Bundesministerin für Arbeit, Familie und Jugend

Toller Lebenslauf! Respekt und Applaus dafür, was sich da in 37 Jahren alles ausgegangen ist!

Neben dem Studium an der FH Wiener Neustadt bereits Tätigkeiten bei Piewald Management Training, anschließend bei Capgemini Consulting, ab 2012 im Finanzministerium und ab 2014 im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft. Ab 2015 Unternehmensberaterin und zudem ab 2017 Mitglied des Aufsichtsrates der GBG Gebäude- und Baumanagement Graz GmbH. Daneben drei Kinder und zudem ab 2011 ein Studium an der Technischen Universität Bratislava, das sie - inzwischen bereits Ministerin - im August 2020 als PhD abschloss.

Zuletzt war Frau Christine Aschbacher PhD in der Bundesregierung Kurz II Bundesministerin ohne Portefeuille, dann Ministerin im Bundeskanzleramt und ab dem 29. Jänner 2020 Bundesministerin für Arbeit, Familie und Jugend.

Gerade in Zeiten von Lockdowns, Kurzarbeit und hoher Arbeitslosigkeit brauchen wir PolitikerInnen mit viel Sachverstand, Erfahrung und auch Leidenschaft für die ihnen anvertrauten Aufgaben. Ihr Ministerium war ein zentrales im abgelaufenen Coronajahr. Die Ministerin war dennoch wenig präsent und schien eher im Hintergrund zu agieren. Die wenigen medialen Auftritte empfand ich immer als irgendwie peinlich und da meine ich ganz und gar nicht das optische Erscheinungsbild. Vielleicht spürte man, dass ihre Aufmerksamkeit weniger der Rekordarbeitslosigkeit galt, sondern vielleicht (wie man jetzt weiß) mehr ihrem angestrebten neuen akademischen Titel. Denn ihre Dissertation reichte sie genau in der ersten Welle der Corona-Pandemie im Mai 2020 ein.

Nur zwei Tage nach Bekanntwerden von Plagiatsvorwürfen bezüglich ihrer Diplomarbeit und Dissertation zog sie nun rasch die Konsequenz und erklärte ihren Rücktritt. Dabei wollte sie eigentlich vorher noch die vom Plagiatsgutachter und Medienwissenschaftler Stefan Weber erhobenen Vorwürfe prüfen, war sie sich doch ihrer Erinnerung nach sicher, an der Fachhochschule Wiener Neustadt und auch an der Dissertation in Bratislava "mit bestem Wissen und Gewissen" gearbeitet zu haben. Nun, wenn mir das passieren würde, hätte ich nicht lange zu prüfen. Da wüsste ich sofort, ob ich mich selbst oder sich ein ghostwriter angestrengt hätte oder ob ich den Nonsens einfach nur abgekupfert hätte ohne zumindest vor der Veröffentlichung Korrektur zu lesen. Aber wer weiß. Aschbacher versteht unter "mit bestem Wissen und Gewissen" vielleicht etwas anderes.

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https://www.puls24.at/video/plagiatsjaeger-zu-aschbacher-eine-wissenschaftliche-schweinerei/short

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Der "Plagiatsjäger" Stefan Weber erklärt, dass Aschbachers Diplomarbeit schlechtes Deutsch und unlesbar sei, sie vor Fehlern strotze und plump plagiiert sei. Sie unterbiete "alle wissenschaftlichen Standards" und grenze an Satire. Er spricht von einer "wissenschaftlichen Katastrophe" und einer "wissenschaftlichen Schweinerei, so etwas als Magisterarbeit durchgehen zu lassen".

Und so finden sich in ihrer Dissertation denn auch völlig wirre Textpassagen wie folgende:

Armin Wolf stellt zu Aschbachers "wissenschaftlichen Arbeit" fest, dass sie "wohl bei keiner vorwissenschaftlichen Arbeit (VWA) vor der Matura durchgehen würde, denn „bei keiner einzigen Abbildung und keinem einzigen der insgesamt 61 Zitate/Verweise [...] gibt es [...] eine konkrete Seitenangabe zum zitierten Werk."

