Wie viel Auslastung braucht ein Hund wirklich?

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Leo, der kleine Jack Russel Terrier, läuft nervös durch die Wohnung, er wirkt gereizt und unausgeglichen. Erst vor ein paar Tagen hat er sich genauso verhalten. Doch was fehlt Leo? Ist er gekränkt? Oder gar krank? Vielleicht ist der Jack Russel Terrier einfach nicht ausgelastet. Was als Erklärung so banal klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Denn wird ein Hund längerfristig nicht ausgelastet, kann dies tatsächlich zu nervösem Verhalten und Gereiztheit führen. In jedem Fall ist ein unausgelasteter Hund nicht glücklich.

Was bedeutet Auslastung bei Hunden?

Unter Auslastung des Hundes versteht man, dass der Vierbeiner regelmäßig möglichst alle seine angeborenen und erlernten körperlichen sowie geistigen Fähigkeiten und Sozialbeziehungen ausschöpft beziehungsweise auslebt. Für Hundebesitzer reicht also nicht aus, bloß eine oder zwei Komponenten der Auslastung zu gewährleisten. Neben die körperliche, geistige und soziale Komponente kommt noch eine vierte: die rassenspezifische. Wer sich also einen Hund zulegen möchte, der sollte vorher anhand der vier Komponenten überprüfen, wie gut sich eine bestimmte Hunderasse mit dem Familienleben und anderen Pflichten in Einklang bringen lässt und ob eine optimale Auslastung des Hundes dauerhaft gewährleistet werden kann. Die vier Komponenten der Auslastung sind nicht trennscharf zu verstehen, bei nahezu allen Aktivitäten des Hundes überschneiden sie sich. Sie dienen vor allem dem besseren Verständnis der Dimension von Auslastung.

Spaziergänge fordern den Bewegungsapparat und stärken die Bindung

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Die einfachste Art einem Hund genügend Bewegung zukommen zu lassen, ist ein gemeinsamer Spaziergang. Der Vorteil: Ein Spaziergang ist nicht an eine bestimmte Uhrzeit gebunden und kann daher flexibel in den Alltag integriert werden. Beim gemeinsamen Spaziergang ist es wichtig, dass Herrchen bzw. Frauchen dafür ausreichend Zeit einplanen. Ein fünfminütiger Ausflug mit dem Hund ist in der Regel deutlich zu wenig Bewegung für einen ausgewachsenen und gesunden Hund, vor allem dann, wenn der Hund in der Wohnung gehalten wird und dadurch sein sonstiger Bewegungsradius arg eingeschränkt ist. Tempo, Dauer und Wegstrecke des Spaziergangs sollten sich immer an der Rasse, dem Alter und dem körperlichen Zustand des Hundes orientieren. Gegenüber einem Mops, der von Anfang als Schoßhund gezüchtet wurde, hat eine für die Jagd herangezogene Rasse wie der Jack Russell Terrier ein vollkommen anderes Anforderungsprofil, was Bewegung und Beschäftigung anbelangt. Dennoch profitieren beide gleichermaßen von der Begegnung mit anderen Hunden auf den gemeinsamen Spaziergängen: So kann der Hund soziale Kontakte zu Artgenossen knüpfen, zugleich wird die Bindung zum Herrchen gestärkt.

Wird der Hund beim Spazierengehen an der Leine geführt, sind sein Tempo und sein Bewegungsradius durch den Hundehalter begrenzt. Manchen Hunden reicht das aus, für andere ist dies eine zu starke Einschränkung. Der Hund kann seinen natürlichen Bewegungsbedarf nicht ausleben, wodurch er auch nicht ausreichend ausgelastet wird. Im zweiten Fall ist es empfehlenswert den Spaziergang mit dem Besuch einer Hundewiese zu kombinieren, auf welcher der Hund sich frei bewegen kann. Bei Spielen wie dem klassischen „Stöckchen holen“, kann der Hund auch Sprints einbauen und so einen Großteil seiner Muskulatur beanspruchen.

Ein zu hohes Tempo, eine zu lange Dauer und eine zu weite Strecke beim Spazierengehen können aber auch zu große Belastungen hervorrufen. Bei Welpen beispielsweise können zu starke Belastungen zu Gelenkfehlstellungen und in der Folge sogar zu Arthrose führen. Hier gilt die Faustregel: Die Kleinen sollten maximal fünf Minuten pro Lebensmonat am Stück laufen.

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Die Beanspruchung der Nase

Die Nase, das ist allgemein bekannt, ist das wichtigste Organ des Hundes bei der Wahrnehmung seiner Umwelt. Je nach Rasse hat ein Hund bis zu 220 Millionen Riechzellen, der Mensch dagegen hat nur in etwa 5 Millionen. Daher ist eine regelmäßige und intensive Beanspruchung des Geruchsinns elementar für die optimale Auslastung eines Hundes. Es gibt zahlreiche Methoden die Nase eines Hundes zu fordern und damit seine Auslastung zu gewährleisten, hier drei Beispiele:

• Die Zielobjektsuche (ZOS): Die ZOS zielt auf sowohl auf die körperliche als auch auf die geistige Auslastung des Hundes. Konditionierte Objekte werden versteckt und der Hund aufgefordert nach diesen zu suchen. Je kleiner das Objekt, desto intensiver muss der Hund danach suchen. Durch regelmäßige ZOS werden „Konzentration, Suchintensität, Suchkondition und Suchmotivation“ trainiert. Mittlerweile finden in Deutschland regelmäßig ZOS-Wettbewerbe statt, die sich jedoch nur bedingt für Einsteiger eignen. ZOS-Training wird von zahlreichen Hundeschulen angeboten.

