Covid-19 in Zahlen: Was uns in Ö und D noch bevorsteht . . .

. . . darüber macht sich bisher kaum jemand (öffentlich) konkrete Gedanken. Mit gutem Grund, wie der geneigte Leser gleich sehen wird. Aber man kann es relativ einfach berechnen, etwa per Tabellenkalkulation.

Das Hauptmerkmal einer Epidemie ist das anfängliche exponentielle Wachstum der Infektionen pro Tag. Eine Kennzahl dafür ist das Verhältnis der aktuellen Infiziertenzahlen gegenüber dem Tag davor (= (Infizierte heute / Infizierte gestern) - 1).

Im einfachen mathematischen Modell ist diese Kennzahl zu Beginn der Epidemie an jedem Tag gleich und beginnt sich erst spürbar zu reduzieren, wenn fast die Hälfte der nicht-immunen Menschen infiziert ist. Füttert man eine Berechnung für eine Bevölkerungszahl von 1.000 nicht-immunen Menschen und einen Start-Infiziertenanteil von 1 Promille z.B. mit den täglichen Wachstumsfaktoren 40%, 20% und 10%, dann sehen die Kurven so aus:

Eigene Darstellung

Die durchgezogenen Linien zeigen genau das Prinzp zahlloser #FlattenTheCurve-Grafiken, die man inzwischen im Netz findet.

Hier erkennt man zusätzlich, daß sich die maxmiale tägliche Infektionszahl jeweils aus der nicht-immunen Bevölkerungszahl x täglicher Wachstumsfaktor / 4 berechnen läßt. Diese Gesetzmäßigkeit gilt für jede Bevölkerungszahl.

Wie lange es bis zum Tag der meisten Infektionen dauert, hängt auch vom Start-Infiziertenanteil ab und ist im Kopf schwieriger zu berechnen, aber in der Praxis weniger relevant.

Nun sehen wir uns mal an, welche offiziellen Infiziertenanteile und Wachstumsfaktoren wir aktuell in Ö und D haben (Quelle):

Eigene Darstellung

Die Infiziertenanteile in Ö (9 Millionen EW) und D (83 Millionen EW) betragen mit Stand 08.04. zufällig jeweils rund 1,3 Promille. Gehen wir wegen des hohen Anteils symptomloser Infizierter von einer Dunkelziffer um 10 aus, dann bekommen wir für Ö und D jeweils einen aktuellen Start-Infiziertenanteil von ~ 1,3% der Bevölkerung. Wie das Diagramm zeigt, liegen die täglichen Wachstumsraten der letzten 5 Tage in Ö bei ca. 2,5%, und in D bei ca. 5%.

Geben wir diese Werte in die Berechnung ein, dann bekommen wir:

Eigene Darstellung

Beachte: Inclusive Dunkelziffer 10 stehen wir in D und Ö heute (am 09.04.) gerade beim Tag Null!

Natürlich werden die realen Kurven nicht so bilderbuchmäßig verlaufen, alleine schon wegen der schlecht kalkulierbaren Dunkelziffer der Infektionen und dem täglichen Pendeln des Wachstumsfaktors. Dennoch zeigt die Grafik, wohin die Reise ungefähr geht - wenn alles so bliebe wie in den letzten Tagen.

In dieser einfachen Hochrechung hätte D also noch ca. 2 Monate Zeit, um sich während der öfters propagierten "Ruhe vor dem Sturm" auf bis zu ca. 100.000 bestätigte Infektionen pro Tag vorzubereiten. Bei einer angenommenen Sterblichkeit von 2,5% (auf Grundlage der "China-Studie" an 44.672 bestätigen Fällen umgerechnet) werden von den realen ca. 1 Million max. täglich Infizierten bald darauf ungefähr 25.000 Menschen pro Tag an den Folgen einer Covid19-Infektion sterben.

Allerdings kann man die China-Studie auch in Richtung einer Todesrate von ca. 1,4% (ohne Umrechnung auf die deutsche Altersstruktur) deuten: das ergäbe "nur" maximal 14.000 tägliche Tote infolge einer Covid19-Infektion.

Zum Vergleich: Im Jahresmittel ohne Covid19 sterben in Deutschland pro Tag ca. 2.500 Menschen, d.h.

Covid-19 würde die üblichen Todeszahlen kurzfristig um das ca. 6- oder 10-fache erhöhen!

Das erscheint unserem Merkelregime vermutlich als akzeptabler Kompromiß zwischen Dauer der volkswirtschaftlichen Lähmung (ca. 3 Monate!) und der Belastung des Gesundheitssystems incl. der täglichen Toten: wohl deshalb schiebt man eine Entscheidung über evtl. Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen vor sich her und eiert unverbindlich herum.

In Ö würde das Infektionsmaximum erst in ca. 180 Tagen, also nach einem halben Jahr erreicht (mit anschließenden bis zu ~ 700 oder 1.300 Coronatoten täglich - das wäre "nur" knapp das 3- oder 6-fache Eurer 220 Toten pro Tag im Jahresmittel).

Ein halbes Jahr volkswirschaftltiches Siechtum scheint aber Eurem Wunderwuzzi Kurz zu lange zu dauern, und genau deshalb lockert er bei Euch nun etwas die Zügel, um die täglichen Neu-Infektionen wieder zu erhöhen - zum Preis von noch mehr täglichen Corona-Toten.

Ich bin nicht stolz darauf, Euch diese Zahlen zu zeigen. Sondern ich würde mich freuen, wenn meine Hochrechnungen zu pessimistisch wären. Wenn jemand von Euch erkennt, wo meine Fehler liegen, schreibt es BITTE in den Kommentaren!

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