Wer meinen Dreiteiler hier und meinen Artikel da verstanden hat, der begreift auch, warum ein Bedingungsloses Grundeinkommen grundsätzlich unmöglich und bloß Ausgeburt neoklassischer Verwirrung ist. Wie wir wissen, kann Geld nur dann wertstabil sein, wenn es durch Schuldenaufnahme entsteht und so eine Wirtschaftsleistung erzwingt, die wiederum in Geldeinheiten bepreist wird. Ohne diese erzwungene Wirtschaftsleistung ist Geld nicht definierbar – schließlich muss vorhandenes Geld auch vorhandene Waren und Dienstleistungen kaufen und Waren/Dienstleistungen werden eben nur durch den Schuldendruck erwirtschaftet.

Wenn nun, wie es im Modell des BGE vorgesehen ist, jeder Staatsbürger die gleiche Menge an Geld bedingungslos erhält, stellt sich zuerst einmal die Frage, wo dieses Geld herkommt. Wer hat es durch Schuldenaufnahme geschaffen? Ist es Geld, das nicht durch Schulden das Licht der Welt erblickt hat, dann ist es »Netto-Geld«, d.h. es inflationiert bloß die vorhandene Geldmenge und schon nach einem Durchlauf stünden alle wieder da wie zuvor, weil dann natürlich auch das Preisniveau eines durchschnittlichen Warenkorbs um exakt diese Geldmenge inflationiert hätte. Man müsste also das BGE Monat für Monat erhöhen, was nichts anderes ist als eine Hyperinflation.

Vom Mittelständer kann das Geld nicht kommen. Das wäre, als würde er einen Kredit aufnehmen, um sich selbst und allen anderen das BGE auszubezahlen. Das gleiche gilt natürlich auch für die Unterschicht. Bleibt also nur noch der Unternehmer.

Stellen wir uns also vor, der Unternehmer müsste nicht nur seine Firma vorfinanzieren, sondern obendrein das BGE für jeden einzelnen Staatsbürger. Er müsste sich also über beide Ohren verschulden und das Geld schließlich auch wieder erwirtschaften. Was bedeutet das konkret? Um das wirklich zu begreifen, ohne den Text zu verkomplizieren, machen wir einige Grundannahmen, die radikal zugunsten des BGE getroffen werden: Wir haben auf der einen Seite einen Konzern, der zig Produkte des täglichen Lebens herstellt, ausschließlich das BGE seiner Mitarbeiter finanzieren muss und obendrein schuldenfrei ist. Dieser Konzern nimmt nun einen Kredit auf, um seinen Mitarbeitern 2000 € Gehalt + 1000 Euro € BGE auszubezahlen (Vorfinanzierung). Um das Beispiel einfach zu halten, nehmen wir an, die Mitarbeiter verkonsumieren ihr Gehalt samt BGE bei eben diesem Konzern, der ihnen alles Lebensnotwendige zum Kauf anbietet.

Zuvor haben die Mitarbeiter für ihre 2000 € einen Anteil von x Waren bekommen, die sie selbst hergestellt haben. Jetzt haben sie aber zusätzlich das BGE. Sie können also plötzlich nicht mehr bloß 2000 € verkonsumieren, sondern 3000 €. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass der Konzern entweder die Preise für seine Waren um das 1,5-fache erhöht, damit er seinen Kredit zurückzahlen kann (von allen anderen exorbitanten Kosten, wie Verwaltungskosten, Energiekosten, Zinskosten, etc. reden wir gar nicht erst, geschweige denn von einem Gewinn), was am Ende bedeutet, dass jeder Mitarbeiter trotz BGE dieselbe Menge an Waren kaufen kann (es hat sich also nichts geändert) oder aber – und das ist in einem kapitalistischen Konkurrenz-System die Regel – er muss seine Mitarbeiter um das 1,5-fache länger arbeiten lassen, damit diese genug Waren produzieren, die sie dann mit ihrem BGE kaufen können. Eine dritte Möglichkeit gibt es nicht! Diese unseriösen Rechenbeispiele, wie viel man sich durch den Abbau des sozialen Verwaltungsapparates oder durch die Einsparung diverser Subventionen ersparen könnte, sind Taschenspielertricks, die mit dem jetzigen System in Geldeinheiten bepreist werden. Durch das BGE ergäbe sich aber ein völlig neues Angebots-Nachfrage-Gefüge in der Wirtschaft, das man nur dann begreift, wenn man versteht, was Geld ist und wie ein kapitalistisches Wirtschaftssystem funktioniert. Andere wiederum schauen auf den Buchwert der Vermögen irgendwelcher Fondgesellschaften oder reicher Leute und glauben, dass man diesen umverteilen könnte. Hier versteht man wiederum den Unterschied zwischen Buchwert und Liquidationswert nicht.

