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Klimawandel – inwiefern wird Österreich betroffen sein?

Österreich ist vom Klimawandel offenbar deutlich stärker betroffen als viele andere Länder der Erde. Quelle: Adisa/fotolia.com

Sommerliche Temperaturen im goldenen Oktober, milde Winter mit befahrbaren Straßen – die klimatischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte besitzen durchaus eine angenehme Seite. Auf lange Sicht wird der globale Klimawandel uns jedoch vor große wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen stellen. Wie beurteilen Klimaforscher im Zuge dessen die Zukunftsprognose in Österreich und was lässt sich gegen die Veränderungen tun?

Temperaturveränderung – Österreich trifft es hart

Im Vergleich zur Durchschnittstemperatur vom Jahr 1880 ist die mittlere Temperatur in Österreich bis heute um 2 Grad angestiegen. Damit zeichnet sich der Klimawandel im Alpenland wesentlich deutlicher ab als im globalen Durchschnitt: Dieser dokumentierte gerade einmal 0,85 Grad Temperaturanstieg in den vergangenen 140 Jahren. Dass gerade Österreich die Veränderung des Klimas stärker zu spüren bekommt, ist in seiner geografischen Lage und seiner Landschaftsbeschaffenheit begründet:

Als Binnenland profitiert Österreich nicht von den temperaturausgleichenden Effekten der Weltmeere; Landmassen erhitzen sich unter starker Sonneneinstrahlung generell schneller als Wasser.

Das Schwinden der Schneedecke forciert die Erwärmung zusätzlich, da die unter dem Eis hervortretenden Flächen nicht dieselben Reflexionskräfte besitzen. Während das Weiß des Schnees die Sonneneinstrahlung zu großen Teilen zurückwirft, vermag dunkler Erdboden dies nicht und nimmt die Hitze stärker an.

In der Folge gehen die Autoren des nationalen Sachstandsberichts zum Klimawandel davon aus, dass die Durchschnittstemperatur in Österreich bis zum Jahr 2100 um weitere 3,5 Grad ansteigen wird.

Mögliche Folgen des Klimawandels in Österreich

Der Anstieg der Temperatur steht nicht isoliert da, sondern zieht eine Reihe von Folgen nach sich, die Landschaft, Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig verändern können. Die folgenden Bereiche werden in Österreich wahrscheinlich besonders stark vom Klimawandel betroffen sein:

Wald

Die Bewaldung stellt mit gut 50 Prozent Anteil an der österreichischen Staatsfläche eines der bedeutendsten Landschaftsmerkmale dar. Insbesondere die heimischen Fichten werden durch den Temperaturanstieg vermehrt Trockenstress ausgesetzt und damit anfälliger für Schädlinge. Auch für Österreich ist die Gefahr von Waldbränden in der Zukunft denkbar, wie sie jetzt bereits im Mittelmeerraum besteht. Die Belastung des Waldes durch den Temperaturanstieg setzt schlussendlich seine Schutzfunktion vor Gefahren durch Steinschlag, Lawinen, Hangrutschungen und Schlammlawinen (Muren) herab.

Niederschläge

Die Veränderung des Klimas bringt wahrscheinlich Niederschläge mit wachsender Intensität und Frequenz mit sich. Fachleute erwarten darüber hinaus vermehrte Hagelfälle, die Sach- und Ernteschäden verursachen.

Trockenheit

Durch den Temperaturanstieg sind Sommerperioden zu erwarten, in denen etwa doppelt bis viermal so viele Tage die 30-Grad-Marke überschreiten wie noch in den 1980er Jahren. Damit erhöht sich auch die Gefahr der Dürreperioden für Waldvegetation und Landwirtschaft. Außerdem rechnen Forscher in den nächsten Jahren mit jährlich etwa 1000 zusätzlichen Todesfällen durch Hitze.

Gletscher

Die alpinen Gletscher haben im Verlauf der vergangenen 100 Jahre bereits 50 Prozent ihres Eises verloren – eine Entwicklung, die sich im Zuge des Klimawandels wahrscheinlich beschleunigen wird. Damit büßt die Gebirgsregion nicht nur an Attraktivität für Wintertouristen ein, sondern verliert auch ihr natürliches Wasserreservoire. Das Schmelzwasser hat einerseits Bedeutung zum Antrieb von Wasserkraftwerken und stabilisiert andererseits die Wassertemperatur der Flüsse. Steigt diese an, verlassen Fische wie Forellen und Äschen auf lange Sicht ihren Lebensraum.

Fehlender Schnee und Eis sorgen für eine weitere Verstärkung des Klimawandels in Österreich und dürften die Wintersportindustrie stark belasten. Quelle: @ Andy Ilmberger – #160779074 / fotolia.com

Tourismus

Für viele der beliebten Skisportorte prognostizieren Meteorologen eine sukzessive Abnahme der Tage mit Schneebedeckung. In mittelfristiger Zukunft könnte die Temperatur auch für den Einsatz von Schneekanonen zu hoch sein bzw. das Wasser für ihren Betrieb fehlen. Wirtschaftswissenschaftler gehen davon aus, dass die Wintertourismusbranche in den kommenden Jahren mit bis zu 300 Millionen Euro Verlusten rechnen muss. Als langfristige Perspektive könnte sich Österreich durchaus als Reiseziel für den Sommer etablieren, wenn die südeuropäischen Länder durch die zunehmende Hitze unattraktiv werden.

