Am Anfang war mein Fuß.

Der eine Zeit lang zickte und schließlich anschwoll auf die ungefähre Größe dessen, was ein Adäquat eines menschlichen Elefantenfußes war. Ich war außer Gefecht gesetzt und freute mich. Ih, bewahre, nicht über eben diesen Fuß, der neben seiner unerfreulichen Optik (ich habe sonst schöne Füße!) auch noch unerfreuliche Befindlichkeiten mit sich brachte. Sondern über den Umstand, dass ich, zur Liegendlagerung verdammt, wenigstens ein Netflix-Abonnenment habe.

Also nahm ich mir diese Serie vor, die ich in der Vergangenheit regelmäßig gemieden hatte: The Good Wife.

Ich hielt die Sache bis dahin für etwas kitschig. Frauenemanzipation auf amerikanisch, bei der frau sich immer fragt, wo die fleißig Karriere machenden Frauen ihre Kinder lassen und wann die Wäsche waschen oder putzen. (Letztere Fragen werden wohl auch bis zum Ende der siebten Staffel nicht geklärt werden.) Und wie trotz um die 14-stündiger elterlicher Abwesenheit von daheim die Kinder dennoch so gut geraten können. (Auch diese Frage ... eh schon wissen.)

Gleichwohl bemerkte ich nach nur sehr kurzer Beschaudauer den nicht nur Lern-, sondern auch Amüsierfaktor.

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Ridley Scott, Bruder von Tony, der 2012 starb, brilliert hier als Produzent einer Serie, die praktisch alle amerikanischen Politthemen der Neuzeit aufgreift: Rassendiskriminierung, Waffen, Wahlkampfförderung und -intrigen, Religion im öffentlichen Leben (einschließlich Schwangerschaftsabbruch etc.), Meinungsfreiheit (da könnten wir hier noch einiges lernen), Cyberkrams und natürlich, denn darum geht es vordergründig: Juristerei und den Konkurrenzkampf auf dem freien Markt.

Wir hier, so viel sei gesagt, haben ja nicht die geringste Ahnung von irgendwas. Und auch, wenn das, was da jenseits des großen Teiches vor sich geht (ja, sicher bin ich mir darüber im Klaren, dass die Dinge überspitzt dargestellt sind), nichts mit unserer hiesigen Erfahrungswelt zu tun hat, darf man sich doch fragen, ob wir nur sehr wenig wissen z.B. über die Lobbyisten, die in Brüssel und anderswo rumstehen, oder ob es hier wirklich (nein, sollten wir so naiv sein?) ganz genauso zugeht. Dann nämlich wäre alles, worüber wir hier reden, so albern und vergeblich, dass man sich totlachen könnte. All die Scheingefechte gegeneinander und gegen andere, die so überhaupt keine Rolle für irgend etwas spielen, halten den kleinen Wähler auf der Straße dann nämlich in Schach und gleichzeitig total im Unklaren darüber, was im Hintergrund alles läuft. DASS eigentlich alles im Hintergrund läuft. Manchmal und immer öfter so geheim, dass selbst die Betroffenen es einen Ticken zu spät mitkriegen.

Aber gut.

Mein Fuß übrigens hat sich inzwischen beruhigt. Und ich, die ich nur eine vage Erinnerung an die Brüder Scott von einer anderen Serie hatte, war mir gar nicht darüber im Klaren, welch umfassendes, großartiges Lebenswerk sie hingelegt haben und, was Ridley angeht, noch heute hinlegen. Zu viel, alles aufzuzählen, weshalb ich unbedingt die Wiki-Filmografie anempfehle. Erstaunlich, dass so viele Nominierungen stattfanden, aber im Vergleich so wenige Auspreisungen.

Egal. Ein großartiges Lebenswerk von Menschen, die nur wenige angemessen zur Kenntnis nahmen.

Meiner Meinung nach.

https://de.wikipedia.org/wiki/Ridley_Scott

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