nein, wo du wohnst.

In meiner Kindheit war, obschon ich in der Stadt (und keiner kleinen) lebte, das Leben wie in einem Dorf. Ein Viereck umschloss mich. Mit drei Tordurchfahrten, von denen wir Kinder wussten, dass sie die Grenze unseres Lebensraumes waren. Innerhalb dieses Vierecks wuchsen Bäume, Büsche, Wiesen. Am Rande,eben an diesen Torfahrten, gab es einen Laden und (damals, als noch nicht jeder einen Fernseher hatte) das Büro der Nationalen Front, wo ein Fernseher stand. Natürlich wurde dort nur der RICHTIGE Sender geschaut, was aber noch besser war als gar keiner.

Erst sehr viel später verstand ich, dass dies - gebaut 1929 - etwas mit dem Bauhaus zu tun hatte. Praktisch, kommunikativ, menschlich und irgendwie schön.

Meine Kindheit war eine glückliche, die sich erst in diesem Viereck abspielte ("Frau N., haben sie gesehen, dass ihre Kleine"(das war ich) "im Sandkasten eingeschlafen ist?";). Mutti holte mich kleinen Schlafsack nach oben und legte mich, erschöpft vom Sandkuchenbacken und Burgenbauen, ins Bett.

Als wir älter wurden, zogen wir unsere Kreise: Jenseits des Vierecks waren der Sportplatz und die Kleingartenanlage. Und später fanden wir den See, der nach dem Abbau von irgendwas übrig geblieben war.

Wir Stadtkinder führten ein Landleben. Und als wir älter wurden, erfuhren wir vom Bauhaus, wo sie menschlich-verbunden und nett miteinander sein wollten. Wir selbst hatten das erfahren, denn unser Viereck, das wie ein Dorf war, sollte auch eine Gemeinschaft sein. Wir feierten Feste zusammen, tanzten auf dem Plateau des Heizhauses miteinander und trugen Sorge, dass die verbrennenden Laternen des Laternenfestes da zu Boden gingen, wo nichts passieren konnte. Wir mochten die einen und manch andere mochten wir nicht, aber wir gehörtem irgendwie zusammen.

Erst sehr viel später, ich sagte es, erfuhren wir, dass dieser glücklichmachende Wohnblock etwas mit dem Bauhaus zu hatte: Sehr vernünftige Außen- und Innenarchitektur, sehr zukunftweisende Ausstattung (noch vor meiner Geburt wurde die Ofenheizung gegen eine Zentralheizung ausgetauscht; das Konzept war bereits enthalten).

Später, weil ich ja sozusagen ein Kind der ersten Stunde war, besuchte ich Weimar und dann auch Dessau. Ein wenig erkannte ich das Flachdach meines Kinderhauses, auf dem wir auf Zuruf die Antenne justierten. Aber irgendwie dann doch nicht,

Und genauso war es mit dem Bauhaus gesamt.

Die Männer dort waren nicht anders als die Männer ihrer Zeit. Sie hatten kluge, talentierte Frauen an ihrer Seite und mochten nicht zugeben, dass die der Ursprung ihrer Inspiration, vielleicht sogar ihr Motor waren. Einstein fällt mir ein. Und ich frage mich, wie viele andere Männer noch Erfolge feierten auf dem Rücken ihrer Frauen, die ... eben nur Frauen waren.

Für meine Kindeheit spielte das keine Rolle.. Gutes Design macht glücklich ...

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