oder warum können nur Frauen Verantwortung verweigern

Ich finde die Reaktionen immer wieder faszinierend, wenn man die Büchse der Pandora öffnet und die Gleichberechtigungsfrage auch auf das Familienrecht anwendet. Wenn man z.B. auch für Männer das Recht fordert, über ihre Familienplanung unabhängig von Verhütungsunfällen oder -manipulation durch Sexpartner entscheiden zu dürfen.

Wenn man fordert, dass auch Männer die Möglichkeit haben sollen »Nein« zur Vaterverantwortung sagen zu können, gibt es meist einen großen aufschrei, ohne jemand auf die Idee käme genauso lautstark die weibliche Einscheidungsfreiheit in Frage zu stellen. Ausnahmen sind hier vielleicht strenge Katholiken oder jene Männer, die da immer noch dem Kontrollverlust durch die Liberalisierung des §218 hinterher jammern. Aber ansonsten wehren sich die Kritiker nur gegen die Einscheidungsfreiheit der Männer, wenn sie versuchen Gebärneid zu unterstellen oder versuchen die Diskussion zu einer »ach es geht euch also nur ums Geld«-Frage zu bagatellisieren.

Nein, es geht nicht nur ums Geld.

Geld spielt bei dieser Diskussion überhaupt nur eine Rolle, weil Geld der einzige Punkt ist, weswegen sich Frauen mit der männlichen Entscheidungsfreiheit schwertun. Geld ist die Beteiligung des Vaters an der Elternverantwortung, die sich jedes noch so bindungsintolerante Mitglied von Vereinigungen wie der »Mütterinitiative - Mamas wehren sich« vom doofen Erzeugner einfordert. Sobald der allerdings auch sozialer Vater sein will, muss der Gesetzgeber natürlich gewährleisten, dass ihm hier möglichst viele Hindernisse in den Weg gelegt werden. Am besten sollte er hier sowieso nichts ohne schriftliches Einverständnis der Mutter dürfen. Und nachdem das nicht geklappt hat, fordern sie einfach vom Staat via bedingungslosen Grundeinkommen für Mütter, dass die Geldfrage geklärt wird, ohne den Vater zu involvieren.

Wir würden diese Diskussion nicht führen, denn wenn es den Müttern nicht ums Geld ginge. Die würden dann nämlich einfach den Namen des Vaters vor dem Jugendamt verschweigen und bräuchten sich dann nicht mehr mit lästigen Themen wie dem gemeinsamen Sorgerecht oder gar des Wechselmodells rumplagen.

Geld ist auch alles, was der Staat vom Vater will. Vor allem nach der Trennung, denn wenn der Vater die Möglichkeit hätte die Vaterverantwortung zu verweigern, oder durch Erziehungsleistung erbringen, müsste er alleine für die 40% alleinerziehenden HartzIV-Empfängerinnen aufkommen.

Wenn es dem Staat nicht ums Geld ginge, sondern um eine väterliche Beteiligung am Wohlergehen des Kindes würden Unterhalts-, Sorge- und Umgangsrecht heutzutage Väter nicht mehr diskriminieren. Jeder Vater hätte die freie Wahl, ob er lieber Barunterhalt leisten oder Einziehungsleistung erbringen will. Vermutlich weiß der Staat auch, dass 50% der Alleinerziehenden keine abgeschlossene Berufsausbildung haben und somit, selbst wenn der erziehungsbereite Vater ihnen Freiräume zum Broterwerb schaffen würde, sich nur bei wenigen der HartzIV empfangenden Frauen die Einkommenssituation verbessern würde.

Geld ist leider das, worauf sich in unserer Rechtsprechung väterliche Verantwortung spätestens nach der Trennung reduziert.

Deshalb geht es bei solchen Diskussionen natürlich auch ums Geld.

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Aber eigentlich geht es um all die Gründe, welche es auch für Frauen heutzutage schwer vorstellbar machen, den §218 auf eine Zeit vor den 70ern zurückzudrehen, als ein nicht medizinisch oder kriminologisch induzierter Schwangerschaftsabbruch so ernste Konsequenzen haben konnte, dass Frauen lieber ihr Leben beim Engelsmacher riskierten oder Abtreibungstourismus praktizierten.

Welchen anderen Grund haben Frauen denn heute, auf das Recht zu Pochen, selber entscheiden zu wollen, ob Sie die Verantwortung der Mutterrolle übernehmen wollen oder nicht. Egal ob sie sich dieser Verantwortung durch einen Abort, eine anonyme Geburt oder durch die Babyklappe entledigen. Für Frauen muss aus einem Verhütungsunfall kein Lebensveränderndes Drama werden, und das ist gut so.

Aber Warum sollen wir von einem 22 jährigen erwarten, dass derselbe Verhütungsunfall sein Leben für die nächsten 20 Jahre massiv beeinflussen wird, ohne dass er sich gegen die Verantwortung entscheiden kann, wie es seine 2 Jahre ältere Freundin könnte.

