Jahrelang haben die Grünen jeden, der forderte, man möge den Anteil an Kindern, die nicht-deutscher Muttersprache sind, in Schulklassen auf 30% begrenzen, ins rechtsrechte Eck gestellt.

"Entsetzt über die neue ÖVP-Forderung, Klassen mit maximal einem Drittel Schüler mit nicht-deutscher Muttersprache einzurichten, zeigte sich der Bildungssprecher der Grünen, Dieter Brosz. "Diese Forderung stammt direkt aus dem FPÖ-Ausländervolksbegehren aus dem Jahr 1994", erklärte Brosz und disqualifiziere sich damit von selbst." (APA-OTS Die Grünen, 2007)

Um schlussendlich, 25 Jahre nachdem die FPÖ diese Forderung zum ersten Mal erhoben hatte (das Volksbegehren war natürlich 1992), die Quote selber zu fordern:

"Die Grünen fordern eine Regelung für Sprachquoten in Kindergärten."Kinder mit Deutschdefiziten sollten nicht zusammengefasst werden", sagte der grüne Bildungssprecher Harald Walser am Montag. Als ideal würde er einen Anteil von maximal einem Viertel bis zu einem Drittel an Kindern mit Sprachdefiziten in einer Gruppe ansehen. Auch in der Volksschule wäre es für Walser "angemessen, über Quoten nachzudenken". (derStandard.at, 17. Juli 2017)

Und weil man die 25 Jahre genutzt hat, um jeden, der die nunmehr Grüne Forderung aufstellte, als Naziwiedergänger zu verunglimpfen, ist sonst nicht viel geschehen - und die Forderung längst nicht mehr umsetzbar. In Wien im Durchschnitt 50% Kinder nicht-deutscher Muttersprache, in der NMS wesentlich mehr - zig Klassen mit 1 oder 2 Kindern deutscher Muttersprache. Knapp jeder sechste Schüler in Wiener Pflichtschulen beherrscht die deutsche Sprache so schlecht, dass nicht einmal eine Benotung möglich ist (außerordentliche Schüler).

""Das ist gut gemeint, aber nicht möglich", entgegnet Bildungsexpertin Heidi Schrodt. Denn dafür müsste man etwa in Wien Kinder sogar aus der Stadt rausbringen, weil die Quote in manchen Gegenden anders nicht zu erreichen wäre." (Kleine Zeitung, 19. Juli 2017)

Die FPÖ-Forderung, pardon: Grüne Forderung, ist also gut gemeint, aber der Zug ist abgefahren. Das konnte Herr Walser als Bundesbildungssprecher der Grünen natürlich nicht wissen, weil er sitzt ja im schönen Ländle und meint, überall ginge es an VSen und NMSen so zu wie zwischen Bregenz und Schruns-Tschagguns. Man hat es ja nicht nötig, die Zustände zwischen Simmerung und Ottakring wahrzunehmen!

Die blaue Forderung der Grünen ist somit nicht mehr umzusetzen. Mancher denkt daher weiter - aus dem rechten Eck, gerade erst Ideenlieferant für die Grünen, kam der Vorschlag zur Einrichtung von Deutschklassen, die die Kinder besuchen sollen, bis sie dem Regelunterricht folgen können. Das ist für vorgebliche Antirassisten natürlich übelster Rassismus, könnte dabei doch glatt rauskommen, dass die Kinder danach eine realistische Chance auf einen Bildungsaufstieg haben, den es mit anatolischem Kauderwelsch natürlich nicht gibt. Von daher unfassbar, dass jetzt Basti Kurz, der in diesem Blog ansonsten zutiefst verachtet wird, die Forderung in sein Programm aufnimmt.

Zeit für die Grünen, wieder einmal tätig zu werden. Bildung ist eben ein wichtiges Thema:

"Das ÖVP-Wahlprogramm lässt bei ihm (Walser) alle Alarmglocken schrillen: „Kinder auszusortieren und sie nicht zum Regelschulsystem zuzulassen, wenn sie Nachholbedarf in Deutsch haben, ist verantwortungslos und spaltet die Gesellschaft“, kritisiert Walser und fordert die ÖVP auf zur bildungspolitisch vernünftigen Position zurückzukehren." (Die Grünen, 13. September 2017)

Den alternativen Vorschlag will man nicht unterschlagen, zaubert er einem doch ein Lächeln ins Gesicht: "Stattdessen solle verstärkt in die Pädagogenausbildung investiert werden." (derStandard.at, 13. September 2017)

Man sieht sie schon vor sich, die VS- und NMS-Lehrer, die nach drei Fortbildungen das Kauderwelsch der Kinder in korrektes Deutsch verwandeln, zwischen Mathe und Englisch, Sport und Projektwoche, zwischen Anrufen von Eltern, die unverständliche Sprachen sprechen, und Sozialarbeit. Und das für ein - verglichen mit Deutschland - unterirdisches Gehalt. Lässig.

Aber es wird kommen, das Jahr 2042, in dem die Grünen, wenn sie bis dahin noch nicht eingeführt sind, die Deutschklassen vor Regelunterricht fordern werden. Watch out!

Bis dahin bleibt das Motto: Chancenraub! Politische Korrektheit übertrumpft jedes Ansinnen, auch diesen Kindern eine Chance geben zu wollen. Gratuliere! So fühlt man sich sicher besonders toll.

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