im Winter nicht gesichtert. So mancher eingeschneite Bauer wurde zum Erfinder, Künstler oder Industriellen, die die Welt mit Holzinstrumenten und Kuckucksuhren beglückten.

Heute ist der Mensch diesen Jahreszyklus vergessen, er verzichtet auf die Regenerationsphase, die die Natur vorgesehen hat

Wir haben dieses Gefühl verloren, wir erinnern uns noch vage in einer vorgeblichen Ruhe der Adventszeit, doch wir haben diese, wir nennen sie heute lieber „Leere“, gekonnt mit Konsum umd Hektik gefüllt. Was bleibt dem Menschen von der Winterruhe? Die paar Stunden vom Wegräumen des Geschenkpapaiers an Heiligabend bis zum Eintreffen der buckligen Verwandtschaft am ersten Weihnachtsfeiertag!

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Leela Bird

Leela Bird bewertete diesen Eintrag 28.10.2018 20:43:23

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