Die Frauenquote in bedeutenden Führungspositionen in der Finanzbranche ist leider sehr gering. Die wenigen, die es gibt, sind dafür aber umso erfolgreicher. Eine davon ist Leda Braga.

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Beim Thema Frauen in Führungsebenen gibt es nach wie vor Aufholbedarf. Eigentlich überall. Auch in der Finanzbranche. Vielleicht sogar vor allem in der Finanzbranche. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) errechnete für 2017, dass gerade einmal 9% der Positionen in Geschäftsführungen und Vorständen von Banken von Frauen belegt sind. In der Fondsindustrie sind es mit 6% sogar noch weniger. In der Hedgefondsindustrie wird es dann schon richtig eng. Genauer gesagt, unter den vierzig bestverdienenden Hedgefonds-Managern ist nur eine einzige Frau. Und das ist Leda Braga. Grund genug sich mit ihr etwas näher zu beschäftigen. Schließlich ist sie die mächtigste Hedgefonds-Chefin der Welt. Sie ist eine Legende.

Von der Technik in die Wirtschaft

Die in Rio de Janeiro geborene und aufgewachsene Leda Braga zog 1987 nach London. Nachdem sie ihren Doktor in Ingenieurswissenschaften am Imperial College erwarb und für längere Zeit in der Forschung und als Vortragende an der Universität arbeitete, zog es sie schließlich in die Praxis. So begann sie bei der US-amerikanischen Bank JPMorgan Chase & Co. Ihre Aufgabe dort bestand in der Analyse von Derivaten. Das sind Finanzinstrumente, mit denen sehr hohe Gewinne, aber auch Verluste erzielt werden können. In dieser Zeit lernte sie auch Mike Platt kennen, der zu dieser Zeit im Eigenhandel für dieselbe Bank arbeitete.

Erfolgreich ohne Emotion

Diese Begegnung war wegweisend. Denn Mike Platt gründete bald darauf mit BlueCrest Capital Management seinen eigenen Hedgefonds in Genf. Dazu holte er auch Leda Braga an Board. Für BlueCrest war es eine sehr erfolgreiche Zeit. Aber 2004 kam bereits der nächste Schritt. Mit BlueTrend erfolgte eine Abspaltung von BlueCrest, und Braga durfte im Zuge dessen fortan ihre eigene Strategie verfolgen. Dabei setzte sie auf Trendfolgesysteme, bei dem unterschiedlichste Anlageklassen zum Einsatz kommen. Laut eigenen Aussagen investierte Braga dabei in mehr als 150 Märkten. Also eine ganze Menge.

Im Handel selbst vertraut Braga auf jede Menge Technik. Genauer gesagt auf Computer-Algorithmen. Der Grund dafür ist einfach. Braga ist der Meinung, dass ein Handel mit System jegliche Gefühle rausnimmt. Handel ohne Emotion, ohne Überreaktion, ohne Panik. Und die Strategie ging auch voll auf. Wobei das eigentlich nicht verwunderlich ist. Schließlich zeigt die Geschichte eindrucksvoll, dass wir Menschen nicht gerade gut darin sind, unsere eigenen Gefühle unter Kontrolle zu halten.

Legendäre Performance im Krisenjahr 2008

Während in der Finanzkrise 2008 kollektiv sämtliche Portfolio- und Risikomanagementmechanismen zu versagen schienen, machte Braga ein Plus von 43%. Sie führte ihre Kunden mit ruhiger Hand durch die Krise und steigerte das von ihr verwaltete Vermögen auf 16 Mrd. Dollar. Die Finanzwelt verneigte sich vor ihr.

In den darauffolgenden Jahren erwirtschaftete sie eine jährliche durchschnittliche Rendite von über 11%. Das machte auch die Presse auf sie aufmerksam. Gerüchten zufolge aber soll sie keine einzige der zahlreichen Interviewanfragen jemals angenommen haben.

Systematica Investments – neue Wege

Vermutlich war Braga längst klar, dass dieser immense positive Trend nicht ewig anhalten konnte. Und tatsächlich folgte mit 2013 das erste Verlustjahr. Und obwohl der Fonds 2014 bereits wieder ins Plus drehen konnte, entschied sich Leda Braga für eine Umstrukturierung.

Die Gebühren sollten gesenkt werden und das Risiko wollte man besser kontrolliert können – Systematica Investments war geboren. Und der Start war höchst erfolgreich. Gleich im ersten Monat erzielte Braga eine Rendite von 9,7%, und katapultierte sich damit sofort wieder an die Weltspitze. Die Arbeitsweise: modern, flache Hierarchien, neue Technologien, junge Mitarbeiter, viel Eigenverantwortung. Wie bei einem FinTech. Und im Vergleich zur eher konservativen Branche ziemlich untypisch. Aber der Erfolg gibt ihr Recht.

Allein die Tatsache, dass Leda Braga zu den geachtetsten und erfolgreichsten Personen des Hedgefondsbusiness zählt, rechtfertigt ein Portrait von ihr. Dass sie aber nicht nur zu den Besten der Besten zählt, sondern als Frau auch als Gallionsfigur in einer absoluten Männerdomäne auftritt, macht sie für uns bei Savity zu einer wahren Legende.

https://www.savity.at/blog/legends/legenden-im-fokus-leda-braga/

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