Sind Sie schon einmal verärgert aus dem Kino gekommen, nur wegen einer Stimme? Ich meine, wenn Sie überhaupt noch ins Kino gehen. Vielen Menschen reicht das Programm in den Sparten- und Bezahlsendern ja aus. (Aber darum geht es hier nicht, nochzumal sich der Effekt auch zu Hause einstellen kann.)

Sie sehen also einen Film mit einem Ihnen bekannten Schauspieler und "fremdeln", weil ein anderer Synchronsprecher hinter dem Mikrophon stand. Irgendwie ist ihnen dann der Schauspieler nicht mehr derselbe und scheint "komisch" zu reden und zu spielen.

Im ärgsten Fall kann das soweit führen, dass einem der ganze Film nicht mehr gefällt und man nicht weiß, woran das liegt. Denn nur ein anderer Synchronsprecher kann das doch nicht sein, oder?

Hinwiederum: Wenn alles läuft wie immer, verschwendet selten jemand einen Gedanken an all die vielen Menschen, die uns fremdsprachliche Filme verständlich machen. Wir nehmen als selbstverständlich hin, was anderswo gar nicht so selbstverständlich ist. Denn in vielen Ländern dieser Welt laufen, insbesondere englischsprachige, Filme im Original und nicht einmal mit Untertiteln. Wer die Sprache nicht versteht, verpasst die genaue Handlung und jeglichen Wortwitz. Weswegen wir ja Filme schauen. Wir wollen mitfiebern und eine kurze Zeit das Draußen vergessen, in anderer Menschen Leben stecken, egal, ob wir sie gut oder eben nicht finden.

Immer wieder passiert es, dass auf bestimmte Schauspieler abbonnierte Synchronsprecher den Weg alles Irdischen gehen und eine schmerzliche Lücke hinterlassen. Natürlich werden die Studios eine möglichst ähnliche Stimme suchen, aber oft gelingt das nicht.

Gewöhnen wir uns oder nicht? Denken wir, über dieses momentane oder vielleicht auch andauernde Missbefinden hinaus, darüber nach, was es für einen Menschen (in der Regel ohne Gesicht) bedeutet, DER oder DIE (gewesen) zu sein ohne großartigen Beifall oder Ruhm?

Oft genug sind jene Synchronsprecher, die wir so innig ins Herz geschlossen und mit dem Original identifiziert haben, DEM ORIGINAL nie begegnet, geschweige denn, dass sie von ihm Wertschätzung erfahren hätten. (Geradezu albern finde ich es, wenn bei Animationsfilmen, die von berühmten fremdsprachigen Schauspielern gesprochen wurden, ehe man sie sychronisierte, die Namen im Abspann stehen, als hätten sie diese Rollen tatsächlich gespielt.)

So oder so ist es ein Glückstreffer für einen Synchronsprecher, wenn er - anfangs rein zufällig - einen synchronisiert, der irgendwann berühmt, erfolgreich und vielgebucht wird. Weil dann auch der Synchronsprecher vielgebucht wird. Und schließlich ist das sein Geschäft.

Erstaunt war ich letzthin, als ich feststellte, dass die bekannte, berühmte und zur DAME (was die weibliche Entsprechung zum Ritter ist) geschlagene Maggie Smith mit ihrer doch sehr markanten Stimme beileibe nicht nur eine Synchronsprecherin hatte. Ich selbst, die ich oft Filme mehr höre als sehe, bemerkte nie einen Unterschied, sondern wusste bereits nach dem Gehör, dass dieses da unzweifelhaft Maggie Smith war, die das Original verkörperte. Und nun, da ich mich zu interessieren anfing, las ich, dass mindestens fünf(!) verschiedene Frauen sie synchronisierten.

Nichtsdestotrotz ist Barbara Adolph

jene, die mit M.S. zusammen gealtert ist. Und wer Maggie Smith (das solls geben) wirklich nicht kennt (natürlich gibt es das nicht wirklich), dem kann geholfen werden.

wiki

Zwei Damen (Jahrgang 1931/ 1934), die zusammen gealtert sind in bewundernswerter Würde und doch so unterschiedlich viel vom Rampenlicht abbekamen.

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