Es geht darum auch ohne Paranoia in eine Beziehung gehen zu können, weil man, wenn das Vertrauen missbraucht wurde oder es in der ungünstigen Lebenssituation zu dem Verhütungsunfall kam, nicht alle die Lebensplanung über den Haufen geworfen werden müssen, bzw. beide Eltern gemeinsam darüber entscheiden ob sie zu der Verantwortungsübernahme bereit sind, und nicht der eine entscheidet und der ander zu hören bekommt, »friss oder stirb«, weil die gesteigerte Erwerbsobliegenheit an die Tür klopft und ihn nötigt ggf. noch einen Nebenjob anzunehmen, um der Unterhaltspflicht nachzukommen.

Es geht darum, dass Männer genauso wie Frauen in der Lage sind ihre Lebensplanung entwerfen können, ohne sich vor einer Panik vor dem Verhütungsunfalll einer erzkatholischen Verhaltensmoral zu unterwerfen. Welche Frau würde sich heute schon noch sagen lassen: »Hättest du wohl verhüten oder auf Sex verzichten müssen«, wenn eine ungewollte Schwangerschaft ihr Leben auf den Kopf zu stellen droht. Dies wird offensichtlich nur von Männern erwartet.

Ich vermisse in solchen Diskussionen immer die weiblichen Stimmen, die ebenso vehement über eine weibliche Entscheidungsfreiheit im Falle eines Verhütungsunfalls oder einer Verhütungsmanipulation durch den Partner schimpfen.

Die Argumente, die heute Männern heute um die Ohren geknallt werden, wenn sie Gleichberechtigung eben auch für eine familienrechtliche Angelegenheit halten, sind komischerweise genau die gleichen, welche den 70er-Jahre-Feministinnen in den Diskussionen um den §218 um die Ohren gehauen wurden:

1.) Die wollen doch nur verantwortungslosen Sex

2.) Sollen sie doch verhüten

3.) Das lässt sich nicht mit unserer Rechtsordnung vereinbaren

Und gerade der 3 Punkt ist historisch interessant, weil das Bundesverfassungsgerichtd 1975 die Liberalisierung des §218, u. A. mit der Begründung ablehnte: „Der Staat muss grundsätzlich von einer Pflicht zur Austragung der Schwangerschaft ausgehen.“

Eine Frau hat die Möglichkeit aus voller Überzeugung »ja« zum Kind zu sagen, weil sie auch die Möglichkeit hätte, zum Kind »nein« zu sagen. Nur beim Mann soll dieses »Nein« bloß nicht möglich sein, wo kämen wir denn da hin, wenn er sich dagegen entscheiden könnte ihren Familienwunsch zu finanzieren.

Wundert sich irgendwer über die Bindungsunfähigkeit heutiger Männer?

Es ist eigentlich das einzig vernünftige Verhalten, was jungen Männern bleibt, sich nur soweit auf eine Beziehung einzulassen, solange man keine Diskussion riskiert, warum man auf seine eigene Schwangerschaftsprevention nicht verzichten will, selbst wenn die Partnerin die Pille nimmt.

»Tut mir leid, aber vertraue dir nicht, dass du mit der Verhütung verantwortungsvoll umgehst« würde die Beziehung vermutlich ohnehin beenden. Dann kann man die Beziehung auch gleich im Keim abwürgen, bevor es zu so unangenehmen Fragen kommt.

Klar, wir würden diese Diskussion nicht führen, wenn Männer eine ebenso zuverlässige und unbemerkbare Verhütungsmethode hätten, wie Frauen sie mit der Pille haben, aber die einzige mir bekannte Marktreife Lösung, die eine zuverlässige, dauerhafte und 100% reversible Verhütungsmethode für den Mann bietet, wird nicht auf den Markt gebracht, weil damit die hormongestützten Verhütungspräparate überflüssig würden, und mit denen verdient die Industrie ein vielfaches. Weil dieses Verhütungsmittel nur einmal alle zehn Jahre verwendet werden muss und in einer ambulanten OP mit örtlicher Betäubung eingeführt und bei Bedarf ebenso »entschärft« wird.

Was aber vor allem erstaunlich ist, ist diese merkwürdige Idee, dass Männer sich, nur weil sie die Möglichkeit haben auch »nein« zum Kind sagen zu können, nie mehr zu einem »Ja« entscheiden würden. Natürlich würden sie das, sie müssten eigentlich nur - wie man das in einer gleichberechtigten Beziehung auf Augenhöhe auch erwarten würde - bei der Entscheidung als gleichberechtigte Partner ins Boot geholt werden.

Und damit tun sich die Frauen, die diese Forderung für abwegig halten, offensichtlich schwer.