• Der Futterbeutelspaziergang: Die Nahrung des Hundes kommt nicht in den Napf, sondern in einen Futterbeutel. Beim Spaziergang wird der Futterbeutel entweder versteckt oder geworfen. Der Hund hat die Aufgabe den Futterbeutel ausfindig zu machen und zu seinem Besitzer zu bringen. Am Ende der Übung, die etwa 20 Minuten beanspruchen sollte, erhält der Hund das Futter als Belohnung.

Mantrailing: Beim Mantrailing begibt sich der Hund mittels einer Geruchprobe auf die Suche einer versteckten Person. Bei der Geruchsprobe kann es sich beispielsweise um ein Kleidungsstück handeln. Die Spur wird so lange verfolgt, bis der Hund schließlich die versteckte Person entdeckt und dafür eine Belohnung erhält. Mantrailing kommt auch bei der Ausbildung von Spürhunden zum Einsatz. Da der Hund das Tempo der Suche vorgibt, eignet sich das Mantrailing auch für Hunde mit orthopädischen Problemen, die Belastung des Skeletts ist relativ gering.

Mit- und Nachdenken fördern

Hunde sind intelligente Tiere, daher sollte ihr Gehirn gezielt trainiert werden, um eine optimale Auslastung zu erreichen. Dabei spielt die Beanspruchung der Nase natürlich auch eine wichtige Rolle. Methoden, die primär auf die Kopfarbeit des Hundes zielen sind beispielsweise:

• Übungen mit Intelligenzspielzeug:  Der Hund muss durch die Kombination von Bewegungsabläufen Aufgaben bewältigen, die durch den Aufbau des Spielzeugs vorgegeben werden. Dabei befinden sich im Inneren des Spielzeugs Leckerlis oder andere Spielgeräte wie Spielbälle, die der Hund unbedingt erlangen möchte. Ist der Hund bei der Lösung der Aufgabe erfolgreich, wird er automatisch belohnt.

• Zuweisen von Alltagsaufgaben: Hunde wollen gebraucht werden und übernehmen daher gerne in ihrem Rudel, also in ihrer sozialen Gruppe, Aufgaben. So kann der Hund erlernen auf Zuruf den Lichtschalter ein- und auszuschalten, Schuhe wegzuräumen oder die Zeitung zu bringen. So wird der Hund täglich gefordert und bestens in das Familienleben integriert.

• Docdancing: Bei dieser Übung sind die Koordinations- und Merkfähigkeiten des Hundes gefordert. Gemeinsam studieren Halter und Hund eine Tanzchoreografie ein, bei der sich der Hund an den Bewegungen von Frauchen beziehungsweise Herrchen orientiert. Das bringt beiden Spaß und stärkt die Beziehung untereinander.

Hundesportvereine bieten zahlreiche Möglichkeiten

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Hundesport wird von vielen Vereinen angeboten und beansprucht körperliche, geistige und soziale Komponenten der Auslastung. In den Vereinen bekommt man von professionellen Trainern das entsprechende Know-how vermittelt, welches es zur Durchführung der Übungen bedarf. Auch welcher Sport für den eigenen Hund geeignet ist und wie sich die verschiedenen Sportarten kombinieren lassen, kann man hier in einem Beratungsgespräch in Erfahrung bringen. Auch Wettkämpfe werden regelmäßig von Hundesportvereinen veranstaltet. Der gemeinsame Sport von Hund und Besitzer stärkt und harmonisiert deren Beziehung. Bei den meisten Sportarten für Hunde, die im Verein organisiert werden, ist die Begleithundeprüfung Voraussetzung zur Teilnahme. Neben dem Docdancing gibt es noch eine Reihe weiterer Hundesportarten. Vier der populärsten Hundesportarten sind:

• Agility: Hierbei durchläuft ein Hund einen Hindernisparcours innerhalb einer vorgegebenen Zeit mit Hilfe eines Hundeführers, der den Weg anzeigt, ohne den Hund zu berühren.

• Canicross: Verbunden mit einer flexiblen Leine absolvieren Läufer und Hund gemeinsam einen Geländelauf.

• Discdogging: In den Kategorien Freestyle, Mini Distance und Long Distance erspielen sich Hund und Halter mittels Werfen beziehungsweise Fangen einer Frisbee Punkte.

• Flyball: Der Hund versucht so schnell wie möglich vier Hürden zu überwinden um den Knopf der Flyball-Maschine zu betätigen, woraufhin ein Ball abgeschossen wird, den er zu fangen versucht. Auf dem Weg zum Ziel muss er mit dem Ball erneut die Hürden überqueren.

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