Das Wetter ist ein einziges Chaos, das Klima sowieso. Und zwar im rein wissenschaftlichen Sinne. Wissenschaftler, die Chaosforschung betreiben, kommen an Wetter und Klima nicht vorbei.

Vermutlich würden die darüber lachen, dass hier und anderswo nur und ausschließlich über CO2 gesprochen und geschrieben wird.

So viele Faktoren spielen da mit hinein, so viele verschiedene Wissenschaftszweige.

Betrachtet man das erdgeschichtlich, dann war der CO2-Gehalt ja wirklich schon einmal deutlich höher und die Erde hats überlebt. (Ob das für Menschen gut gewesen wäre, sei dahingestellt; die gabs ja damals noch nicht.) Oder dann diese Sache mit der Schneeballerde: Hätte irgendwer sich vorstellen können, dass wir aus dieser Misere noch einmal herauskommen? Auch wenn sie da von massiven vulkanischen Aktivitäten erzählen, die den Mist wieder in Ordnung gebracht haben, beschleicht mich der Verdacht, dass sie nichts Genaues nicht wissen und sich das nur mal so als Möglichkeit ausgedacht haben. Schließlich ist die Erde ja nun kein Schneeball mehr.

Schlussletztlich, wenn wir ehrlich sind, wissen wir das Meiste nur in Ansätzen und deuteln so ein bisschen herum, was was bewirkt und was wir am Besten machen können, damit nichts gar so Gravierendes passiert.

Gleichwohl wissen wir (Und damit meine ich die wissenschaftliche Menschheit und nicht so ein paar Quacksalber, die natürlich alles ganz genau wissen.) vermutlich reichlich wenig. Wie wir überhaupt sehr viel weniger wissen, als wir uns gerne einbilden. Man stelle sich nur vor: Wir kennen den Mond sehr viel besser als die Tiefsee. Und die immerhin ist hier unten auf der Erde und hat mit all dem doch allerhand zu tun.

Es ist gerade mal so um die 50, 60 Jahre her, dass Einer* sich an einen der allerersten Computer (den wir als solchen vermutlich gar nicht erkannt hätten) setzte und ein ganz einfaches Wettermodell durchlaufen ließ. Mehrfach. Weil anzunehmen war, dass bei gleicher Ausgangssituation auch immer wieder das Gleiche passieren müsse. Während er sich einen Kaffe holte, "kippte das Wetter total um". Will sagen: Nichts stimmte mehr mit dem vorherigen Durchlauf überein. Jener welcher dachte, er hätte bei der erneuten Eingabe irgend etwas falsch gemacht und besah sich die Zahlen noch einmal. Und stellte fest, dass das ganze Problem aus Rundungsfehlern resultierte. Statt der zuvor eingegebenen sechs Nachkommastellen waren nur drei Nachkommastellen verarbeitet worden.

Wenn bei einem ganz, ganz einfachen Wettermodell solch geringfügige Rundungen zu total anderen Ergebnissen führen, können wir da wirklich glauben, dass wir WISSEN KÖNNEN, was warum passiert und welche Dinge zu welchen Resultaten führen? Am CO2 allein wird eine Klimaänderung dann ja wohl nicht liegen.

Ich mein ja nur.

Ich meine mich auch zu erinnern, dass diese Feststellung zum vielzitierten "Schmetterlingseffekt" (Eh schon wissen: der Flügelschlag eines Schmetterlings in Trubstrallala kann einen Orkan in Bumsfidela verursachen.) im Alltag führte. Das dieser Begriff letztlich auf einer Geschichte von Ray Bradbury ("Ferner Donner";) beruht, ist weitestgehend in Vergessenheit geraten und sollte deshalb mal erwähnt werden.

Mit dem Thema Wetter befassen sich die Menschen aus naheliegenden, hauptsächlich landwirtschaftlichen Gründen ja schon sehr lange Zeit. Mit gar nicht so schlechtem Erfolg. (Schaun Sie mal in den Hundertjährigen Kalender für dieses Jahr und vergleichen Sie z.B. diesen Monat. Ziemlich nahe dran, will mir scheinen.) Und natürlich ist da auch der Wunsch, an der Sache zu "drehen".

Den Vogel abgeschossen hat dabei der Mathematiker John von Neumann, der kurz mit dem Gedanken spielte, die Pole lila anzumalen, damit man in Island genauso schönes Wetter wie auf Florida haben würde. J.v.N., der einen ganz guten Draht zur amerikanischen Regierung hatte, weil er auch in Waffenprojekte eingebunden war, hielt zum Glück an dieser Idee nicht weiter fest. Denn so viel immerhin wissen wir: Werden die Pole zu warm, schmilzt allerhand Eis, der Meeresspiegel steigt und die Leute aus Florida hätten womöglich woanders hin ziehen müssen; auch Island wäre zwar wärmer, aber sicherlich auch kleiner geworden.

(Von irgendwelchen großen Methanschmelzen gar nicht zu reden.)

Es scheint, als wäre selbst der einschlägig vorgebildete und vielseitig interessierte Mensch nur bedingt in der Lage, all die großen Zusammenhänge zu erkennen und zu berücksichtigen, geschweige denn, dass jeder Populärwissenschaftler von der Straße irgendwelche Urteile abgeben könnte.

Dass viele das dennoch tun, lassen wir mal so dahingestellt sein.

Nun ist es angesichts der Tatsache, dass selbst die Wissenschaftler nur bedingt korrekte Voraussagen in Sachen Wetter, geschweige denn Klima treffen können, für Otto Normalverbraucher außerordentlich schwierig, sich selbst zu verorten.

Instinktiv und sehr vernünftig entscheiden sich neuerdings immer mehr Menschen für eine nachhaltigere Lebensweise. Dass jeder das so ein bisschen nach seinem eigenen Gusto deutet, auch jeder ganz eigene Schwerpunkte setzt, ist normal und letztlich ja auch von den zur Verfügung stehenden Informationen abhängig. Immerhin wird den Leuten zunehmend bewusst, dass es keine zweite Erde gibt, auf deren Ressourcen wir zurück greifen können.

Und vielleicht, wahrscheinlich, werden wir eines Tages mehr wissen und gezielter agieren können.

So viel aber, da bin ich mir sicher, lässt sich feststellen: Eine Gesellschaft, deren Wirtschaftssystem auf stetem Wachstum und steigendem Konsum beruht, wird keinen dauerhaften Bestand haben können.

Nicht nur wegen des Klimas.

(* Edward N. Lorenz)

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