Wir werden es gewusst haben.... Ende 2017!

Voraussagungen sind schwer, das gebe ich gerne zu. Wer kennt schon die Zukunft? Wir sind 2016 von vielen Entwicklungen „überrascht“ worden, die wir eigentlich hätten kommen sehen müssen.

Gerade Krisen und Konflikte kommen nicht aus dem Nichts, Fluchtbewegungen sind vorhersagbar. Die aktuelle Fluchtbewegung, im Sommer 2015 begonnen, wurde von der UN, den NGOs und vielen Fachleuten und Organisationen vorhergesagt. Wir waren allerdings damit beschäftigt, den Griechen das letzten Hemd auszuziehen und übersahen schon dort, dass die zerlumpten Gestalten mitten durchs Geschehen, mitten durch Griechenland, krochen. Wir hatten die Augen woanders.

Natürlich sind die Auswirkungen der Präsidentschaft Trumps nicht vorhersehbar. Seine Abwertung von internationaler Solidarität und die rüpelhafte Rhetorik lassen zumindest den Schluss zu, dass weder bestehende Konflikte beigelegt werden noch drohende Konflikte abgewendet werden können.

IRIN, http://www.irinnews.org/ ist eine von der UN gegründete Nachrichtenagentur, die unabhängig ist und vor allem über humanitäre Hilfe berichtet. IRIN hat ein paar Konflikte dargestellt, die wir zur Kenntnis nehmen sollten.

Ob in Syrien das Abflauen der Kämpfe wirklich zu weniger Vertreibungen führen wird, ist fraglich. Oft werden gerade zum Ende solcher Konflikte, wenn die künftigen Kräfteverhältnisse erkennbar werden, die größten Bewegungen ausgelöst. Es wird gesäubert, es wird gerächt, es werden alte Rechnungen beglichen und es werden die Pfründe neu verteilt.

So können aber schon jetzt neue große Fluchtbewegungen im Irak (siehe Mossul) und in Afghanistan beobachtet werden. Aber auch viele bisher wenig beachtete humanitäre Krisen werden 2017 bedeutend sein, nicht zuletzt aufgrund von Vertreibungen: Venezuela, Jemen, Südsudan, Myanmar. Dies sind Orte, von denen wir leider noch mehr hören werden. Was die Nachrichten im Einzelnen sein werden, nur das ist noch offen.

In der (öl-reichen) Nation Venezuela haben sich vergangenes Jahr erhebliche soziale Ungleichheiten aufgetan. Eine hohe Inflation, leere Supermarktregale, massenweise Malaria- und Diphteriefälle, eine steigende Mütter- und Säuglingssterblichkeit, Armut und Unterernährung haben sich ausgebreitet. Präsident Maduro ignoriert diese humanitäre Krise weiterhin. Von den USA ist sicherlich keine Unterstützung bei der Aufhebung der Sanktionen zu erwarten, bevor nicht das Regime wechselt; und das trotz Bemühungen des Vatikans und anderer Vermittler.

Dem Jemen kommt immer noch keine Aufmerksamkeit zu. Waffenexport zu stoppen ist immer noch unattraktiv, egal ob USA, Russland, Deutschland.. und auch Seehofer hat mehr Sorgen um die Arbeitsplätze in Bayern, denn um jeminitische Kinder. Dabei wird die Verhinderung der Flucht mit deutscher Grenzsicherungstechnik gar als Erfolg angesehen. Die Menschen sind im Bombenhagel eingesperrt. Macht es das besser? An humanitären Werten gemessen sicherlich nicht, finanziell schon. Der Jemen ist zu 90% auf Nahrungsmittelimporte angewiesen. Importeure finden sich nicht mehr, da die Menschen kein Geld mehr haben und die Lage zu unsicher wird. Im Jemen droht eine Hungerkatastrophe.

