Mit einem toten Kleinkind Scham- und Schuldgefühle erzeugen.

#KiyiyaVuranInsanlik

Diese Fotos gingen 2015 um die Welt und wurden zu einem Symbol der Flüchtlingskrise: Die Leiche des kleinen Alan Kurdi, angeschwemmt am Strand des türkischen Dorfes Akyarlar bei Bodrum.

Zum 5. Todestag waren diese Bilder wieder überall zu sehen.

Volkshilfe Flüchtlings- und MigrantInnenbetreuung

Auf der Facebookseite der "Volkshilfe Flüchtlings- und MigrantInnenbetreuung" war am 04.09.2020 dieses Bild gepostet und dazu folgender Text zu lesen:

Gestern vor fünf Jahren ist Alan Kurdi gestorben. Er starb auf der Flucht vor dem syrischen Terrorregime, weil er und seine Familie auf Schlepper angewiesen waren.

Nach wie vor gibt es KEINE LEGALEN FLUCHTMÖGLICHKEITEN, auch nicht für die hunderten Kinder auf Moria.

Stellvertretend für alle Toten im Mittelmeer: Ruhe in Frieden, Alan!

Man schreckt also nicht davor zurück, weiterhin mit falschen Tatsachen zu argumentieren. Denn längst ist bekannt, dass Abdullah Kurdi [1] mit seiner Familie jahrelang in der Türkei gelebt hat. Dann wollte er aus gesundheitlichen und wirtschaftlichen Gründen zu seiner Schwester Tima Kurdi [2] nach Kanada auswandern. Doch Kanada lehnte sein Ansuchen ab und so entschied man sich dann als 2. Wahl dem damals aktuellen "Refugees welcome" folgend zu einer "Flucht" nach Europa mit dem Ziel Deutschland ("Wir schaffen das" ).

Die Volkshilfe Flüchtlings- und MigrantInnenbetreuung bemängelt, dass es für derartige Wünsche noch immer keine legale Möglichkeit gibt und bringt zudem das Schicksal des kleinen Alan Kurdi in Verbindung mit Flüchtlingskindern, die die Überfahrt bereits geschafft haben und sich in Moria/Griechenland befinden. Diese sind damit bereits in der EU und in Sicherheit vor dem "syrischen Terrorregime" - es gibt für sie lediglich nicht die Möglichkeit, sofort an das "Wir schaffen das"-Wunschziel zu reisen.

Ich habe tiefes Mitleid mit JEDEM Kind dieser Welt, das sein Leben verliert. Aber sorry, nein! Schuldgefühl habe ich in diesem Fall keines und lasse mir das auch nicht aufdrücken! Schuld am Tod des kleinen Alan Kurdi ist hier einzig und allein derjenige, der das Kind nicht ausreichend beschützt, sondern im Gegenteil wissentlich einer gefährlichen Situation ausgesetzt hat, in der es dann umgekommen ist.

Wofür soll ich mich/sollen wir uns schämen? Hätte man verhindern können, dass ein Vater mit seiner Familie aus welchen Gründen auch immer ein Schlauchboot besteigt - allesamt Nichtschwimmer, aber ohne Schwimmwesten? Dass das Schlauchboot bereits nach ein paarhundert Metern kentert und mehrere Menschen ertrinken? Das liegt nicht in meinem/unserem Verantwortungsbereich, das ist nicht mein/unser Versagen und dafür werde ich mich nicht schämen.

Schämen sollten sich aber meinetwegen jene, die in Menschen wie Abdullah Kurdi falsche Hoffnungen geweckt und Unglücke wie diese damit heraufbeschworen und zudem eine Generation von frustrierten Migranten produziert haben.

Mir ist völlig klar, dass immer alles instrumentalisiert und wenn möglich zu Geld gemacht wird. Die Verwendung des Fotos einer Kinderleiche grenzt für mich allerdings beinahe an Leichenfledderei. Zudem finde ich es extrem lästig, wenn immer wieder versucht wird, uns EuropäerInnen ein schlechtes Gewissen zu machen und Schamgefühle einzufordern, wenn Menschen im Mittelmeer ertrinken - wie in diesem Fall ein kleiner Junge, dessen Familie nicht vor unmittelbarer Bedrohung aus der Türkei floh, sondern in der falschen Hoffnung auf ein besseres Leben.

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[1] Abdullah Kurdi (46) hat bei dem Bootsunglück am 02.09.2015 seine Frau und seine beiden Kinder verloren. Die danach erfolgte Einladung nach Kanada schlug er aus. Er bestattete seine Familie in seiner Heimatstadt Kobani/Syrien und blieb dann längere Zeit dort. Sein Ziel war es in der Folge, andere Syrer vom Auswandern nach Europa abzuhalten. Inzwischen lebt er in Erbil/Irak, ist er wieder verheiratet und seit April Vater eines Sohnes. Er leitet dort die Hilfsorganisation Kurdi Foundation, die Kinder in Flüchtlingslagern unterstützt. Nun möchte er Seenotretter bei der deutschen Hilfsorganisation Sea-Eye werden, die ein Rettungsschiff "Alan Kurdi" genannt hat. Er möchte Migranten retten und "ihnen die Hilfe geben, die ich nicht bekommen habe“.

facebook TheKurdiFoundation

[2] Tima Kurdi ist Abdullah Kurdis in Kanada lebende Schwester. Sie ist Mitbegründerin der Kurdi Foundation. 2018 veröffentlichte sie das Buch The Boy on the Beach, das rasch in die kanadische Bestsellerliste aufstieg.

https://www.amazon.de/Boy-Beach-Familys-Escape-Syria/dp/1501175238

https://www.simonandschuster.ca/books/The-Boy-on-the-Beach/Tima-Kurdi/9781501175237?fbclid=IwAR0t0heukh-EQ7hAnL97gy5xsZj_xk8myDMeltdKA0XI0rH8wv-0T-WBAPQ

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