Der Unterschied zwischen dem Lügner Trump und dem Lügner Obama

Politik ist ein schmutziges Geschäft, glauben viele. Manche ziehen daraus den Schluß, es genüge, das Geschäft neu anzustreichen. - Ulrich Erckenbrecht 1974

Seit Juli dieses Jahres kursieren in den sozialen Medien Videos des amerikanischen Ex-Präsidenten Barack Obama, in denen er den Führungsstil Donald Trumps scharf kritisiert. Videos von der Rede Obamas zum 100. Geburtstag des südafrikanischen Präsidenten und Aktivisten Nelson Mandela, Videos von der Rede Obamas auf John McCains Beerdigung und Videos über die Rede Obamas vor Studenten in Urbana-Champaign vor den Kongresswahlen. In all diesen Reden kritisiert Obama mehrmals das schamlose Lügen Trumps und sprach von der Wichtigkeit von „Ehrlichkeit, Anstand und Rechtmäßigkeit“, von „objektiven Wahrheiten“ und „Fakten“, auf deren Basis überhaupt erst Kommunikation stattfinden könne. Diese Videos werden meist von Menschen geteilt, die dem rüpelhaften und pathologischen Politstil Trumps nichts abgewinnen können und sich einen Präsidenten mit zivilisierten Gepflogenheiten zurückwünschen – wie eben Obama.

Barack Obama hat auch vollkommen Recht. Wenn wir uns auf keine gemeinsame Sprache einigen können, ist auch keine Kommunikation möglich. Hat aber eine gemeinsame Sprache wirklich etwas mit „objektiven Wahrheiten“ oder „Fakten“ zu tun? Nicht im Geringsten. Eine gemeinsame Sprache wird nur dann als „wahr“ empfunden, wenn Politik, Medien und religiöse Würdenträger an einem Strang ziehen. Erst dieser Konsens, dieses Verwenden gleicher Begrifflichkeiten, Emotionen und Symbole, wird von Menschen übernommen und vermittelt ihnen ein Gefühl von Sicherheit. Und gefühlte Sicherheit verführt zu Faulheit bzw. hat die Tendenz das Hinterfragen einzustellen, v.a. in jenem kleinkarierten, linksliberalen (nicht zu verwechseln mit „links“ oder „liberal“), gutbürgerlichen Filterblasen, in denen Fakten in der Prioritätenliste ganz weit hinter Emotionen rangieren und man lieber das sieht, was man sehen will. Bleiben wir also bei den Fakten.

Unter Barack Obama wurden 26.171 Bomben auf insgesamt sieben Staaten (Irak, Syrien, Afghanistan, Libyen, Jemen, Somalia, Pakistan) abgeworfen, darunter auf Hochzeitsgesellschaften, Beerdigungen, fußballspielende Kinder, Schulen, Zivilisten im Allgemeinen und Krankenhäuser. Vor allem Krankenhäuser wurden in Syrien erwiesenermaßen ganz bewusst bombardiert, um die Bevölkerung zu demoralisieren. Ebenfalls auf Anweisung Obamas ist die Anzahl der Drohnenmorde förmlich explodiert, die Bespitzelung der eigenen Bürger und der gesamten Welt erreichte einen neuen Höhepunkt und Whistleblower wurden gnadenlos verfolgt, wenn sie nicht rechtzeitig in verfeindeten Staaten Asyl gewährt bekamen.

In der Ukraine wurde unter Obama ein Staatsstreich eingefädelt, bei dem man Nationalsozialisten finanzierte und bewaffnete (in den Medien „Freiheitskämpfer“ genannt), um gegen einen demokratisch gewählten Präsidenten zu putschen, der zu Beginn dieser westlichen Intervention alles tat, um die Situation zu beruhigen (anders als in den Medien dargestellt) und erst Maßnahmen der Gegenwehr ergriff, als die Dinge eskalierten. In Syrien verbündete sich der US-geführte Westen unter Obama mit radikalen Islamisten (in den Medien „gemäßigte Rebellen“ genannt) gegen den säkularen Präsidenten Assad. Und nicht zuletzt haben wir Obama die massive Flüchtlings- und Migrationsbewegung zu verdanken, nachdem dieser im Nahen Osten nur verbrannte Erde und gescheiterte Staaten hinterließ und den Mann, der seit 2003 dafür bezahlt wurde, die Migration aus Afrika in die EU zu unterbinden, wegputschen ließ: Muammar al-Gaddafi, der 2011 prophezeite: „Ihr sollt mich recht verstehen. Wenn ihr mich bedrängt und destabilisieren wollt, werdet ihr Verwirrung stiften, Bin Laden in die Hände spielen und bewaffnete Rebellenhaufen begünstigen. Folgendes wird sich ereignen. Ihr werdet von einer Immigrationswelle aus Afrika überschwemmt werden, die von Libyen aus nach Europa überschwappt. Es wird niemand mehr da sein, um sie aufzuhalten.“

