Ein paar nüchterne Berechnungsversuche für Covid-19 in D. Ja, die Katastrophe wird auch hier kommen!

Die "bestätigten Fallzahlen" seit 05.03. zeigen ein fast ständig steigendes Wachstum (Quelle). Solche immer steiler werdenden Kurven sind charakteristisch für die oft genannten "exponentiellen Verläufe":

Eigene Darstellung

Aus solchen krummen Kurven eine nachvollziehbare Zukunftsprognose abzuleiten, erscheint selbst ohne die Knicke am 20. und 28.03 schwierig und unsicher.

Trägt man aber die gleichen Werte in ein Diagramm mit logarithmischer Skala ein, dann werden aus exponentiellen Kurven schräg aufwärts verlaufende, simple Geraden:

Eigene Darstellung

Der Verlauf der bestätigten Fälle in D ist bemerkenswert, weil der fast bilderbuchmäßige exponentielle Anstieg genau ab dem 20.03. in einen ähnlich "perfekten", flacheren Verlauf abknickt - siehe die dunkelblaue Linie: der 1.Teil entspricht einem täglichen Wachstum von 27%, der 2. Teil von 14%. Die Daten der letzten Tage deuten auf eine weitere Abflachung seit dem 28.03. hin.

Die geraden Teile der Linie mit den gemeldeten Fallzahlen lassen sich in die Zukunft hochrechnen, indem man sie einfach mit den genannten Wachstumsfaktoren verlängert: Die rosa Punkte zeigen die Fortschreibung des Fallzahl-Wachstums vor dem 20.03., die grünen Punkte zeigen die Fortschreibung vom 20. bis 28.03.

Aber diese Prognosen können nicht mal annähernd die Realität beschreiben, denn

Die Dunkelziffer unerkannt infizierter Virusverbreiter bleibt unberücksichtigt!

Die Dunkelziffer hängt wiederum eng mit den Labortestkapazitäten zusammen. Hier ist mit Stand 28.03.20 zu lesen: "In Deutschland wurden seit dem 9. März 410.000 Menschen auf Sars-CoV-2 getestet. In Großbritannien waren es im selben Zeitraum nur 100.000. Von Tag zu Tag, von Woche zu Woche wurden Taktung und Zahlen hierzulande erhöht. Gassen (Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung) beziffert die Kapazitäten inzwischen mit 250.000 pro Woche und glaubt, dass man „wahrscheinlich“ auf 360.000 Testungen kommen könne."

Wöchentlich 360.000 Tests ergibt täglich 51.000 Tests, bzw. 18,7 Millionen pro Jahr, das sind grade mal 22% der Einwohner. Sollte mit dieser bestmöglichen Taktung jeder Mensch in Deutschland nur 1mal getestet werden, dann wäre der letzte nach rund 4-einhalb Jahren an der Reihe! Bis dahin wird die aktuelle Corona-Pandemie vermutlich unter der Rubrik "Da war doch mal was?" laufen.

Und was sagt die deutsche Presse zur Dunkelziffer?

Der Stern am 20.03.: "Auf einen bestätigten Fall kommen demnach fünf bis zehn unentdeckte Infektionen."

Deutschlandfunk am 24.03.: "rechnen Mediziner damit, dass die Zahl der Menschen, die das Coronavirus ohne Symptome hätten, sieben- bis zehnmal höher liege als die offizielle Zahl."

Morgenpost vom 25.03.: "Die Dunkelziffer liegt sicher deutlich höher. Die Experten vermuten mindestens den Faktor 10."

Multipliziert man daher alle Fallzahlen mit 10, dann dürften sich die Hochrechnungs-Punktlinien in der 2. Grafik oben der Realität annähern - wie in der rechten Achse gezeigt. Derzeit dürfte es in D incl. Dunkelziffer also ca. 720.000 Covid19-Infizierte geben.