Landwirtschaft

Für die Landwirtschaft könnte die Klimaveränderung sowohl Chancen als auch Gefahren mit sich bringen. Durch Hagel und Dürren drohen zwar wetterbedingte Ernteausfälle, jedoch verlängert die steigende Temperatur auch die Vegetationsperiode und ermöglicht den Anbau hitzeaffiner Gemüse- und Obstsorten. Zwingende Voraussetzung ist dabei eine ausreichende Bewässerung – fehlt Grundwasser, schlagen sich die Kosten für Wasserpumpen schlussendlich im höheren Lebensmittelpreis nieder. Die klimatischen Veränderungen bringen es darüber hinaus mit sich, dass Österreich in Zukunft mehr für den Weinbau geeignete Regionen besitzen wird. So könnten Reben großflächig in Oberösterreich und Kärnten angebaut werden und sogar am Bodensee und im Tiroler Inntal wachsen.

Mensch, Flora und Fauna

Auch Pflanzen, die Allergikern starke Probleme bereiten, profitieren von den steigenden Temperaturen. Während Asthmatiker sich heute auf 1000 Metern über dem Meeresspiegel vor stark allergisierenden Spezies wie Ambrosia artemisiifolia sicher fühlen, ermöglicht der Klimawandel auch ihnen eine größere Ausbreitung und längere Vegetationsperiode. Zusätzlich steigert die Veränderung der Fauna die Gefahr von Krankheiten wie Malaria und Leishmaniose, die durch Insekten übertragen werden, auch in Österreich.

Wirtschaft

Laut Kalkulationen des Forschungsprojektes Coin des Austrian Climate Research Program (ACRP) bezifferten sich die klimabedingten Schäden im Jahr 2015 auf etwa eine Milliarde Euro. Bis Mitte des Jahrhunderts gehen die Forscher von einem Anstieg der Summe auf 4,2 bis 5,2 Milliarden Euro aus. Nicht nur ein volkswirtschaftliches, sondern auch ein gesellschaftliches Problem könnten die geschätzten 200 Millionen Klimaflüchtlinge darstellen, die mutmaßlich bis 2050 von Süden her in klimatisch begünstigte Regionen Europas drängen werden.

Gegenmaßnahmen – was tut das Land bereits?

Europäische Richtlinien, Gesetze und Initiativen – Österreichs Politik legt eine Vielzahl von Bestrebungen an den Tag, die negative Auswirkungen des Klimawandels verzögern und auffangen sollen. Laut Statistiken zählt Österreich damit zu den 25 Ländern, die sich weltweit am tatkräftigsten um den Klimaschutz bemühen. Folgende sind die zentralen Maßnahmen:

Klima und Energiepaket 2020: Gemäß den Rechtsvorschriften der Europäischen Union strebt Österreich an, seine Emissionen, die nicht durch den Emissionshandel abgedeckt sind, bis 2020 um 16 Prozent gegenüber 2005 zu senken.

Klimaschutzgesetz: Das 2011 beschlossene Klimaschutzgesetz (KSG) reguliert Maßnahmen zum Klimaschutz außerhalb des Emissionshandels. Es legt dabei Emissionshöchstmengen für folgende Wirtschaftssektoren fest:

Landwirtschaft

Gebäude

Verkehr

Industrie und Energie

Abfallwirtschaft

Fluorierte Gase

Die Umsetzung der Regelungen überwachen das Nationale Kilmaschutzkommitee (NKK) und der Nationale Klimaschutzbeirat (NKB). Darüber hinaus wird ein jährlicher Fortschrittsbericht zu den Arbeiten in Umsetzung des Klimaschutzgesetzes angefertigt.

Duale Strategie – Emissionsvermeidung und Anpassung: Neben der Begrenzung der Emissionsraten beschäftigt sich die österreichische Klimapolitik konkret mit der Anpassung verschiedener Wirtschaftszweige an die sich verändernden Verhältnisse im Zuge des Klimawandels. Konkrete Beispiele hierfür sind etwa

Die vermehrte Züchtung hitzetoleranter Pflanzenarten in der Landwirtschaft

Das Anpassen des Baumbestandes hin zu artenreicheren Wäldern, die sich veränderten klimatischen Bedingungen besser anpassen können als Monokulturen (v.a. Fichtenwälder)

Das Reaktivieren natürlicher Überschwemmungsflächen, da starker Regen auf versiegelten Flächen nur schwer versickert und eine erhöhte Abflussgeschwindigkeit erzeugt

Die stärkere Berücksichtigung der gestiegenen Wassertemperaturen in wasserwirtschaftlichen Planungen

Der Erhalt von Ökosystemen und bestehender Biodiversität

Initiative klima:aktiv: Im Jahre 2004 begründete das Umweltministerium für aktiven Klimaschutz eine Initiative, die sich der breiten Markteinführung von klimafreundlichen Technologien widmet. Klima:aktiv umfasst ein großes Netzwerk von unabhängigen Beratungsstellen und richtet sich mit seinem Angebot sowohl an Unternehmen als auch an Gemeinden und Privathaushalte. Die zentralen Themen sind dabei Energiesparen, erneuerbare Energie, Bauen und Sanieren sowie Mobilität.

Österreich ist vom Klimawandel offenbar deutlich stärker betroffen als viele andere Länder auf der Erde. Quelle: @ adisa – #135116484 / fotolia.com

Fazit

Weinhänge statt Skipisten? – Aktuelle Forschungsergebnisse zum Klimawandel lösen einerseits skurrile Zukunftsfantasien aus und vergegenwärtigen andererseits die drohenden Gefahren. Selbst wenn vonseiten der nationalen Regierungen bereits diverse Anstrengungen im Klimaschutz unternommen werden, hängt der Erfolg maßgeblich davon ab, wie jeder einzelne Österreicher sein Alltagsleben im Hinblick auf das Einsparen von Energie und die Nutzung nachhaltiger Rohstoffe gestaltet. Es bleibt abzuwarten, ob das Land bereits fit für den Klimawandel ist und was sich in naher Zukunft noch tut.

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