""Das erste Mal sehe ich meine Achselhaare wachsen, als ich mit anfang 20 wegen akutem Nierenversagen im Krankenhaus liege. Da ist Rasieren doch eher egal. Es fällt mir erst hinterher auf. Ich dusche mich, gucke mich unter den Armen an und denke "Hm, interessant. Ich habe theoretisch seit 10 Jahren Achselhaare und habe sie noch nie gesehen." Dann mache ich sie wieder weg.""

Margarethe Stokowski, die solcherart Bekenntnisse abgibt, die man (außer vielleicht bei Charlotte Roche, deren Stil mir eher weniger gefällt) sonst kaum zu lesen bekommt, stellt im Weiteren Betrachtungen darüber an, warum das so ist und kommt zu dem Resultat, dass sie, und zwar vom Anfang ihrer Mädchen- und Frauwerdung an darauf "getrimmt" wurde, sich wie ein Mädchen, eine Frau nach heutigem Bilde zu benehmen.

Körperpflege, Kosmetik, weibliches Benehmen sind dabei wichtige Aspekte.

2015 als die "Bravo" ihrer überkommenen Flirttipps wegen einen Shitstorm erntet, hat sich offenbar nichts geändert. Mädchen sollten Jungens besser "von unten her" anschauen, was eine gewisse Überlegenheit der Knaben suggeriert, und immer mal mit ihren Haaren spielen und klirrende Armreifen tragen, um akustisch auf sich aufmerksam zu machen. (An mir, die ich da ebenso wie meine Tochter längst über das Alter hinweg war, ist dieses Skandälchen vorbei gegangen, wie ich mich überhaupt wundere, dass es dieses merkwürdige, offenbar reichlich überkommene Blatt noch gibt.)

Wenn es aber um diesen "Blick nach oben" geht, fällt mir die Diskussion mit einer jüngeren Kollegin ein, die nach ihrer ersten Ehe noch einmal "auf Piste" ging und von ihrem Lover berichtete, der Blow-Jobs im Auto mochte. Ich zerlegte ihr diese Sache in allen Details und erinnere lebhaft ihr Staunen angesichts der Selbstverständlichkeit, mit der sie das tat, ohne es zu hinterfragen. Frauen "blasen" ihm eben einen. Das gehört offenbar irgendwie dazu. Und ich fragte sie erstens, was SIE davon hat. Zweitens, ob sie sich nicht unterlegen fühle, ihm so von unten herauf in die Augen zu schauen. Und drittens, wie weit sie dabei geht.

- In einschlägigen, gar nicht so ferkeligen, Zeitungen erfährt Frau dazu, dass er es "toll" findet, wenn sie schluckt. Und übrigens wird empfohlen, vorab schon mal ein bisschen zu üben, damit frau keinen Würgereiz kriegt, wenn sie "ihn" so weit wie möglich hineinschiebt.

Für "Deep Throat"* bin selbst ich zu jung, habe über die Jahre aber einiges dazu erfahren. Nicht zuletzt die Erkenntnis gewonnen, aber inzwischen weiß das ja jeder, dass Pornofilme nicht für Frauen erfunden, sondern immer nur für Männer gemacht wurden. Mit dem Resultat, dass heutige Jungs, die sich Dank Internet und ebendieser Filme so erfahren wähnen, letztlich nur "lernen", wie Sex und Erotik wunschdenkend stattfinden. Da darf auch ein bisschen Gewalt oder noch mehr Desinteresse an weiblichen Befindlichkeiten, inssondere der weiblichen Erotik, dabei sein. Scheiß drauf, wie sie sich fühlt, Hauptsache, ihm geht es gut, ist auch der Tenor vieler Ratgeber, welchselbe sich immer wieder darum drehen, dass SIE lernen soll, wie sie es anstellt, IHN glücklich zu machen.

Vergeblich sucht frau in Männerzeitschriften, was ER zu tun hat, damit es andersrum gut funktioniert.

Erstaunlich bei all dem, dass mehr als fünfzig Jahre nach der sexuellen Revolution immernoch alles so dysfunktional ist. Männer, die wirklich (Aber brauchen sie das überhaupt?; die Medien scheinen anderes zu suggerieren.) am Funktionieren interessiert sind, können auf nur wenige Quellen zurück greifen. Und nur wenige haben überhaupt das Glück einer Frau, die ihnen Missfallen bekundet und bessere Wege weist. Es passt nicht ins System dessen, was Frauen so lernen über sich, die Männer und die Welt.

Beklage sich nur keiner über vorgetäuschte Orgasmen, solange die Jungs glauben, sie müssen nicht mehr als ihr Rein-Raus-Programm absolvieren, solange sie nicht den Hauch einer Ahnung davon haben, wie Frauen "untenrum" funktionieren und solange sie denken, alles, was sie tun müssten, sei "erobern". Mit der Eroberung fängt die Anstrengung erst an. Und wer die scheut, sollte lieber erst gar nicht damit beginnen.

Es sei denn, und leider hat sich seit früher so viel nicht geändert, ihm wäre es egal, was seine Anstrengungen und das Resultat ihm wirklich wert wären.

Übrigens: Es ist ein böses Gerücht, dass Feminismus etwas mit Männerhass oder -unterdrückung zu tun hat. Es ging nie um etwas Anderes als um Gleichberechtigung. Wer Feminismus allzu leicht abtut als etwas Lächerliches, hat nichts, aber auch gar nichts verstanden.

*https://www.amazon.de/Untenrum-frei-Margarete-Stokowski/dp/3498064398

*https://de.wikipedia.org/wiki/Deep_Throat_(Film)

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Persephone

Persephone bewertete diesen Eintrag 09.09.2019 17:59:42

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