Das sind die Fakten. Alles andere ist Show für das Fußvolk und für jene selbsternannten Intellektuellen im Wolkenkuckucksheim, die es eigentlich nie so genau wissen wollten, weil sie dafür in Wahrheit zu ungebildet sind, was sie gern mit besonderem Interesse für nationale Großstadtpolitik und gespielter moralischer Überlegenheit kaschieren. Wenn wir also Obamas Taten ganz nüchtern betrachten, gibt es absolut keinen Zweifel daran, dass dieser vor dem internationalen Gerichtshof in Den Haag als Kriegsverbrecher schuldig gesprochen werden würde – wäre er nicht der Anführer der „freien Welt“ gewesen. Fakt ist auch, dass Trump noch sehr viele Menschen ermorden lassen muss, um den „body-count“ Barack Obamas auch nur annähernd zu erreichen. Macht das Trump zu einem besseren Menschen? Mitnichten.

„Politik ist ein schmutziges Geschäft“, pflegt meine Großmutter oft zu sagen. Der große Unterschied zwischen Obama und Trump ist bloß, dass Ersterer aus denselben Geldern aufgebaut wurde, die auch die öffentliche Meinung lenken, weshalb er Dank der „Public Relations“ (löste nach dem Ersten Weltkrieg das Wort „Propaganda“ ab) im linksliberalen Milieu als zivilisierter Friedenspräsident in Erinnerung blieb. Letzterer dagegen kann nicht nur auf keine mediale Unterstützung zählen, sondern schlägt den Medienzirkus mit seinen eigenen Waffen: Er biegt sich die Wahrheit zurecht, wie er sie gerade braucht. Trump versucht gar nicht erst seine eigenen Lügen zu kaschieren. Er ist wie der Elefant im Porzellanladen, der jeden Hauch eines sprachlichen Konsenses im nächsten Moment schon wieder pulverisiert. Und das macht den Lügner Trump in gewisser Hinsicht sogar glaubwürdiger als Barack Obama, v.a. wenn Letzterer am 100. Geburtstag von Nelson Mandela perfekt geschminkt und mit strahlend weißen Zähnen von der Gleichheit aller Menschen referiert. Es ist diese unerträgliche Heuchelei, welche jene nach oben hievt, denen das Geld im Hintergrund fehlt, um ihre Lügen zu kaschieren und jene, die gar nicht erst versuchen, glaubwürdig zu sein.

Trump war ein Unfall des Establishments und diese Unfälle werden in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Lieber ein authentischer Lügner, den man als solchen erkennt, als ein Millionenheer an Kosmetikern in den Propaganda- und Medienabteilungen, welche die Verbrechen ihrer Protegés überschminken und aus den Annalen der Geschichte tilgen – so die Devise der demokratieverdrossenen Masse. Was wir hier erleben ist das Endstadium der von Geldmächten gelenkten Demokratie, welche im Römischen Reich den Übergang von der Republik in das Kaisertum markierte. Wenn in Österreich ein linksliberales Medium, dessen Passion seit 30 Jahren das Unterdrücken unliebsamer Meinungen und das Wiederkäuen ungefilterter Information aus dem Pentagon ist, sich plötzlich zum Brückenbauer einer gespaltenen Nation generiert, dann ist der Geruch von Verzweiflung greifbar. Andere (deutsche) Medien sollen gar damit begonnen haben, alte Online-Artikel zu löschen, um sich aalglatt in die neue (und kulturzyklisch letzte) Epoche hinüberretten zu können. Gelingen wird ihnen das allen nicht. Nicht weil ein Menschenkollektiv über ein besonderes Langzeitgedächtnis verfügen würde – diese Annahme haben demokratische Wahlen als solche widerlegt – sondern weil Tagespolitik, Kriegspolitik, Wirtschaftspolitik und Geopolitik für die Menschen der neuen Epoche keine Rolle mehr spielen werden. Sie werden zum langweiligen Geschäft des Einzelherrschers und seines familiären Anhangs. Man wird diese neuen Cäsaren kultisch verehren und ihnen dafür danken, dass sie zusammenhalten, was eigentlich schon in Auflösung begriffen ist: Der Kulturraum selbst und alle seine Wahrheiten.

MIH83/pixabay

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