https://schlotforum.wordpress.com/2012/07/27/at-1100-wien-amalienbad-heizungsanlage/

Ich gehe ja eigentlich oft und gerne ins Amalienbad am Reumannplatz, obwohl der Preis für eine Monatskarte innerhalb von zehn Jahren von 19 € auf stolze 29,50 € erhöht wurde.

Aber ich mag die alte Art Deco Architektur, komme mit der U-Bahn bequem hin und in den umgebenden Strassen, wo kaum noch ein Geschäft auf deutsch beschriftet ist, bekommt man ein handgemachtes Döner Sandwich um 2 Euro und auch sonst vieles zu Preisen wie in einem 3. Welt Land.

Doch heute habe ich das Bad mal bewusst aus betriebswirtschaftlicher Sicht betrachtet:

Am Eingang gibt es einmal den Kartenverkaufsstand, der von mindestens einer, manchmal auch zwei Personen, besetzt ist um den Ansturm von bis zu 10 Badegästen pro Stunde bewältigen zu können.

Gleich gegenüber gibt es aber auch noch ein Informationsbüro. Ich habe mich nicht bemüht zu erkunden welche Informationen man dort bekommt, welche die Dame vom Kartenverkauf nicht geben kann. Es ist wie bei einer leeren Tanzfläche in der Disko. Ich möchte nicht der Erste sein, der dort einen Schritt hin macht.

Dann gibt es beim Stiegenaufgang zu den Kästchen einen weiteren Beamten, der die Kästchenschlüssel ausgibt.

Er sagt, ich muss meine Monatskarte auf das Lesegerät halten.

“ Passt schon!“, sagt er und gibt mir den Magnetschlüssel.

„Wirklich?“, frage ich: „ Aber das Gerät hat doch noch gar nicht gepiept.“

Das Piepen war ihm zu laut erklärt er. Deshalb hat er es abgestellt.

In der Schwimmhalle schwimme ich ein paar Längen. Dann beobachte ich den Bademeister auf seinem Sessel. Der zweite Bademeister neben ihm wurde wohl angestellt um sich mit ihm zu unterhalten, damit dem Ersten nicht fad wird beim Nichts tun.

Da erblicke ich in der Sanitätskoje daneben auch noch einen dritten Bademeister. Der hat wohl eine spezielle Sanitäterausbildung und sitzt in der Koje vor dem Telefon, damit er gleich die Rettung anrufen kann. Die Zeitschrift ausgebreitet vor ihm ist wohl ein medizinisches Hilfsinstrument , damit niemand vor Langeweile Gehirntod erleidet. Oder er wartet ob vielleicht mal jemand mit einer angeschlagenen Zehe kommt?

Da sehe ich hinter dem Paravent schließlich noch einen vierten Mann auftauchen. Der ist wohl der Ersatzsanitäter. Es könnte ja sein, dass der erste Sanitäter vor Aufregung einen Herzinfarkt bekommt, wenn mal jemand mit einer angeschlagenen Zehe daherkommt und ihn so urplötzlich aus seinem Dauerschlaf weckt.

Naja, wenigstens kann ich mich so als Badegast absolut sicher fühlen, denke ich mir und möchte das gleich mal ausprobieren. Die Aufgabe eines Bademeisters ist es ja nicht ständig etwas zu tun , sondern alles im Auge zu behalten und im Notfall blitzschnell einzugreifen.

Inzwischen ist die asiatische Reinigungsfrau dazu gekommen. Ich sehe sie tatsächlich regelmäßig in den Umkleideräumen den Boden aufwischen.

Die Bademeister flirten mit ihr.

Nun ist der richtige Zeitpunkt die Austro-Baywatches auf ihre Reaktionsfähigkeit zu testen:

Ich höre auf zu schwimmen und lasse mich sinken. Mit dem Rücken nach oben , Kopf unter Wasser, die Arme und Beine lose hängend, treibe ich wie ein toter Fisch.

Eine Minute lang. Dann hebe den Kopf wieder übers Wasser. Ich will ja nicht erschrecken wenn mich plötzlich die Hand des Bademeisters berührt und herauszieht.

Doch niemand hat mich bemerkt. Die 4 Typen reden immer noch völlig ungerührt mit der Reinigungsfrau.

Also noch einmal : „21,22,23.. „so zähle ich innerlich die verstreichenden Sekunden. Diesmal spiele ich ganze 2 Minuten den toten Mann, nun muss schließlich auftauchen damit ich nicht wirklich ersticke.

Immer noch sind die Typen völlig ungerührt , oder vielmehr haben sie mich nicht einmal bemerkt.

Selbst der 3. Lange Versuch bringt kein anderes Testergebnis.

Ich muss allerdings sagen, dass auch die anderen Badegäste im Becken mein Ertrinken ignorierten.

Falls ich aus irgendeinem Grund einmal freiwillig meinem Leben ein Ende setzen wollte: Hier könnte ich es völlig ungestört und unbehelligt tun.

Und ich bräuchte mir in diesem Fall auch um meine Zukuft keine Sorgen machen. Denn selbst als Leiche wäre ich noch voll arbeitsfähig, z.B. als Bademeister im Amalienbad.

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