Was ich vor eineinhalb Jahren mehr so als Befindlichkeit kommentierte*, stellt sich in der kürzeren Vergangenheit als zunehmende Realität heraus:

- 29jährige, die "kurz vor dem Burn-Out" sind

- 24jährige, die wegen Prüfungsangst den Bettel hingeschmissen haben

- 22jährige, die (G8 macht es möglich) nach zweimaligem Wechsel des Studienfaches ihren Bachelor geschafft haben, um - nach einem Praktikum (in Papas Betrieb!) - ihren Master angehen zu können.

Alles immer von besorgten, ehrgeizigen Eltern gepampert und helikoptert, von denen man sich fragt, ob sie dermaleinst im schnöden Berufsalltag ihrer Kinder noch immer zur Verfügung stehen werden, wenn sich Probleme auftun. (Man stelle sich vor, wie die wütende Mama den bösen Chef besucht, weil er so gemein zu Sohni war! :) )

Und nun, man höre und staune, kommen die Psychologen etc. daher und behaupten: Wir Menschen sind (als ob das neu wäre!) von unserer genetischen Grundausstattung her Urmenschen. Ja, ne, is klar. Wussten wir schon.

Aber ... haben wir je bedacht, was genau das bedeutet?

Kinder, so ganz kleine und noch ganze Zeit später, könnten irgendwo da draußen nie und nimmer überleben. Sie wollen und müssen das aber, weswegen sie Strategien entwickeln. Die Niedlichkeit ist ihnen von Natur aus mitgegeben. Alles andere müssen sie austesten. Sehr viele Möglichkeiten dazu habe sie erst einmal nicht. Sie können prima schreien.

Womit wir wieder bei Generation X nach "Meine Kinder sollen es einmal besser haben ..." wären. Schreiende Kinder hält heute keiner mehr aus. Und weil das so ist, gelten schreiende Kinder als unakzeptabel. Ihnen haftet etwas von (mindestens) psychologischer Misshandlung (wenn nicht gar mehr) an, weshalb an schreienden Kindern immer und jedenfalls ihre Eltern Schuld sind.

Die Psychologen sagen mittlerweile hierzu: Kinder haben ein feines Gespür dafür, was funktioniert. Sie haben auch ein feines Gespür für falsche Orte und Zeiten. Schmeißt sich das Kind vor der Kasse zu Boden, weil Mama ihm die Süßigkeit (die nicht zufällig genau dort platziert ist) versagt, dann sind alle Zuseher voll des Mitleids und Mama wird schließlich nachgeben. Kind ist natürlich nicht in der Lage, diese Dinge irgendwie zu erklären, aber es merkt sich: HAT FUNKTIONIERT, probiere ich bald wieder.

Die Psychologen, die mit psychosomatisch erkrankten Kindern (die nicht schlafen, essen und alles Mögliche andere nicht tun können) zu tun haben, fordern ein, dass Grenzen gesetzt werden müssen. Was allen Beteiligten erst einmal weh tut, dann aber vieles so viel einfacher macht. Grenzen, die konstant bleiben müssen und konsequent eingehalten (denn jede Nachgiebigkeit wirft einen um Längen zurück).

Eltern, so stellt sich heraus, die konsequent sind, sind nicht per sé böse, sondern wahrscheinlich die besseren Eltern. Auch wenn es ihnen (wahrscheinlich, sicher) zuweilen selbst weh tut, ebnen sie ihren Kindern den Weg in ein störungsfreieres Leben als eben jene, die ständig nachgeben und dabei vergessen, dass das wahre und echte Leben eben auch keine grenzenlose Freiheit ist.

https://www.ardmediathek.de/ard/player/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL3JlcG9ydGFnZSBfIGRva3VtZW50YXRpb24gaW0gZXJzdGVuLzc4NmM5MDlkLTQ5NTUtNGU1NS1iMzA5LWIxNDg5MDc5YTdmYw/

* https://www.fischundfleisch.com/sisterect/vom-aushalten-43237

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