Gleichberechtigung soll sich doch bitte auf den beruflichen Bereich beschränken. HIER hat der Staat bitte die Aufgabe jede biologische Benachteiligung mit Quoten und unterstützenden Maßnahmen verschwinden zu lassen. Aber doch nicht ein einem Bereich wo Frauen die Vormachtstellung haben: Im Familienrecht und in der Familienplanung.

Wenn eine Frau ein Kind austragen will, dann soll der Mann gefälligst einfach seine Pflicht akzeptieren. Das erlebt man bei jeder Diskussion um Gleichberechtigung im Sorge-, Unterhalts- oder Umgangsrecht. Das Wechselmodell oder das gemeinsame Sorgerecht gegen den Willen der Mutter geht ja gar nicht. Diese Frauen demonstrieren überdeutlich das, was Feministinnen den Männern gerne vorwerfen (dass sie von ihren Privilegien nicht ablassen können) offensichtlich kein geschlechtsspezifisches Problem ist.

Frauen kämpfen um ihre Privilegien nicht weniger verbissen, und Gleichberechtigung wird plötzlich ein Thema, welches bei der Aufgabe ihrer Privilegien nichts zu suchen hat.

Entlastung für Familiengerichte

Dabei birgt die Möglichkeit auch »Nein« zu sagen, unglaublich viel Potential Familienrechtsstreitigkeiten zu vermeiden. Es es gibt z.B. keinen Grund, jemandem der sich aus ebenso freien Stücken »Ja« zum Kind sagt, nicht von vornherein die gleichen Rechte bezüglich Sorge- und Umgangsrecht, oder Elternzeit zu geben, egal ob die Eltern verheiratet oder noch ein Paar sind.

Wohingegen eine Frau, die gegen den Wunsch ihres Sexpartners ein Kind austrägt, weiß, worauf sie sich einstellen kann. Sie wird alleine, für ihre Entscheidung das Kind auszutragen, verantwortlich sein. Sie wird keine Unterhaltsklagen führen müssen, ebenso wenig wie Sorgerechts- und Umgangsstreitigkeiten.

Natürlich ist es nicht einfach, allein für Kinder da zu sein und noch seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Das weiß ich als alleinerziehender Vater ohne Kindesunterhalt sehr gut, aber es ist schließlich die eigene Entscheidung, das zu tun. Vielleicht ist das der Grund, weshalb die meisten alleinerziehenden Väter so wenig über die mangelnde Unterhaltsmoral der Mütter lamentieren, weil sie wissen, dass es ihre Entscheidung war, sich dafür einzusetzen, dass ihre Kinder bei ihnen leben.

http://imgur.com/gallery/tceOgh8

Letztendlich ist es auch eine absolut unfeministische Haltung, Männern dieses Recht zu verweigern. Wie es die feministische Anwältin Karen DeCrow ausdrückte, die von 1974 bis 1978 Präsidentin der »National Organization for Women« war:

“Wie es der Oberste Gerichtshof formulierte, haben Frauen das Recht zu entscheiden, ob sie Eltern sein wollen oder nicht. Männer sollten ebenfalls dieses Recht haben«

Sie bezeichnete es als die einzige logische feministische Haltung, die es geben könnte: In einen Brief an die Times schrieb sie 1982:

»Da Männer keine legalen Möglichkeiten haben einen Schwangerschaftsabbruch zu verhindern oder zu erzwingen, ist es nur gerecht, dass sie nicht für eine Entscheidung, welche die Frau alleine fällt zu zahlen haben. Oder um es anders auszudrücken gleichberechtigte unabhängige Frauen, die ihre eigenen unabhängigen Entscheidungen über ihr Leben fällen, sollten nicht erwarten, dass Männer diese Entscheidungen finanzieren.«

P.S.: Bevor jetzt als erstes Kommentare von irgendwelche Frauen kommen, die Ad Hominem argumentieren, wenn sie mir negative Frauenerfahrungen unterstellen: Alle Kinder die ich in die Welt gesetzt habe, leben mit mir unter einen Dach und sie verhungern auch nicht, obwohl ich dafür keinen Cent Unterhalt für sie bekomme. Das einzige Mal, das ich meine Ex-Frau vor Gericht gesehen habe, war beim Pflichttermin zur Scheidung. Ich habe also keine 5 stelligen Beträge für Anwälte ausgegeben um diesen Zustand zu erreichen. Aber ich weiß dass es Menschen gibt die sexistischere Jugenamtsmitarbeiter, Familiengutachter und/oder -richter hatten, und die haben mehr unter der sexuellen Diskriminierung des Deutschen Familienrechts zu leiden. Solche Menschen begegnen einem im Praxisalltag. Insofern beschränkt sich meine Erfahrung zu diesem Thema nicht darauf, dass ich noch nie mit einem mir nicht genehmen Menschen ein Kind in die Welt gesetzt habe.

Und zugegeben als Frau bedarf es hierfür nicht die Weisheit eines Yodas. Das hat die Rechtsprechung und die Pharmaindustrie ihnen schon ganz angenehm einfach gemacht, meine Damen.

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