Eine Magenverstimmung bietet zwei Leuten, die sich nie zuvor begegnet sind, einen ausgezeichneten Unterhaltungsstoff, sagte William Hazlitt. Das gilt auch für zwei Menschen, die sich über die Magenstimmung ihrer Hunde unterhalten.

Nichts ist in Sozialen Netzwerken anregender als Unterhaltungen über die Hundegesundheit. Besonders Dinge, die man nicht übersehen kann, wie ein Hund, der sich täglich auf den teuren Teppich übergibt, bieten unendliche Variationen von Zündstoff.

Nun ist es nicht so schlimm, wenn sich der Hund gelegentlich übergibt, auch die Teppichindustrie macht das nicht sonderlich traurig. Für den Hund selber ist es aber alles andere als gesund, wenn es täglich vorkommt.

Wie beim Menschen, schlägt sich auch bei unseren Vierbeinern so einiges auf den Magen.

Nicht umsonst heißt es „Stressmagen“.

Da wäre der Hundehalter, der dem Hund niemals Ruhe gönnt, ihn überfordert, aber nicht fördert und besonders übereifrige Welpen dauernd zum Toben animiert. Genau wie kleine Kinder, die man im Kindergarten von zwei bis vier Uhr zum Schlafen legt, sollte auch der hyperaktive junge (und alte) Hund seine Ruhepausen einhalten müssen. Hunde mögen Schlaf, Hunde mögen es aber auch, ihren Zweibeinern zu gefallen.

Sie haben sich uns Menschen aber nicht nur ernährungstechnisch, sondern auch verhaltenstechnisch so angepasst, dass sie verlernt haben, auf ihre dringend nötige Ruhephase zu bestehen.

Sie geben unentwegt ihr Bestes, um uns glücklich und zufrieden zu machen. Und wenn Herrchen darauf beharrt, dass zwei Stunden lang Bällchen werfen, Radfahren und Agility am Programm stehen, dann macht Hund brav mit- selbst wenn er schon längst eine Pause bräuchte.

Er gibt alles. Alles ist aber auf Dauer zu viel.

Hunde zu überfordern ist heute leider alltäglich. Dazu braucht man gar kein straffes Programm, es reicht schon ein täglicher Stressmarathon in den öffentlichen Verkehrsmitteln, den man seinem Hund antut. Es reichen Autofahrten, wenn man einen Hund hat, dem davon leicht übel wird. Es reichen Hundewiesen und Hundezonen, wo der Hund auf sich selbst gestellt ist, während sein Mensch gelangweilt dabei zusieht, wie er „es“ sich mit den anderen ausmachen muss. Es reichen stundenlanges Mitschleppen in einem vollen Einkaufszentrum, Anleinen neben lärmenden Einkaufswägen, ein Haus voller schreiender Kleinkinder, ohne Rückzug und ohne Aufsicht. Die Liste wäre noch lange.

Zusätzlich kommt die Ernährung. Der Magen des Hundes ist der Ort, wo die Nahrung landet, um verdaut zu werden. Der Magen ist aber auch der Spiegel der Seele, wenn sich etwas auf den Magen schlägt, geht es dem Hund schlecht. Wenn man sich so umschaut (und dazu reicht schon ein kurzer Abstecher in eine der unzähligen Mampfnapf-Filialen), weiß man, das bedeutet weder für den Magen noch für die Gesundheit des Hundes gutes.

Fertigfutter und auch der leidige, lebensgefährliche und nicht artgerechte Trend zum Barfen reduzieren die Hundegesundheit gegen Null, Kauknochen und verschlucktes, giftiges Plastikspielzeug erledigen kompromisslos und gründlich den Rest. Der Weg Richtung Allergie, Blasensteine und Darmverschluss ist für die meisten Hunde nun frei.

Wer mehr über die Ernährung seines Hundes wissen möchte, liest gerne darüber in meinem neuen Buch „Hunde würden Wurstsemmeln kaufen“ nach, denn das Thema „Was frisst mein Hund?“ würde hier den Rahmen mehr als sprengen.

Aber bleiben wir bei der Magenstimmung, die bei so vielen Hunden mieselsüchtig ist, obwohl sie richtig ernährt werden.

Die Antwort auf die Frage, warum sich Hunde täglich oder sobald sie das Haus verlassen, übergeben müssen, ist einfach.