Syrien wird weiter zerfallen. Ost-Aleppo ist evakuiert, die Menschen sind in andere Gebiete transportiert worden, in denen der Krieg nun erst richtig in die Gänge kommt; z.B. Idlib und Deraa. Die Türkei hat Expansionsgelüste in die kurdischen Gebiete im Norden Syriens und dem Irak, der IS gewinnt wieder an Stärke und versucht Palmyra einzunehmen. Nach dem angeblichen Waffenstillstand der vergangenen Wochen wird sich die internationale Gemeinschaft auf den faulen Lorbeeren ausruhen. Die Belagerungen Assads, die Kämpfe und die humanitären Katastrophen werden unvermindert weitergehen. 6,3 Millionen Menschen sind bereits vertrieben. Es wird nicht das Ende sein.

Das Leiden der Rohingya in Myanmar steuert auf einen neuen Höhepunkt zu. Alleine diese Woche flüchteten 20.000 Menschen aus Myanmar. Lasst es uns mal aufs Jahr hochrechen: Es sind groß 1 Million Menschen. Eine Zahl, die bei uns Panik und Entsetzen ausgelöst hat (weil so viele nach Europa kamen).

Im Süd-Sudan wird der Bürgerkrieg eskalieren. 400.000 Menschen sind nach Uganda geflohen, 1,8 Millionen sind intern vertrieben worden. „Der Krieg und der Wettbewerb um die knappen Ressourcen haben zu einer extremen Polarisierung einiger ethnischer Gruppen geführt“, warnt der Sonderbeauftragte der UN. Es drohen Hunger und Völkermord. Niemand interessiert sich für den Süd-Sudan und so wird das Verhängnis seinen Lauf nehmen.

Im Irak ist Mossul in aller Mund. Eine Million Menschen sind dort gefangen. Drei Millionen Menschen sind intern im Irak vertrieben.

In Afghanisten sind Millionen Menschen intern vertrieben. Weitere Millionen werden aus Pakistan und dem Iran zurück geschickt, auch Europa schiebt ab. Abgesehen davon, dass selbst die UN erklärt, dass es in Afghanistan keine sicheren Gebiete gibt, kann dieses Land diese Menge von Vertriebenen und Zurückkehrern wirtschaftlich nicht verkraften. Die Taliban sind unverändert stark. Die Welt steuert sehenden Auges auf eine neue Katastrophe zu und Deutschland forciert die Situation weiter.

Im Kongo bleibt Kabila weiter an der Macht. Er wird es dem abgewählten gambischen Präsidenten gleichtun und die Wahlen ad absurdum führen. Noch hält der Waffenstillstand. Die Nachbarstaaten erwarten schon ängstlich eine Neuauflage der Kongo-Kriege, die in den letzten zwei Jahrzehnten über 6 Millionen Tote forderte und neue Nachbarländer betraf.

Um den Tschad herum droht eine Hungersnot. Boko Haram zieht sich nach den Niederlagen in Nigeria dorthin zurück. Der steigende Wasserverbrauch und der Klimanwandel hat den Tschad-See auf 1/20 schrumpfen lassen.

Und am Ende will es wieder keiner gewusst haben.

Pixabay/https://www.fischundfleisch.com/robby/das-bisschen-winter-29253

Zum Weiterlesen:

http://www.irinnews.org/analysis/2016/01/12/briefing-all-you-need-know-about-sieges-syria

https://www.irinnews.org/analysis/2017/01/02/ten-humanitarian-stories-look-out-2017

http://www.irinnews.org/special-report/2016/09/08/exclusive-inside-saudi-arabia%E2%80%99s-yemen-war-rooms

http://www.fao.org/3/a-i6185e.pdf

http://www.irinnews.org/feature/2016/11/22/beyond-mosul-iraq%E2%80%99s-displacement-and-sectarian-timebombs

http://www.fews.net/west-africa/nigeria/special-report/december-13-2016

http://www.irinnews.org/opinion/2016/12/01/boko-haram-food-crisis-demands-cooperation-and-accountability

2
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
1 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

Fischler

Fischler bewertete diesen Eintrag 12.01.2017 20:04:47

Sorry4u

Sorry4u bewertete diesen Eintrag 12.01.2017 17:24:48

Noch keine Kommentare

Mehr von robby