Update 02.04.:

Nun kommt ein weiteres Feintuning der obigen Grafik, die so nur gelten würde, wenn Deutschland unendlich viele Einwohner hätte. Real sind es ca. 84 Millionen, und mehr Infizierte kann es logischerweise nicht geben. Daher verringert sich mit jedem Tag die Zahl gesunder, nicht-immuner Einwohner, die noch infiziert werden können. Berücksichtigt man diese Infektionsbremse und läßt den "überholten" täglichen Anstieg mit 27% weg, dann sehen 14% tägliches Wachstum so aus:

Eigene Darstellung

Die gleichen Daten in einem linearen Diagramm zeigen für die täglichen Infektionen die bekannte Glockenkurve, die man manchmal im TV sieht (und unbedingt abgeflacht werden soll, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten):

Eigene Darstellung

Hier erkennt man, daß bei 14% täglichem Wachstum das Infektionsmaximum Anfang Mai mit täglich knapp 3 Millionen erreicht wird - genau dann, wenn die halbe Bevölkerung infiziert ist.

Runde 2,5 - 3 Millionen tägliche Infektionen auf dem Höhepunkt übersteigen nicht nur die maximal ~ 51.000 täglichen Tests um den Faktor 53. Sondern der Covid19-spezifische Anteil der Infizierten dieser Tage wird mit wiederum mit der Covid19-spezifischen Zeitverzögerung ungefähr gleichzeitig sterben.

Aktuell wird eine weltweite Covid19-Sterblichkeit von ca. 4,7% angenommen.

Bei einer optimistischen Berechnung für das deutsche Gesundheitssystem mit einer Todesrate von nur 2% werden vermutlich Mitte Mai in Deutschland pro Tag bis ~ 60.0000 Menschen sterben.

Das ist rund das 22-fache des statistischen Mittels von 2.740 Toten pro Tag!

Wenn es per Shutdown gelingt, die 14% täglichen Wachstums der letzten anderthalb Wochen nochmal zu halbieren, dann werden Mitte Juni pro Tag knapp 1,5 Millionen neu infiziert, und etwas später täglich rund 30.000 sterben.

Bei 3% täglichem Wachstum werden um den 10.10.2020 herum ca. 630.000 Menschen neu infiziert, und bald darauf sterben pro Tag ca. 12.600 usw.

Das ist einfache Mathematik, deren Ergebnisse nur von 2 Variablen abhängen: Tägliches Wachstum der Infektionen und Sterblichkeit.

Dies sind m.E. die nicht veröffentlichten Gründe, warum das Merkelregime trotz des bisher langsamen Anstieges der Fallzahlen im ständigen Panikmodus agiert.

Denn derzeit (02.04.2020) sind in Deutschland incl. der oben vermuteten Dunkelziffer erst rund 1% der Bewohner infiziert. Daher hört man von Medizinern manchmal Bemerkungen in Richtung "Ruhe vor dem Sturm", denn in der schlimmsten Phase mit 50% Gesamt-Infektionsquote werden täglich rund 25-mal mehr Menschen infiziert als bei 1% Gesamt-Infektionsquote. Und kurze Zeit später gibt es täglich auch 25-mal mehr Tote, das wären hochgerechnet von (offiziell) 1.107 Toten am 02.04.2020 ca. 27.500 Tote pro Tag.

Wobei aber die offiziellen Todeszahlen Deutschlands nicht allzu zuverlässig erschenen, weil "So teste Italien beispielsweise auch posthum auf Coronaviren, so Giovanni Maga vom Instituto Genetica Molecular in einen Interview mit Euronews. Dies geschieht bei Todesfällen in Deutschland laut Robert-Koch-Institut nicht routinemäßig, sondern nur auf Anfrage hin." Quelle

Wer bisher meint, Covid19 wäre nicht tödlicher als eine mittlere Grippe, der möge uns bitte seine Prognose der nächsten Monate vorrechnen. Entweder hier im Kommentarbereich oder in einem eigenen Blog.

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tantejo

tantejo bewertete diesen Eintrag 02.04.2020 10:45:39

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