Sie haben zu viel Magensäure im Magen. Diese verursacht ein schlechtes Gefühl, dem Hund ist übel, er frisst Gras, um zu erbrechen und das schlechte Gefühl loszuwerden.

Geschieht das täglich oder sogar mehrmals täglich, hat das gesundheitliche Konsequenzen. Es fängt bei Problemen mit der Speiseröhre an und endet im Magen. Magengeschwüre und Magenkarzinome sind zwar beim Pferd und beim Schwein keine Seltenheit, sie waren aber früher beim Hund sehr selten. Nun nimmt die Anzahl der Magenkrebspatienten zu, auch die Speiseröhre und die Mundhöhle ist oft mitbetroffen.

Warum ist das so?

Weil der Stress ständig mehr, nicht weniger wurde. Je mehr Stress, desto gestresster reagiert der Magen, desto mehr sprudelt die Magensäure, desto häufiger erbricht sich der Hund auf teures und billiges Mobiliar, desto weniger wird sein Appetit und desto mehr brodelt die Magensäure weiter- ein Teufelskreis entsteht.

Und weil die erbrochene Magensäure, die auch ätzende gelbe Flecken auf Ihrem teuren Teppichboden verursacht, wie der Name schon sagt, sauer ist und Gewebe angreift, entstehen in Speiseröhre und Magen Läsionen in der Schleimhaut. Daraus wiederum entsteht eine verdickte, erhabene, entzündete Schleimhaut, aus der wiederum Geschwüre entstehen. Aus gutartigen, aber schmerzhaften Magengeschwüren werden letzen Endes Karzinome. Die tödlich enden.

Dagegen kann man was tun!

Stress vermeiden.

Hunde richtig ernähren.

Hunde, die sich oft übergeben, kein Gras fressen lassen.

Diese Hunde sollten abends eine kleine Portion essen, ein Stück Zwieback mit etwas Topfen, selbstgebackene Haferflockenkekse, eben einen kleinen Snack als Betthupferl, damit die Säure dem Magen nachts Ruhe gibt. Dann hören auch die nächtliche, begleitende Unruhe und das Schmatzen wieder auf. Am nächsten Morgen bekommt der Magen gleich wieder etwas zu tun: Man startet in den Tag mit der Gabe von ein paar Löffelchen Naturjoghurt (3,6Prozent) und einigen Keksen, die man für seinen Lieblingshund am Tag davor bereits selbst gebacken hat.

Mein Hund hatte all diese Probleme, als er aus dem Tierheim bei uns einzog. Er litt an chronischem Stressmagen, der sich immer noch zeigt, wenn er nicht abends und morgens sofort etwas zu fressen bekommt. Früher wollte er gar nicht fressen, jetzt fordert er (nach dem Morgenpinkeln im Garten) seine von mir gebackenen Kekse und sein Joghurt ein. Und unsere Teppichböden bleiben wieder sauber. Außer er findet irgendwo im Gebüsch ein Stück modrige alte Speckschwarte, die er im Vorbeigehen schnell hinunterwürgt, aber das ist eine andere Geschichte.

Und nun schließe ich meine tierärztlichen Betrachtungen über einen gesunden Hundemagen mit dem wunderbaren Satz von Friedrich Freiherr von Logau, der die Tatsache der Magenverstimmung mit wenigen Worten auf der Punkt bringt: „Freunde, Mäßigkeit und Ruh schließt dem Arzt die Türe zu.“

Herzlichst, Ihr Bela Wolf

Tierarzt, Autor, Journalist

www.tierarzt-wien.com

https://pixabay.com/de/photos/hund-welpe-kleiner-hund-nagen-tier-1599078/

5
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
6 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

Michlmayr

Michlmayr bewertete diesen Eintrag 12.03.2019 09:40:55

gloriaviennae

gloriaviennae bewertete diesen Eintrag 11.03.2019 21:49:44

Sachenmacher

Sachenmacher bewertete diesen Eintrag 11.03.2019 11:05:00

bianka.thon

bianka.thon bewertete diesen Eintrag 10.03.2019 17:23:37

invalidenturm

invalidenturm bewertete diesen Eintrag 10.03.2019 16:51:31

Mehr von Tierarzt