Die Rede ist, eingefleischte Leser ahnen es, vom Ramadan. (Oder dachten Sie etwas anderes?) Davon, was er mit unseren moslemischen Mitbürgern und auch mit unserem Land macht.

Macht er was?

Oder wird der Ramadan instrumentalisiert, um ein weiteres Argument gegen Andersgläubige anzuführen?

Zunächst einmal die Fakten:

in deutschland leben weniger als 5 millionen muslime. rentner, hausfrauen/mütter und kinder inbegriffen. man geht davon aus, dass irgendwas zwischen 20 und 40% dieser muslime nur "kulturmuslime" sind, also solche, die sich dem kulturkreis nach, nicht jedoch in ihrer strengen religionsausübung als muslime bezeichnen und keinen bzw. nur eingeschränkten ramadan einhalten.

rechnen wir also durch: 5 millionen durch 2 (= berufstätige) sind 2,5 millionen minus 30% = 1,75 millionen von ca. 40 millionen beschäftigten.

Von diesen 1,75 Millionen entscheiden sich alljährlich viele, den Ramadan in ihrem Heimatland oder wenigstens zurückgezogen zu verbringen und nehmen in dieser Zeit ihren Jahresurlaub. Gesicherte Zahlen hierzu gibt es nicht, weshalb ich diesen vermutlich nicht unerheblichen Aspekt außer Betracht lasse.

Bleibt dennoch der Fakt, dass weniger als 5% der werktätigen Bevölkerung sich unter Umständen mehr oder weniger streng den Fastenregeln des Ramadan unterwerfen.

Was wir Nicht-Moslems über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten quasi nicht wahrgenommen haben. Erst seit medial auf den Beginn des Fastenmonats hingewiesen wird, interessiert man sich dafür. Und erst seit Mitteleuropa von Migranten "überrollt" wurde, nimmt man die Fastenzeit als Bedrohung, mindestens aber Störfaktor wahr.

Und stellt Fragen.

Paßt das nach Europa? (Wo in den Sommermonaten die Fastentage viel zu lang sind.)

Schadet das unserer Wirtschaft? (Wenn entkräftete Mitarbeiter nicht die volle Arbeitsleistung bringen können.)

Sind manche Fastenregeln nicht absurd? (Darf man seine eigene Spucke schlucken?)(Man darf.)

Wären diese "Probleme" wirklich so relevant für das gesellschaftliche Funktionieren, hätten sie doch weitaus früher und lange vor dem Jahr 2015 aufgekommen sein müssen.

So ergibt sich die Annahme, dass der über Jahrzehnte schlichtweg ignorierte Ramadan eine weitere Methode ist, Fremdartigkeiten zu überzeichnen, Nicht-Zugehörigkeiten zu markieren und schlichtweg gegen einen Teil der Bevölkerung zu sein.

Tatsache ist aber, dass noch nie ein entkräfteter Moslem im Ramadan vor mir zusammengebrochen ist oder aber moslemische Mitarbeiter durch starke Leistungsabfälle aufgefallen wären.

Es entsteht der Anschein, als würden Außenstehende (Nicht-Mosleme), die auf der Suche nach Argumenten gegen Teile der Bevölkerung sind, völlig ungefiltert religiöses Schriftgut des Islam zu sich nehmen und daraus eine Religionstheorie und -kritik "basteln", die nichts mit der Realität zu tun hat.

Schaue ich mich um, dann beobachte ich bei Moslemen, was im christlichen Fasten längst Normalität ist: Es wird entweder überhaupt nicht praktiziert oder aber die Regeln werden alltagsverträglich modifiziert. Niemand läuft mit dem Gebetsteppich durch die Straßen, um ihn für seine 5 Gebete parat zu haben. Dönerbuden und andere türkische Lokalitäten werden nicht geschlossen und sind auch weiterhin von allen Bevölkerungskreisen besucht. Neben der Kasse im türkischen Telefonladen steht noch immer der Kaffeebecher. In den sozialen Medien spiegelt sich darüber hinaus wider, dass viele bislang gar nicht gefastet haben, die Gebete nicht beherrschen und nur sehr vage Vorstellungen davon haben, was wann wie erlaubt und verboten ist. (Geben Sie bei "Gute Frage" mal Ramadan ein!)

Nach meinen Beobachtungen wirkt sich das Leben in einer säkularen Gesellschaft auf all ihre Mitglieder aus. Das kann so weit gehen, dass Moslems, die über das Fasten nachdenken, sich längst auf die - ebenfalls aufgeweichten - christlichen Fastenregeln verständigt haben (Auf was verzichte ich in dieser Zeit?)

Und selbst wieder zunehmend islamische Wirtschaften wie die türkische brechen nicht wegen des Ramadan zusammen, sondern aus vollkommen anderen Gründen.

Aber dem Unfrieden wird Vorschub geleistet, wenn angesichts der Ramadan-Diskussion, die offenbar nur für Nicht-Muslime ein Thema ist, Forderungen laut werden wie: "Gebt denen keine Wohnung." und "Arbeitgeber sollten die gar nicht erst einstellen."

Dann nämlich kommt der Verdacht auf, dass kein Argument dumm genug ist, es nicht polemisch auszuschlachten.

https://pixabay.com/de/photos/heiliger-koran-ramadan-heilig-monat-1528446/

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