In den Gärten des Dorfes Misfah Al Abreyeen

Als mein Elefantenfuß schon wieder mittelschlank war, ich sowieso zum Arzt musste und dennoch etwas Trost brauchte, landete ich bei meiner Parfümeuse.

Die ich so sehr mag, dass ich eigens für sie und nach ihren Wünschen eine Bilderserie male, wie ich sie sonst nicht malen würde. Eben weil das so ist, kann ich nichts davon zeigen. Denn es ist nicht wirklich mein Werk, sondern mein Werk für sie. Eine Art Liebesgabe. Weil sie jeden meiner Besuche in ihrer Parfümerie mit Geschichten wie aus Tausendundeinernacht belohnt. Sie liebt Parfüms und ist nicht nur ausnehmend begeisterungsfähig in diesem Bereich, sondern ebenso informiert. Sie kennt alle Beschreibungen der neuen Kollektionen (nennt man das so? keine ahnung.) und lässt aus ihnen pralle, farbenfrohe und natürlich duftende Märchen entstehen, denen ich oft nicht widerstehen kann.

Ich habe - ich schätze, der Hinweis erübrigt sich - viele Parfüms in meinem Regal stehen. Wahrscheinlich reichen sie schon jetzt bis an mein Lebensende. Und ein Ende der Einkäufe ist nicht absehbar, eben weil ich diese Geschichten, die ich zuweilen als so tröstlich empfinde, so schrecklich mag.

Schon seit allerhand Jahren gehe ich an diesen wirklich üblen Tagen dorthin und lasse mir die neuen Düfte vorführen, schnuppere dies und das, schwelge oder wende mich brüsk ab. Obwohl sie meinen Geschmack kennt, aber auch die Erfahrung mit mir machen konnte, dass ich Außenseitern durchaus nicht abgeneigt bin.

Wie zum Beispiel diesem Zeuges von Mugler, das dazumal nicht wirklich ankam. Also ehrlich: Wer will schon nach Salz und Kaviar riechen? Sie gab mir eine Probe mit und wenige Tage später rannte ich hin und kaufte es. Mugler hat die Sache inzwischen mit Blumennoten aufgehübscht und total verdorben, finde ich. Aber so eine Flasche reicht, zum Glück, eine ganze Zeit. In der ich selbst dieses Salz (den Kaviar riecht man zum Glück eher nicht, denn wer will schon wie eine Fischfrau riechen?) mit meinen eigenen Süßdüften mische. Heraus kommt der Duft von Strand, Sonne und Urlaub. (Stellen Sie sich vor, wie ich gerade eben an meinem Handgelenk schnuppere, wie sich das, was ich heute morgen auftrug, inzwischen entfaltet hat.)

Überhaupt mische ich gerne und bin deswegen auf der krampfhaften Suche nach Monodüften, die man diesen verflixt komplexen, aber oft so ähnlich riechenden Parfüms beimischen kann. Warum zum Beispiel lieben die Leute Rosen so sehr? Mich erinnern sie immer an alte Frauen. (Und bei ganz schlimmen Kreationen denke ich an die ältliche Tochter der noch ältlicheren Nachbarin über uns, die beide nahe an zwei Zentner wogen, welche, aber da ging es um Weihnachtsbäckerei, mit dem Fuß aufstampfte - bei dem Gewicht hörten wir unten das natürlich - und rief: "Aber ich will mit Rosenwasser!" ) Nein, Rosenwasser riecht nicht wirklich gut. Lassen Sie sich nichts anderes erzählen. Es gehört zu den Dingen, die wirklich und wahrhaftig nur in homoöpathischen Mengen verarbeitet werden sollten, wofür viele ganz und gar nicht den richtigen Griff haben. Ebenso Iris. Womit ich nicht meine frühere Kollegin, sondern die Blume meine. Auch so ein starkes Ding, dem ich nichts abgewinnen kann.

Sachen hingegen, die frau dringend und seit vielen Jahren schon sucht, gibt es ums Verrecken nicht. Warum zum Beispiel war es vor dreißig Jahren, noch im Osten (aber das Zeugs kam aus Frankreich), möglich, einen astreinen Freesienduft herzustellen und heute nicht mehr? Freesien, finde ich, sind zeitlos. Einst hatte ich einen Gärtner zum Liebesgefährten, der mich ab Februar aus den Treibhäusern mit faustdicken Freesiensträußen beschenkte, die die ganze Wohnung mit einem göttergleichen Duft erfüllten. Und diesem französischen Zeugs gelang das ebenso mühelos. Auf der Arbeit wussten die Kollegen, wo ich gerade gewesen war, ohne sich zu beschweren. Alle schwärmten. Und mich selbst machte dieser Duft glücklich. Ja, wirklich. Nie wieder habe ich etwas Vergleichbares gefunden.

Zumindest nicht für Frühling, Sommer und Herbst. Sobald es draußen so richtig eklig wird, habe ich nach mehrjähriger Pause zu Mugler zurück gefunden, der es mit seinem Alien für meine Begriffe übertreibt, aber bei Angel den richtigen Ton trifft. Da ist Weihnachtsbäckerei im Raum und ein zarter Frohsinn, welcher anders in dieser Jahreszeit nicht zu haben ist. Orientalisch schwer und doch auch so, dass es einen anhebt. Was frau um diese Zeit ja wirklich nötig hat.

In der anderen Zeit habe ich Frauendüfte die Menge, die sich mehrheitlich - mindestens für mich - als mittlere Fehlschläge erwiesen. Zu retten nur durch eben die gesuchten Monodüfte wie Zitrone (Produktion eingestellt!), Salz (Produktion eingestellt!), Gurke (ausreichend vorhanden; Status unbekannt), Gras (ein Fehlschlag, der jedoch in Kombination mit einem der vielfältigen Blumendüfte durchaus gelingen kann) und Geza Schön, der sich sehr exkluxiv gibt und nur im Direktbezug (nicht über meine schöne Parfümeurin) zu erhalten war. Geza schmückt(e) sich mit dem Image der Außergewöhnlichkeit (die er sich gut bezahlen lässt) des teuren Ambra, dem der Ruf anhaftet, etwas mit Pheromonen, also Lockstoffen (wenn auch nicht menschlichen) zu tun zu haben. In Wahrheit ist sein Parfüm beinahe geruchlos, was angesichts des Preises vielfach beklagt wird, auch wenn die Einen oder Anderen beteuern, es würde seinen Zweck erfüllen.

Kurzum: Es ist eine schwierige und dennoch freudvolle Sache mit den olfaktorischen Genüssen. Auch wenn ich nicht selten positive Resonanz erhalte, tue ich es vordergründig für mich selbst.

Die Bilder aber, eine Serie (ich habe mir das nicht ausgedacht!) wirklich lustiger dicker Frauen male ich nur für meine Parfümeuse. Die sich jedes Mal mörderisch freut. Was wiederum mich freut.

Und so ist es allen ein Wohlgefallen.

3
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
6 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

Iris123

Iris123 bewertete diesen Eintrag 11.08.2019 18:04:14

rahab

rahab bewertete diesen Eintrag 11.08.2019 12:04:06

Persephone

Persephone bewertete diesen Eintrag 11.08.2019 09:35:56

8 Kommentare

Mehr von sisterect