Da kann man nur mehr den Kopf schütteln und vermuten, dass der Doktorvater in Bratislava entweder nicht Deutsch spricht, selbst anderweitig überfordert war oder wegen der coronabedingten Arbeitsüberlastung der Ministerin beide Augen fest zugedrückt hat, was aber rechtliche Konsequenzen für beide Seiten haben könnte. Aber wie auch immer es gewesen sein könnte - ihr Titel PhD kann ihr nachträglich ohnehin nur mehr schwer entzogen werden.

Man fragt sich auch, was eine in Wien arbeitende Ministerin aus der Steiermark dazu veranlasst hat, ausgerechnet in Bratislava ein Doktorat anzustreben und das auch noch auf Deutsch. Die Reputation dieser Universität kann es nicht gewesen sein, denn dazu schreibt die FAZ:

„Die Slowakei scheint deutschsprachige Dissertationen anzuziehen, die mit wenig Aufwand und bei hohen Gebühren entstanden sind.“ (Zitat Gerhard Dannemann, Berliner Rechtsprofessor).

An der Universität im slowakischen Bratislava fliegen immer mehr Doktoranden mit Plagiaten auf. Fachleute sehen darin ein ernstzunehmendes Problem. Bislang ist eine Überprüfung aber nur bei Arbeiten in der Landessprache möglich, nicht jedoch bei englisch- und deutschsprachigen. Zudem können laut FAZ Doktortitel nicht entzogen werden, selbst wenn in den zugrundeliegenden Arbeiten nachweislich wissenschaftlich getäuscht wurde.

Ich frage mich, ob ein solcher Doktortitel etwas wert ist? Vermutlich nicht viel bzw. für die Karriere wohl nur in Verbindung mit dem richtigen Parteibuch.

Schließlich bleibt aber auch noch die Frage, was sich im Jahr 2006 Prof. Dr. Karl Pinczolits und Prof. Ing. Jozef Sablik, die beiden Begutachter an der Fachhochschule Wiener Neustadt bei der Bewertung von Christine Aschbachers Qualifikationsschriften mit "Sehr Gut" gedacht haben.

Fakt ist aber auch, dass Plagiate handfeste Rechtsfolgen haben können. Stefan Weber empfiehlt, nicht immer nur mit diesen zu drohen, sondern nun auch einmal das Potenzial des Rechtsstaats voll und ganz ausschöpfen. Denn falsche Doktoren schaden der Gesellschaft. Es sollte sich keine Gesellschaft etablieren, in der der Schwindel die Basis für den sozialen und finanziellen Aufstieg ist. Die Prüfung, ob ein geführter akademischer Grad verifizierbar ist, leistet daher einen wichtigen Beitrag zur Ehrlichkeit unserer Gesellschaft, aber auch zur Sicherstellung von Kompetenzen und Werten.

Stefan Weber ist für die Aufdeckung und Öffentlichmachung des Falles Christine Aschbacher zu danken und ihr Rücktritt als Familien- und Arbeitsministerin war angesichts der Schwere der Vorwürfe eine zwingend notwendige Konsequenz. Damit alleine ist das strukturelle Problem mit wissenschaftlichem Betrug aber noch lange nicht gelöst.

https://plagiatsgutachten.com/blog/moegliche-rechtliche-folgen-fuer-aschbacher/

Als Ministerin ist Aschbacher Geschichte. Diese Peinlichkeit wird sie aushalten müssen. Sie ist selbst schuld. Um ihren weiteren Lebensweg mache ich mir trotzdem keine Sorgen. Sie wird es mit einer ihrer kalenderspruchartigen Weisheiten aus ihren "wissenschftlichen Arbeiten" halten. Etwa mit diesem:

"Die Definition von erfolgreich ist: der Welt etwas beizusteuern und dabei glücklich zu sein. Man muss das genießen, was man tut. Man wird nicht gut darin sein, wenn man es nicht genießt."

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