Auch wenn der ansonsten geschätzte Philosoph Richard David Precht sofort die Automatisierung und den Siegeszug der Künstlichen Intelligenz in die Diskussion einwerfen würde, würde sich an den Tatsachen nichts ändern. Statt 1000 Mitarbeitern hat der Konzern dann eben nur noch 100 – nämlich jene, die für die Wartungen, Reparaturen und Programmierungen der Maschinen zuständig wären. Die übrigen 900 Mitarbeiter säßen arbeitslos daheim und müssten vom Staat und damit über Umwege wieder vom Konzern das BGE bezahlt bekommen - und damit auch die beim Konzern konsumieren könnten, müsste dieser neue Produktlinien bauen, neue Maschinen kaufen – bloß, wer finanziert ihm diese? Die Arbeitslosen, die ohne Erwerbstätigkeit keine Kredite von ihrer Geschäftsbank bekommen?

Dabei sollte eigentlich sofort klar sein, dass man nicht jedem Menschen 1000 € (oder auch weniger) in die Hand drücken kann, wenn nicht zeitgleich eine Menge an Waren und Dienstleistungen angeboten wird, die man damit kaufen kann und wer erwirtschaftet denn diese Waren und Dienstleistungen? Die Maschinen? Und wer bezahlt die Maschinen? Die Maschinen? Man kann keine Sozialleistung mit Steuern finanzieren, sodass dann am Ende jeder mehr hat als zuvor. Das ist völlig absurd. Entweder man nimmt, oder man gibt. Beides zusammen geht nicht. Bricht man das BGE auf die Tatsachen herunter, so müsste jeder Mensch sich das BGE durch Kreditaufnahme selbst auszahlen. Er müsste also zwangsverschuldet werden und diese Zwangsverschuldung wieder durch Leistung abbauen. Oder aber wir zwangsverschulden nicht die Bürger, sondern die Unternehmer. Dann müssen sich aber erst recht wieder die Bürger verschulden, um dem Unternehmer durch Käufe genug Geld zu überlassen, damit dieser seinen Kredit abbezahlen kann. Wie man es auch dreht und wendet: Das BGE ist Kindergarten-Ökonomie.

Was beim BGE zum ersten Mal wunderbar sichtbar wird, sind die Fehlschlüsse der neoklassischen Ideologie, die in Geld bloß einen Wert an sich sieht. Deshalb halten sich ihre Jünger auch mit Werturteilen zum BGE vornehm zurück oder verlieren sich in Nebenschauplätzen wie der Frage, ob dann überhaupt noch jemand arbeiten würde. Das ist aber überhaupt nicht der Punkt. Ihre Ideologie kann die Funktionalität oder Dysfunktionalität des BGE eben nicht erklären. Geld und Wirtschaftsleistung müssen aber IMMER Hand in Hand gehen, sonst kann man um mehr Geld entweder weniger kaufen oder muss mehr arbeiten. Dazwischen gibt es nichts.

Es gibt nur eine einzige Möglichkeit, wie die Automatisierung alle Menschen an ihren Früchten teilhaben lässt und diesen Begriff traue ich mich kaum in den Mund zu nehmen: Er lautet Sozialismus! Hier wäre Geld tatsächlich nur ein Bezugsschein für Güter, d.h. ein Gutschein. Mit dem Siegeszug der Künstlichen Intelligenz könnte das Informationsproblem, das dem Sozialismus - zusammen mit der systemimmanenten Faulheit des sozialistischen Massenkollektivs und der fehlenden Innovationskraft - bisher stets Millionen von Toten bescherte und nur vom Kapitalismus gelöst werden konnte (was die neoklassische Ideologie bis heute nicht kapiert hat, die in Geld einen Gutschein für nichtexistente Gratis-Waren und Gratis-Dienstleistungen sehen), plötzlich in ausreichendem Maße gelöst werden. Wenn die KI und die Automatisierung tatsächlich in den nächsten Jahrzehnten die Fortschritte machen, die von Experten prognostiziert werden, dann läutet das zwangsläufig irgendwann das Ende des Kapitalismus ein.

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